Hauptversammlung in Pfronstetten
: Freiwillige Feuerwehr hat guten Leistungsstand

Dass die Einsätze für die 122 Feuerwehrleute, vor allem im Hinblick auf die psychische Belastung nicht immer ganz einfach sind – auch das war ein Thema bei der Hauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Pfronstetten.
Von
Gabriele Leippert
Pfronstetten
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Bürgermeister Reinhold Teufel (rechts), Kommandant Markus Stoll (4. von rechts) sowie Vizekommandant Philipp Schneider (3. von links) mit den Geehrten der Freiwilligen Feuerwehr Pfronstetten. Neben dem Schultes lobte bei der Versammlung auch Kreisbrandmeister Wolfram Auch die Einsatzbereitschaft und das Können der Männer und Frauen bei den Freiwilligen Feuerwehren.

Gabriele Leippert.

Insgesamt 662 Einsatzstunden für acht technische Hilfeleistungen, sieben Brandeinsätze und einen Fehlalarm: So sieht die Bilanz der Pfronstetter Feuerwehr mit ihren sechs Abteilungen Aichelau, Aichstetten, Geisingen, Huldstetten, Tigerfeld und Pfronstetten nüchtern betrachtet aus. Dass es für die 122 Feuerwehrleute, darunter eine Frau, vor allem im Hinblick auf die psychische Belastung nicht immer ganz einfach war, erläuterten Kommandant Markus Stoll und sein Vize Philipp Schneider bei der Hauptversammlung am Freitagabend.

So musste die Wehr Anfang August zu einem Verkehrsunfall zwischen Aichstetten und Hayingen ausrücken, „der sehr prägend und dramatisch war“, wie es Schneider ausdrückte. Ein Traktor war samt dem mit Stroh beladenen Anhänger umgekippt, als er einem entgegenkommenden Auto ausweichen musste. Dabei waren der 66 Jahre alte Fahrer und seine beiden mitfahrenden Enkel von dem Gespann herunter geschleudert und schwer verletzt worden. Es sei eine spürbar angespannte Lage für die Retter gewesen, „sowohl den verunfallten Fahrer als auch die beiden Kinder haben wir persönlich gekannt“, fügte Stoll hinzu.

Bei einem Brandeinsatz an einem alten Fachwerkhaus in Aichelau hätte sich gezeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit der Abteilungen sei. Der erste Alarm nachts um ein Uhr wegen starker Rauchentwicklung im Bereich des Kamins konnte zuerst problemlos abgearbeitet werden. Morgens um neun Uhr ging der Alarm aber erneut los, weil der Rauch jetzt aus dem Dach heraus gedrückt hatte. Zusätzliche Abteilungen, mehr Atemschutzträger sowie auch die Drehleiter aus Gammertingen wurden nachalarmiert. „Das war dem Umstand geschuldet, dass wir nicht wussten, wohin sich das Feuer bewegen würde“, weshalb sogar noch eine Wärmebildkamera angefordert werden musste, um die Brandstelle tatsächlich lokalisieren zu können.

Mit dem Spruch „das Denken von der Wand bis zur Tapete ist manchmal Glücksache“ kommentierte Stoll ein Vorkommnis am Ostersonntag, als irgendjemand heiße Asche im Wald zwischen Tigerfeld und Pfronstetten „entsorgt“ hatte. Glücklicherweise hätte ein Feuerwehrmann den flirrenden Rauch bemerkt und das Löschen der kokelnden Stelle veranlasst.

Lob vom Bürgermeister

Auch einen „kuriosen Einsatz“ hat die Truppe zu vermelden. „Es wurde ein Sirenenknopf als Hausklingel missbraucht„. Die restlichen wären Einsätze gewesen, die „zum normalen Feuerwehrleben gehören“, zog Stoll am Schluss sein Resümee.

