Infrastruktur auf der Alb
: „Skandal“ um Radwege: Gomadinger  warten weiter

Die Verbindungen Marbach–Grafeneck und Steingebronn–Dottingen liegen wegen Personalmangels auf Eis, obwohl Genehmigungen vorliegen. Die Gemeinde fordert eine rasche Lösung.
Von
Ralph Bausinger
Gomadingen
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Wetter in Baden-Württemberg: 16.09.2025, Baden-Württemberg, Heidelberg: Ein Radfahrer fährt hinter herbstlich verfärbtem Laub über einen Radweg. Foto: Uwe Anspach/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Bau des Radwegs zwischen Marbach und Grafeneck wird  nach hinten verschoben, da es derzeit im RP zu wenig planerische Kapazitäten gibt  (Symbolbild).

Uwe Anspach/dpa

Das sei ein „Skandal“, eine „Riesensauerei“, polterte Bürgermeister Klemens Betz in der Sitzung des  Gomadinger Gemeinderats am Dienstagabend. Der Bürgermeister ärgerte sich über zwei Schreiben, die er von einem Mitarbeiter aus dem Baureferat Nord des Regierungspräsidiums Tübingen erhalten hatte. Darin hieß es, dass sich das Baureferat, das seinen Sitz in Reutlingen hat,  aufgrund zu geringer Kapazitäten derzeit nicht um die Entwicklungsplanung und Umsetzung von zwei, seit langem geplanten Radwegen kümmern könne. Diese Maßnahmen seien aus verschiedenen Gründen nach hinten gerückt worden.

Als sich Betz daraufhin beim Chef des Referats beschwerte, erhielt er die Antwort, dass der Markt an Bauingenieuren leer gefegt sei, da sie in der freien Wirtschaft deutlich mehr verdienten. Zudem hätten andere Projekte Vorrang bei der Planung. Für Betz stellt sich allerdings die Frage, warum man dann kein privates Ingenieurbüro mit der Planung beauftragen könne.

Das erste Vorhaben betrifft einen Radweg, der entlang der Landesstraße 247 von Marbach nach Grafeneck führen soll. Die Planungen wurden bereits im Jahr 2012 begonnen. Es sei nicht einfach gewesen, so der Bürgermeister, sich mit allen Verfahrensbeteiligten – Gemeinde, Haupt- und Landgestüt Marbach, Forst BW und Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt Reutlingen – auf eine Trasse zu einigen. Die Lautertalgemeinde habe alle notwendigen Genehmigungen eingeholt, das Baureferat könnte mit der Ausschreibung beginnen. Auch aus Sicherheitsgründen sei der Bau des Radwegs notwendig: Bislang nutzen die Radfahrer die nicht besonders breite und kurvige Landesstraße, auf der es bereits,  so Gemeinderat Andy Caspart, mehrere Unfälle mit Verletzten gegeben habe (siehe Infobox).

Warten auf den Lückenschluss

Das zweite Projekt ist der Lückenschluss des Radwegs zwischen Steingebronn und dem Münsinger Stadtteil Dottingen. Auch hier reichen die Planungen einige Jahre zurück. Im Jahr 2020 hatte der Gomadinger Gemeinderat die vom Land favorisierte Trassenvariante abgelehnt, was zu jahrelangem Stillstand geführt hatte. Fünf Jahre später stimmte die zuständige Straßenbauverwaltung der von der Gemeinde vorgeschlagenen Lösung zu. „Der gordische Knoten scheint zerschlagen zu sein“, sagte Betz in der Gemeinderatssitzung 2025.

Von Gomadingen kommend soll der Radweg vor dem Gewerbegebiet Steingebronn die Landesstraße 230 mittels einer erhöhten Mittelinsel und einer Querungshilfe überqueren. Die L 230 wird dazu vor und nach der Mittelinsel verbreitert. Anschließend soll der Radweg auf bereits vorhandenen Wirtschaftswegen weitergeführt werden, die im Rahmen des Ausbaus asphaltiert werden; so gelangt man zum Spielplatz Steingebronn und weiter unterhalb am Steinigen Brunnen vorbei zur Ochsenbergstraße und in die Kreisstraße 6702 nach Dottingen. Dort wird die K 6702 gequert, danach können Radfahrer dem bestehenden asphaltierten Radweg zum Flugplatz Münsingen folgen.

Mit dem Bau des Lückenschlusses solle, so Betz damals im Gemeinderat, noch im Frühjahr begonnen werden. Daraus wurde und wird auch vorerst nichts: Die Gomadinger müssen noch länger auf ihre Radwege warten – hoffentlich nicht so lange, wie Lichtenstein auf den Albaufstieg.

Unfälle auf der L 247 in den Jahren 2023 bis heute

Wie eine Nachfrage beim Polizeipräsidium Reutlingen ergab, wurden seit 2023 drei Unfälle mit Radfahrern registriert, bei denen jeweils Personen leicht verletzt wurden. 2023 stürzte ein Radfahrer am Ortsausgang Marbach auf der L249 Richtung Grafeneck durch einen Fahrfehler; er zog sich leichte Verletzungen zu. Im selben Jahr kam es auf der L247 nahe der nördlichen Abzweigung Richtung Grafeneck beim Abbiegen zu einer Kollision zwischen einem Auto und einem Radfahrer; der Radfahrer wurde leicht verletzt. Zwei Jahre später stießen auf der L247 zwischen Marbach und Grafeneck zwei Radfahrer während eines Überholvorgangs zusammen. Im Jahr 2024 verzeichnet die Polizeistatistik keinen Fahrradunfall. Auch in diesem Jahr sei die Strecke bislang unauffällig, doch die Zweiradsaison habe gerade erst begonnen, wie Tina Rempfer von der Pressestelle des Polizeipräsidiums schreibt.