Prozess in Tübingen: „Einbrecherkönig“ ist nach Raubüberfall noch immer auf der Flucht

Die Einlassungen und die Selbsterklärung der Angeklagten am dritten Verhandlungstag im Landgericht Tübingen brachten Licht ins Dunkel.
Katja Länge- Einbrecherkönig auf der Flucht: Ein 81-jähriger Wirt wurde im Juni 2024 überfallen.
- Drei Männer vor Gericht in Tübingen, der Haupttäter flüchtig.
- Opfer konnte nicht aussagen, befindet sich vor Herzoperation im Krankenhaus.
- Täter entführten den Wirt, raubten seinen Tresor aus.
- Verhandlung zog sich wegen Übersetzungsschwierigkeiten in die Länge.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mit dem Plan, große Beute zu machen, brachen in der Nacht vom 6. Juni 2024 zwei Männer bei einem Gastwirt in Trochtelfingen ein. Der eine stürzt sich auf sein Bett, versucht ihn mit einer Lidocain Injektion ruhig zu stellen – es missglückt. Daraufhin knebeln und fesseln sie den 81-Jährigen und flüchten vom Tatort, wie die SÜDWEST PRESSE bereits berichtete. Zur Aufklärung der Tat sitzen nun drei ausländische Männer auf den Anklagebanken des Landgerichts Tübingen – der vierte, ein Albaner, befindet sich seit dem Vorfall auf der Flucht.
Der Plan für die Verhandlung am Montag, 24. März, war eigentlich ein anderer: Der Geschädigte selbst hätte aussagen und über die Tatnacht berichten sollen. Jedoch befinde er sich momentan im Krankenhaus vor einer Herzoperation, wie Nebenkläger Urs-Gunther Heck mitteilte. „Er hat Herzprobleme, und die sind durch die ganze Sache hier nicht gerade besser geworden“, ergänzt er.
So wurden die geladenen Zeugen vorbestellt und es schien, als würde es ein kürzerer Verhandlungstag werden. Doch dem war nicht so. Der Mandant von Rechtsanwalt Christian Niederhöfer widersprach der Verlesung seiner Einlassung und wollte stattdessen lieber selbst zu Wort kommen. „Er hat sich ausgiebig mit der Anklage auseinandergesetzt und möchte so seine Glaubhaftigkeit erhöhen“, teilte Niederhöfer mit und zog sich zur Besprechung mit seinem Mandanten zurück. Dann trug der 42-jährige Albaner seine Selbsterklärung mithilfe eines Dolmetschers vor. Aufgrund von Übersetzungsschwierigkeiten folgte im Anschluss eine Befragung, die sich in die Länge zog.
Eine Fahrt nach Italien
Mit einem der Angeklagten, auch albanischer Landsmann, pflege er eine lange Freundschaft, hieß es in seiner Stellungnahme. Daher war es für ihn keine Ursache, als dieser ihn darum bat, zwei Freunde in Italien abzuholen. Auf der Fahrt habe der albanische Beifahrer viel von vergangenen Verbrechen erzählt, sich selbst sogar als „Einbrecherkönig“ bezeichnet. Mit dem anderen Mitfahrer, ebenso auf der Anklagebank, unterhielt er sich auf Italienisch über Fußball-Themen. In Kusterdingen setzte er die beiden an einem Hotel ab. In den nächsten Tagen trafen sie sich mehrmals zum Kaffeetrinken, entweder zu zweit oder zu dritt, während ihr gemeinsamer Freund arbeiten war. Den kennt der flüchtige Albaner aus einer gemeinsamen Haftzeit.
Am Tag des Einbruchs sagte der 42-Jährige jedoch ab. Er habe sich ein Auto gekauft und hätte damit zu tun. Doch die beiden kamen vorbei, fuhren eine Testrunde und der „Einbrecherkönig“ bat ihn darum, ihm das Auto bis 24 Uhr zu überlassen. „Ich sagte mehrmals nein, aber er bestand darauf und ist dann einfach mit dem Auto weggefahren“, so die Übersetzung.
Gegen 20 Uhr trafen sich die vier Beteiligten in einem Restaurant bei Tübingen. Da erhielt der 42-jährige Angeklagte eine Anfrage: „Wie viel Geld möchtest du, um uns nach Italien zu fahren?“ Da er kein Freund von ihm war, verlangte er mindestens 500 Euro. Dazu müsse der Flüchtige nur kurz das Geld von einem Freund holen. Zu dritt, mit zwei Autos, fuhren sie schließlich nach Münsingen. Der 42-Jährige wartete, während die beiden anderen loszogen, um das Geld zu holen.
Steckte Waffe und Spritzen ein
Der angeklagte Italiener ging laut verlesener Einlassung davon aus, man gehe rein, hole Geld und haue wieder ab. Aber dann lief der mutmaßliche Hauptmann ins Schlafzimmer und sprang aufs Bett, in dem das Opfer lag. Als er eine Pistole und Spritzen sah, erschrak er. Schnell habe er diese eingesteckt, sodass sie nicht eingesetzt werden können – dabei stellte er fest, dass die Waffe nicht echt sei. Widerwillig half er dann, den Rentner ans Bett anzubinden, ehe sie den Tresor räumten und verschwanden. Der 39-Jährige beteuerte, er habe nicht gewusst, dass sich jemand im Haus befinde und dass sein Mittäter mit solchen brutalen Mitteln vorgehen werde. Zudem entschuldigte er sich beim Geschädigten für die schreckliche Tat.
Als dem 42-jährigen Fahrer angesagt wurde, er solle ihnen folgen, ging er von folgendem Plan aus: Man fährt zurück nach Tübingen, stellt ein Auto ab und fährt anschließend zusammen in seinem Audi nach Italien. Doch immer wieder nahm der vordere Wagen andere Abzweigungen. Mehrmals wollte er durch die Lichthupe signalisieren, dass sie falsch fuhren. Irgendwann hielt er an einem Parkplatz und wartete. Als der Wagen nach fünf Minuten kam, lief der Hauptmann zu ihm ans Beifahrerfenster, als auf einmal ein anderes Auto von hinten angefahren kam – es war eine Polizeistreife. Diesen Moment nutzte er zur Flucht. Für die anderen beiden klickten um rund 4 Uhr auf dem Parkplatz des Mössinger Freibads die Handschellen.
„Etwas Illegales war klar“
Nach den Einlassungen und der Selbsterklärung ergibt sich folgendes Bild: Der Geflüchtete sei der eigentliche Übeltäter und die anderen seien von ihm beauftragt oder heimtückisch mit reingezogen worden. Dem 39-jährigen Italiener sei zumindest klar gewesen, dass es sich um etwas Illegales handeln müsse, als er vom Geflüchteten für einen Job nach Deutschland mitgenommen wurde, heißt es sinngemäß in seiner Einlassung.