Zahlreiche Lehrgänge auf Kreis- und Landesebene hätten die Pfronstetter außerdem absolviert und dafür 848 Stunden Zeit aufgewendet, für das Erlangen der Leistungsabzeichen in Bronze und Silber (siehe Infokasten) investierten 14 Feuerwehrleute rund 720 Stunden Vorbereitungszeit, zudem wären vier Mann beim ersten Geschicklichkeitsfahren des Landkreises dabei gewesen, welches von der Abteilung Aichelau organiert wurde. Adrian Zürn wurde zum Schriftführer für die nächsten fünf Jahre gewählt.

„Es war wieder ein abwechslungsreiches Jahr, bei dem sich gezeigt hat, dass unsere Wehr einen guten Leistungsstand hat“, meinte Bürgermeister Reinhold Teufel. Der Einsatz beim Unfall in Aichstetten mit Leuten vom Ort wäre eine absolut stressige Situation für die Feuerwehrleute gewesen, „stressiger kann eine Stresssituation gar nicht sein, wenn auch noch eigene und Kinder beteiligt sind“. Und trotzdem hätte alles super funktioniert, zollte der Schultes Lob.

Zufriedenstellende Tagesverfügbarkeit

Mit der Tagesverfügbarkeit wäre er relativ zufrieden, weil sowohl Firmenangestellte als auch vier Gemeindemitarbeiter mit zum Einsatz gingen oder etwa Ölspuren beseitigen würden. Zudem sei die Feuerwehr für die Gemeinde da, wie etwa beim Maibaum aufstellen, bei Brandwachen oder Kriegsgräbersammlungen, und bewahre dadurch das örtliche Brauchtum, schloss Teufel seine Dankesrede. Die Gefahrenabwehr in den Städten und Gemeinden im Landkreis Reutlingen würde zu 90 Prozent von den mehr als 3000 ehrenamtlichen Feuerwehrleuten neben ihrem Beruf und ihrer Familie ausgeübt, konstatierte Kreisbrandmeister Wolfram Auch in seiner Ansprache. Wobei dieses Hobby, besser gesagt diese Berufung, neben körperlichen Belastungen durchaus auch mit Risiken behaftet sei, etwa bei den Atemschutzgeräteträgern. „Da wo andere raus rennen, muss die Feuerwehr rein“.

Infos über Neuheiten

Um einer psychische Belastung für Feuerwehrangehörige (wie etwa beim Unfall in Aichstetten) entgegentreten zu können, würden derzeit vier Personen im Landkreis besonders geschult, die mit Betroffenen entsprechende Gespräche führen könnten. Am Ende sprach Auch seinen Dank und seine Anerkennung für das anspruchsvolle Engagement aller Pfronstetter Feuerwehrleute aus. Gunter Hespeler, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Reutlingen, informierte noch über Neuigkeiten des Landesverbands.

Ehrungen und Beförderungen

Auf der Tagesordnung bei der Feuerwehr in Pfronstetten standen auch Ehrunge und Beförderungen:

Das Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze für 15 Jahre aktiven Dienst ging an Daniel Bahrt, Matthias Störkle und Andreas Waidmann von der Abteilung Aichstetten, sowie an Christoph Auchter, Florian Bockmaier und Michael Engst von der Abteilung Geisingen.

Das Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber für 25 Jahre aktiven Dienst erhielten Achim Stoll und Markus Engst aus Tigerfeld sowie Klaus Josef Raach und Markus Bodenmüller aus Aichelau.

Zum Feuerwehrmann befördert wurden: Nico Schultes, Fabian Schmied, Hannes Raach und Raphael Arnold.

Den Dienstgrad Oberfeuerwehrmann tragen jetzt: Timo Schmied, Simon Münch und Jens Waidmann.
Zum Löschmeister befördert wurde Kevin Schmuda. ⇥lpt

Männer legen Leistungsabzeichen ab

Das Leistungsabzeichen in Bronze haben 2019 abgelegt: Kevin Arnold, Manuel Schmied und Simon Wagner.
Das Leistungsabzeichen in Silber erhielten: Markus Stoll, Roland Kurz, Andre Hacker, Niklas Schneider, Michael Baier, Kevin Schmuda, Tim Scheible, Dennis und Joschua Arnold, Klaus Hageloch und Matthias Broß.