Terrarien- und Aquarienausstellung
: Eine der seltensten Echsen der Welt besucht Mössingen – mit Babys

Nur noch wenige Hundert Krokodilschwanzechsen leben in freier Wildbahn. Einem Reutlinger Biologen ist nun die Nachzucht der seltenen Reptilien gelungen. Acht kleine Echsen kommen am Wochenende nach Mössingen. Dafür braucht es Geduld – und Würmer aus Kanada.
Von
Benjamin Breitmaier
Mössingen
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Sie sieht aus wie ein Krokodil im Kleinformat- und ist in der Natur fast ausgestorben. Die Krokodilschwanzechse.

Sie sieht aus wie ein Krokodil im Kleinformat- und ist in der Natur fast ausgestorben. Die Krokodilschwanzechse, Shinisaurus crocodilurus.

Stefan Merz
  • Acht Krokodilschwanzechsen kommen zur Ausstellung in Mössingen – eine seltene Art.
  • Der Reutlinger Biologe züchtete die Tiere erfolgreich und fütterte sie per Hand.
  • Kanadische Würmer galten als geeignetes Futter, da sie weniger Säure enthalten sollen.
  • Die Jungtiere sind etwa 10 Zentimeter lang und rund einen Monat alt.
  • Ausstellung von Freitag bis Sonntag, 30. Oktober bis 1. November, im Kleintierzüchterheim.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

„Sie sieht aus wie ein Krokodil im Kleinformat und ist in der Natur fast ausgestorben“, schreibt der Biologe Stefan Merz. Die Chinesen nennen sie „die Echse der großen Langsamkeit“. Nur noch etwa 600 Exemplare dieses lebenden Fossils tummeln sich laut Merz in freier Wildbahn an flachen Gewässern in China und Vietnam. Die Krokodilschwanzechse gilt damit als eines der gefährdetsten und seltensten Tiere überhaupt.

Wenn die Aquarien- und Terrarienfreunde Mössingen zu ihrer großen Ausstellung einladen, gibt es jedes Jahr eine Überraschung. Im vergangenen Jahr waren es Riesenschildkröten von den Seychellen, die für Staunen sorgten. In diesem Jahr ziehen deutlich kleinere Reptilien neugierige Blicke auf sich, wenn die Ausstellung von Freitag bis Sonntag, 30. Oktober bis 1. November, wieder im Kleintierzüchterheim für den Besucherverkehr öffnet.

„Etwas ganz Besonderes“

Zu verdanken ist die kleine Sensation dem Reutlinger Vereinsmitglied Stefan Merz. Dem Biologen und Ökologen gelang ein Zuchterfolg, für den es nicht nur kanadischer Regenwürmer bedarf, sondern vor allem eines beachtlichen Ausmaßes an Geduld.

Welche Längen ein Züchter gehen muss, um den Nachwuchs dieser Art durchs Kindbett zu bringen, erklärt der Reptilienfreund Merz am Telefon. „Das ist etwas ganz Besonderes“, freut sich der Biologe. Die acht kleinen Echsen sind mittlerweile 10 Zentimeter lang und werden in ihrem Paludarium in Reutlingen gehegt und gepflegt – einer Mischung aus Aquarium und Terrarium. Der Boden ist etwa zehn Zentimeter hoch mit Wasser bedeckt, darüber klettern die Echsen zwischen Ästen und Pflanzen umher.

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Sie sieht aus wie ein Krokodil im Kleinformat- und ist in der Natur fast ausgestorben. Die Krokodilschwanzechse. Shinisaurus crocodylurus

So sieht ein stolzes Elternteil aus.

Stefan Merz

Die Suche nach einem Nest mit Eiern ist bei der Krokodilschwanzechse vergebens. Anders als die meisten Echsen bringt sie nach einer Tragzeit von etwa einem Jahr lebende Junge zur Welt. Die Eier entwickeln sich währenddessen im Körper des Muttertiers.

Dass es überhaupt acht geworden sind, hat Merz erst nach und nach bemerkt. Denn die Krokodilschwanzechsen leben versteckt zwischen Ästen und Pflanzen. Eines Tages entdeckte er ein Jungtier, an den folgenden Tagen kamen weitere hinzu. Schließlich hatte er acht kleine Echsen gezählt.

