Coronavirus-Ausbruch nach Hochzeitsfeier in Gammertingen
: Neun Infizierte, Schulklasse in Quarantäne

Rund zwei Wochen nach einer privaten Hochzeitsfeier in Gammertingen kämpft das Gesundheitsamt zusammen mit der Stadtverwaltung gegen einen Coronavirus-Ausbruch: Es gibt bislang neun Infizierte und zahlreiche Kontaktpersonen.
Von
Alexander Thomys
Gammertingen
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Nach einer Hochzeitsfahrer gibt es in Gammertingen neun mit dem Coronavirus infizierte Personen.

Symbolbild/dpa

Manchmal geht es schneller, als man denkt: Erst kürzlich gab es nach einer privaten Party in Dettingen an der Erms mit 33 Teilnehmern mehr als 30 positive Corona-Fälle und mehrere betroffene Schulen. Nun hat es auch die Stadt Gammertingen erwischt: Nach einer Hochzeitsfeier, die vor etwa zwei Wochen gefeiert wurde, gibt es in der Stadt inzwischen neun neue Coronavirus-Fälle. „Viele Menschen denken, man müsse nicht aufpassen, weil es eben nur Reiserückkehrer trifft – das hat sich leider als Irrtum erwiesen“, erklärt hierzu Gammertingens Bürgermeister Holger Jerg.

Fälle im familiären Umfeld

Das Gesundheitsamt des Landkreises Sigmaringen ermittelt nun die Kontaktpersonen der Hochzeitsgäste, deren Feier als Auslöser der jüngsten Coronavirus-Fälle vermutet wird. „Der Verdacht liegt nahe, da die meisten Infizierten aus dem familiären Umfeld der Feier stammen“, erläutert Jerg. Betroffen ist demnach auch eine weiterführende Schule in Gammertingen. Eine Schulklasse ist in Quarantäne, am heutigen Montag führte die kassenärztliche Vereinigung in Kooperation mit dem Gesundheitsamt im Umfeld der Schule zahlreiche Testungen auf das Coronavirus durch. Die betroffenen Lehrkräfte gelten allerdings nicht als Kontaktpersonen der Kategorie 1. „Das Gesundheitsamt ist seit Freitag in intensivem Austausch mit der Schulleitung“, berichtet Jerg und lobt: „Es gab schnell umfassende Informationen für die Eltern.“ Betroffen seien hauptsächlich Schüler aus Gammertingen – Schüler aus anderen Orten würden hauptsächlich in der Parallelklasse unterrichtet. Betroffen ist auch ein Unternehmen, in welchem eine positiv getestete Mitarbeiterin noch gearbeitet hatte, bis sie als Kontaktperson in Quarantäne musste. „Die Tests im Betrieb waren bisher negativ, dennoch sind auch hier zahlreiche Kontaktpersonen in Quarantäne“, berichtet Jerg.

Keine Schuldzuweisungen

Noch sei die Zahl der Fälle nicht dramatisch, könne die Verwaltung als Ortspolizeibehörde die Vorgaben zur Quarantäne kommunizieren und deren Einhaltung kontrollieren. „Wir müssen aber möglichst vorsichtig sein“, betont der Gammertinger Bürgermeister. Es gelte aber auch, zusammenzuhalten. Von Schuldzuweisungen an die Hochzeitsgäste hält Jerg daher nichts. „Das hat keiner mit Absicht gemacht. Es gibt eben auch Fälle, in denen ein Infizierter ansteckend ist, ohne selbst Symptome zu haben“, betont der Gammertinger Bürgermeister. „Wir müssen jetzt zusammenstehen – aber eben mit Abstand.“

Zwölf neue Corona-Fälle in einer Woche

Im Landkreis Sigmaringen gibt es – Stand Sonntagnachmittag – 900 bestätigte Infektionen, wovon die allermeisten bereits als genesen gelten. Es gab 36 Todesfälle im Zusammenhang mit einer Infektion mit dem Sars-Cov-2-Virus. Im Vergleich zum Vortag gab es vier Neue Infektionsfälle, in den vergangenen sieben Tagen insgesamt zwölf neue Fälle – die meisten davon aus Gammertingen. Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohner liegt für den Landkreis Sigmaringen bei 9,2 – erst bei 50 Fällen müssten für den Landkreis zusätzliche Maßnahmen beschlossen werden.

Sechs Personen außerhalb angesteckt

Wie das Gesundheitsamt des Landkreises Sigmaringen am heutigen Dienstagmorgen mitteilte, besteht bei drei Infizierten ein direkter Zusammenhang mit der privaten Feier in Gammertingen. „Sechs weitere Personen aus ihrem Umfeld haben sich in der Folge infiziert“, erklärt Fabian Oswald, stellvertretender Pressesprecher des Landratsamtes. 55 Personen wurden als enge Kontaktpersonen identifiziert. „Diese wurden informiert, beraten und in Quarantäne versetzt“, so Oswald weiter.

Im Zusammenhang mit der Gammertinger Schule teilt Oswald mit: „Da auch ein Kind von der Infektion betroffen ist, wurden eine gesamte Schulklasse und weitere enge Kontaktpersonen aus der Schule in Quarantäne versetzt. Am 5. Oktober wurden vor Ort durch ein Team des Gesundheitsamtes bei den Betroffenen Abstriche zur Untersuchung auf SARS-CoV-2 abgenommen und ans Labor des Landesgesundheitsamtes gegeben. Wir hoffen bis Mittwoch die Ergebnisse zu erhalten.“