Landgericht Tübingen
: Bruder schlägt mit Reisighippe zu – Prozess um versuchten Mord

Zwei Brüder, ein Hof, ein jahrelanger Streit. Im April greift ein 60-Jähriger aus der Region seinen Bruder an und verletzt ihn schwer. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord vor.
Von
Pia Holzschuh
Tübingen
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Landgericht Tübingen

Vor dem Tübinger Schwurgericht muss sich ein Mann aus der Region wegen versuchten Mordes verantworten.

Pia Holzschuh
  • Prozess wegen versuchten Mordes: 60-Jähriger griff seinen Bruder mit einer Reisighippe an.
  • Tat geschah im April nach einem Streit auf einem Hof auf der Schwäbischen Alb.
  • Opfer erlitt schwere Verletzungen, ein Nackenmuskel konnte nicht wiederhergestellt werden.
  • Angeklagter zeigt Reue: familiäre Belastungen und Stress führten zur Eskalation.
  • Prozess vor dem Tübinger Schwurgericht wird am 11. Dezember fortgesetzt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nach jahrelangem Streit hatte ein 60-jähriger Älbler im April dieses Jahres seinen 57-jährigen Bruder mit einer Klinge, einer sogenannten Reisighippe, angegriffen. Seit diesem Tag sitzt er in Untersuchungshaft. Am Mittwoch, 10. Dezember, begann der Prozess vor dem Tübinger Schwurgericht. Die Anklage lautet auf versuchten Mord mit gefährlicher Körperverletzung.

Die Brüder wuchsen gemeinsam auf dem elterlichen Hof auf der Schwäbischen Alb auf. Der Ältere erbte die Landwirtschaft und das Grundstück, der Jüngere das Wohnhaus mit Erbpacht. Beide erzählten im Gerichtssaal von vielen früheren Konfliktpunkten.

Streit um ein geparktes Auto eskaliert

Am Tag des Angriffs reparierte der jüngere Bruder die Klingel an seinem Haus, das er vermietet hat. Er stellte sein Auto in den Hof. Der ältere Bruder wollte einen Anhänger aus der Scheune holen und forderte ihn daher auf, den Wagen wegzufahren. „Es hätte vielleicht noch maximal fünf Minuten gedauert“, erzählte der Geschädigte. Er habe keinen Angriff erwartet, sich wieder über die Klingel gebeugt, dann den Schlag im Nacken gespürt – und sei erst im Krankenhaus wieder zu sich gekommen. Ein Rettungshubschrauber hatte ihn dorthin gebracht. Bis heute leidet er unter Schmerzen und klagt über körperliche Folgen, unter anderem konnte ein durchtrennter Nackenmuskel nicht wiederhergestellt werden.

Tränen und Reue vor Gericht

Der Angeklagte erklärte, er könne sich nur lückenhaft an den Angriff selbst erinnern. „Ich trage schon länger die Hippe bei mir, weil ich Angst vor meinem Bruder habe“, ließ er verlesen. Sein Verteidiger trug diese Worte vor, weil sich der Mann zu aufgewühlt fühlte, um selbst darüber zu sprechen. Immer wieder rang der 60-Jährige während der Verhandlung mit den Tränen.

Er sprach von einer allgemein schweren Zeit: familiäre Schwierigkeiten, hoher Druck auf dem Hof, zusätzliche Aufgaben in einem Ehrenamt und die Sorge um Stellenabbau am Arbeitsplatz. Er bereue die Tat tief und wolle seinem Bruder das Grundstück überlassen, damit kein neuer Streit aufflammt.

Der Prozess wird am Donnerstag, 11. Dezember, mit weiteren Zeugen fortgeführt. (Ein ausführlicher Bericht folgt)

Die Prozessbeteiligten

Vorsitzender Richter: Armin Ernst; Richter: Simon Salzbrunn, Felix Schmidhäuser; Schöffen: Eberhard Baisch, Andreas Wehner; Staatsanwalt: Maurizio Ruoff; Verteidiger: Benjamin Chiumento; Nebenklagevertreterin: Melanie Freiin von Neubeck; psychiatrischer Sachverständiger: Thomas Ethofer; rechtsmedizinische Sachverständige: Franziska Rabe.

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