Beratungsstelle in Münsingen: Verschiedene Sorgen, vielfältige Hilfe

Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen unterstützen überall da, wo der Schuh drückt.
Begegnungsstätte Karla 5- Offene Sprechstunde in der Karla 5 in Münsingen: dienstags von 10 bis 12.30 Uhr.
- Niedrigschwelliger Zugang ohne Termin, mehrsprachiges Team und Dolmetscher unterstützen.
- Hilfe bei Anträgen, Behördenpost, Kinderbetreuung und in akuten Notsituationen.
- Beispiel Obdachlosigkeit: Unterkunft, Tafel, Anträge und schnelle Vermittlung wurden organisiert.
- Einzeltermine über die diakonische Bezirksstelle möglich, App zum Ausfüllen von Anträgen geplant.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Jeden Dienstagvormittag findet in der Begegnungsstätte Karla 5 in der Karlstraße 5 in Münsingen eine offene Sprechstunde statt, zu der alle Menschen, die Hilfe brauchen, kommen können. Ob es um eine bevorstehende Trennung, einen Antrag bei der Familienkasse, Fragen zu einer Sozialleistung oder komplexe persönliche Herausforderungen geht – die Themen der Ratsuchenden sind so vielfältig wie das Leben selbst. „Jeder kann kommen, mit jedem Anliegen“, beschreibt Maryna Sikeler, die im Projekt „My Integration“ und der EUTB-Beratungsstelle im Diakonieverband tätig ist, die offene Sprechstunde. „Wir schauen, was wir tun können oder wer weiterhelfen kann.“ Besonders wichtig dabei ist: Der Zugang ist niedrigschwellig, es braucht keinen Termin und keine Anmeldung.
In die Karla 5 kommen Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen und Lebenssituationen: Menschen aus der Ukraine, aus dem arabischen Raum oder auch Familien mit anderem Migrationshintergrund, die sich mit der deutschen Sprache schwertun. Dabei verfügt das Team über eine gute Sprachkompetenz: Englisch, Arabisch, Russisch, Ukrainisch, Rumänisch und Portugiesisch sind vertreten, dazu kommen ehrenamtliche Dolmetscher und digitale Übersetzungsdienste. „Wenn jemand nur Ukrainisch spricht, kann ich ihn an die Kollegin weiterleiten – oder wir nutzen einen Dolmetscher oder ein Übersetzungstool“, erklärt Susanne Glück, die beim Diakonieverband im Projekt „My Integration“ arbeitet.
Vielfach gehe es um praktische Alltagshilfen – etwa beim Ausfüllen von Anträgen, bei Fragen zur Kinderbetreuung oder bei der Klärung von Behördenpost. Manche Ratsuchende kommen regelmäßig, andere tauchen nur einmal auf, wenn eine ganz bestimmte Herausforderung zu bewältigen sei, so das Team der Begegnungsstätte.
Von der Krise zur Lösung
Besonders in schwierigen Situationen zeige sich die Stärke des interdisziplinären Teams, heißt es in einer Mitteilung. „Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist das Schicksal einer obdachlosen Frau: Durch die Vermittlung der Stadt kam sie in die offene Sprechstunde – ohne Unterkunft und ohne das Notwendigste zum Leben.“ Das Team habe sofort gehandelt und die Stadt Münsingen für eine Unterkunft gesorgt, während die Beraterinnen Lebensmittel von der örtlichen Tafel organisierten. Zudem seien zügig Anträge für existenzsichernde Leistungen auf den Weg gebracht worden, und die Frau erhielt Unterstützung bei allen bürokratischen Hürden. „Hier wurde deutlich, wie flexibel wir sind und wie viele Stellen sich engagieren, um jemandem schnell und unkompliziert zu helfen“, betont Florian Hecht, Migrationsberater beim Diakonieverband und Mitbegründer des Angebots.