Doch die eigentliche Herausforderung beginnt nach der Geburt. Merz hatte schon in früheren Jahren Nachwuchs bei den seltenen Echsen, die Jungtiere waren damals allerdings gestorben. Das Problem: Die kleinen Krokodilschwanzechsen sind nur schwer zum Fressen zu bewegen.

Inzwischen tauscht sich der Reutlinger mit einer kleinen Gemeinschaft erfahrener Züchter aus. Von ihnen kam der entscheidende Hinweis: Bestimmte Würmer aus Kanada eignen sich nach ihren Erfahrungen besser als heimische Rotwürmer, weil sie weniger Säure enthalten sollen.

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Dann beginnt die Geduldsarbeit. Die Würmer werden in winzige Stücke geschnitten. Merz nimmt eines der Jungtiere in die Hand, dreht es auf den Rücken und berührt mit einer Pinzette vorsichtig sein Maul. Öffnet die Echse den Mund, schiebt er ein Stück Futter hinein. Anschließend streicht er ihr über den Hals, um den Schluckreflex auszulösen. So arbeitet er sich Tier für Tier durch die Nachzucht.

Rund eine Stunde täglich kostet ihn allein diese Prozedur. Doch der Aufwand scheint sich auszuzahlen: Bislang haben alle acht Jungtiere überlebt. Sie sind jetzt etwa einen Monat alt. Schon bald will Merz sie bei den Behörden melden.

Sie sieht aus wie ein Krokodil im Kleinformat- und ist in der Natur fast ausgestorben. Die Krokodilschwanzechse. Shinisaurus crocodylurus

Insgesamt acht Baby-Echsen wuseln bei Stefan Merz durch das Paludarium.

Stefan Merz

Am Freitagmorgen steht den acht kleinen Echsen dann ihre erste größere Reise bevor. Merz will sie in isolierten Styroporboxen nach Mössingen bringen und unmittelbar vor der Ausstellungseröffnung in ein eigens eingerichtetes Terrarium setzen. Die Tiere seien gegenüber solchen Veränderungen wenig stressanfällig, erklärt der Biologe.

Dort werden sie Teil einer Ausstellung, die die Aquarien- und Terrarienfreunde Mössingen nun schon seit Jahrzehnten organisieren. In diesem Jahr feiert der 1986 gegründete Verein sein 40-jähriges Bestehen. Heute zählt der Verein knapp 140 Mitglieder. Laut Angaben des Vereins ist die Schau die einzige Vereinsausstellung dieser Art in Baden-Württemberg, die noch jährlich organisiert wird.

Neben den Krokodilschwanzechsen zeigen die Vereinsmitglieder Süß- und Meerwasseraquarien mit Fischen und Korallen sowie Terrarien mit Schlangen, Schildkröten, Amphibien und Insekten (siehe Infobox).

Ausstellung zum 40-jährigen Bestehen

Die Aquarien- und Terrarienfreunde Mössingen laden von Freitag bis Sonntag, 30. Oktober bis 1. November, zu ihrer jährlichen Ausstellung ins Kleintierzüchterheim, Nehrener Gässle 8, ein. Geöffnet ist an allen drei Tagen von 10 bis 17 Uhr.

Zum 40-jährigen Bestehen des Vereins zeigen die Mitglieder Süß- und Meerwasseraquarien, Korallenriffe und Terrarien mit exotischen Tieren. Unter dem Motto „Wissen schützt Tiere!“ beantworten sachkundige Vereinsmitglieder Fragen zur Haltung und zum Artenschutz. Die Tübinger Mikroskopische Gesellschaft gewährt Einblicke in die Welt kleinster Lebewesen. Außerdem gibt es eine Börse mit nachgezüchteten Zierfischen und rund 40 Arten von Korallen, Spiele und kreative Angebote für Kinder sowie einen Foodtruck.

Der Eintritt kostet für Erwachsene ab 16 Jahren 5 Euro, für Kinder von 8 bis 15 Jahren 3 Euro. Familien mit eigenen Kindern bis 15 Jahren zahlen 10 Euro. Die Ausstellung ist barrierefrei zugänglich.

Diskusfisch Terrarienfreunde Mössingen

Nicht nur Echsen werden bei der Ausstellung zu sehen sein. Die Mössinger stellen auch eine ganze Reihe an farbenfrohen Wasserwesen aus, wie dieser Diskusfisch.

Horst Fries