Vieles sei außerdem auf dem „kurzen Dienstweg“ geregelt worden: „Manchmal kann ich direkt die Sachbearbeiterin anrufen und den Weg für die Klientin ebnen. Das macht vieles einfacher.“
Diese flexible und unbürokratische Unterstützung sorge überdies für Vertrauen. „Die Frau ist inzwischen versorgt und kommt noch immer gelegentlich vorbei – ein Zeichen dafür, dass Vertrauen und Lösungen Bestand haben.“ Viele Ratsuchende erleben, dass ihr Anliegen ernst genommen wird. „Sie kommen immer wieder, weil sie wissen, dass ihnen geholfen wird“, so Isolde Rauscher aus der Schwangeren- und Sozialberatung.
Doch nicht nur in akuten Notsituationen, sondern auch im Alltag würden die Ratsuchenden von der Offenheit des Angebots profitieren: „Viele Klienten verstehen einfach nicht, welche Unterlagen sie einreichen müssen – da machen wir den Weg gerader und helfen, dass alles läuft“, berichtet Ildikó Iacob, ebenfalls Mitarbeiterin im Projekt „My Integration“. Gerade Menschen, die neu im deutschen Behördensystem seien, würden häufig auf Hürden stoßen. „Oft ist das Problem nicht, dass wir nicht helfen können, sondern dass die Bearbeitung bei den Behörden lange dauert. Wir sorgen dafür, dass die Unterlagen vollständig sind, und unterstützen mit Telefonaten oder persönlichen Gesprächen – aber an dem großen bürokratischen Aufwand können wir manchmal wenig ändern“, bedauert Jule Hofstetter aus der Migrationsberatung.
Die Beratungsstelle ist überzeugt, dass ein weiteres Erfolgsrezept die enge Zusammenarbeit verschiedenster Fachrichtungen vor Ort ist– von Migrations- und Integrationsberatung über Sozialberatung bis hin zu Jugendamt und Familienhilfe im Rahmen des Sozialraumteams. Das Team sei flexibel: „Wir sind alle mit unseren Fachrichtungen da, aber offen für die Anliegen, die kommen. Jeder bringt seine Expertise mit und ergänzt die anderen“, berichtet Maryna Sikeler. Besonders profitieren würden die Ratsuchenden davon, dass die Sprechstunde nicht auf eine bestimmte Zielgruppe begrenzt ist. Manchmal beraten Integrationsexperten und -expertinnen eine Familie, manchmal unterstützt die Sozialberatung Menschen mit Behinderung.
Die Kooperation mit anderen Akteuren sei in den letzten Jahren gewachsen. „Mittlerweile ist die Zusammenarbeit richtig gut – wir kennen die Stärken und Kompetenzen der Kolleginnen und können zügig weiterverweisen“, berichtet Susanne Glück. „Was wir besonders gut können, sind unkomplizierte Lösungen für schwierige Situationen.“ Ein Mitarbeiter hebt die gute Erreichbarkeit hervor: „Beim Jobcenter komme ich meist direkt durch oder werde zurückgerufen – das ermöglicht schnelle und pragmatische Antworten.“
Auch die Stimmung vor Ort sei besonders: Viele Fälle werden gemeinsam besprochen, die Sprechstunde bietet Raum für kollegialen Austausch und direkte Hilfestellung. Wenn neue Ratsuchende kommen, sortieren die Mitarbeitenden direkt, wer als Ansprechpartner passt. Für die Zukunft ist der Einsatz einer Ausfüll-App geplant, mit der die Ratsuchenden eigenständig und mit geringer Unterstützung die verschiedenen Anträge ausfüllen können. Beratung soll schließlich – da sind sich alle Beratenden einig – Selbstständigkeit und Eigenverantwortung stärken.
Die offene Sprechstunde ist immer dienstags von 10 bis 12.30 Uhr. Bei komplexen oder längerfristigen Fragestellungen kann direkt ein Einzeltermin vereinbart werden. Dies ist bei der diakonischen Bezirksstelle Münsingen, Kirchplatz 2 in Münsingen, unter Telefon (07381) 48 27 oder per E-Mail an dbs-muensingen@diakonie-reutlingen.de möglich. Weitere Informationen gibt es zudem online unter www.diakonie-reutlingen.de.