Nachruf auf Hans Rommel
: Mössingen verliert einen prägenden  Theatermann

Hans Rommel ist im Alter von 88 Jahren verstorben. Der Pädagoge hat am Quenstedt-Gymnasium eine legendäre Theater-AG begründet.
Von
Jürgen Jonas
Mössingen
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(ohne Überschrift): Vorsicht: Dieses Foto ist möglicherweise nur für den einstigen Verlag Schwäbisches Tagblatt verwendbar. Kriegskind Hans Rommel im Lesesessel
Bild ULi Rippmann

Hans Rommel im Lesesessel

Uli Rippmann
  • Theaterpädagoge Hans Rommel, Gründer der Theater-AG am Quenstedt-Gymnasium, ist verstorben.
  • Die von 1981 bis 1998 geleitete AG war für ihre beeindruckenden Aufführungen bekannt.
  • Schüler und Weggefährten loben Rommels prägende Theaterarbeit und deren bleibenden Einfluss.
  • Als Bürgermentor und Leiter der Mössinger Chorgemeinschaft engagierte sich Rommel vielseitig.
  • Die Theatergruppe „Katafalk“ führte er im Ruhestand zu anspruchsvollen Inszenierungen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Schiller sagt: „Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze.“ Was aber, wenn der Mime noch dazu hauptberuflich Pädagoge war? Dann sieht die Sache ganz anders aus. Der jetzt verstorbene Hans Rommel, der 32 Jahre am Quenstedt-Gymnasium Deutsch und Englisch unterrichtete, hat im Jahr 1981 die Theater-AG begründet und bis 1998 geleitet. Deren Aufführungen genießen bis heute bei vielen Menschen, die Gelegenheit hatten, ihnen beizuwohnen, einen geradezu legendären Ruf.

Gleich 1982 kam Thornton Wilders geheimnisvolles Familienstück „Die kleine Stadt“ auf die Bühne. Der Kollege CHC Geiselhart schuf stets die Bühnenbilder, Kulissen und Plakate. Rommels Schüler Holger Rauch, der von Ofterdingen aus das Gymnasium besuchte, fasst seine Erinnerung an die wertvolle Bühnenarbeit mit Rommel in die Worte: „Die Theater-AG-Zeit war für mich sehr prägend.“ Von den Erfahrungen daraus habe er lange profitiert „und tue es wahrscheinlich immer noch.“ Das verdanke er dem „Initiator und Manager der Theater AG“. Denn „ohne ihn hätte das nicht funktioniert. Das war schon sehr wertvoll.“

Bemerkenswerte Aufführungen – auch in Stuttgart

Weggefährte Geiselhart erinnert sich besonders an die Aufführung des Nachkriegs-Stücks „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert. Mit einigen Schülern fuhr man sogar nach Stuttgart, wo man man vor ehemaligen Kriegsteilnehmern spielte. Geiselhart: „Die Reaktionen waren beeindruckend. Den alten Männern standen die Tränen in den Augen.“ In der AG hat außerdem der bekannte Schauspieler Christoph Bach seine Anfänge genommen, er spielte etwa die Hauptrolle des „Andri“ in Max Frischs „Andorra“, das 1992 aufgeführt wurde.

Geboren wurde Rommel im Oktober 1937 in Polen, 1943 floh seine Mutter mit ihm und seinem Bruder über Sachsen nach Bayern. Er studierte ab 1959 nach seiner Zeit bei der Bundeswehr in Tübingen Germanistik und Anglistik. Ans Quenstedt kam Rommel im August 1968, das neue Progymnasium war im Aufbau begriffen. Er war der erste gewählte Personalrat, ein Amt, in das er, mit Nachdruck für die Kolleginnen und Kollegen und ihre Interessen eintretend, viel Arbeit steckte. 1974 vertraute ihm der neu eingesetzte Schulleiter Kurt Kress zu seiner Freude an, die Mössinger Schule gelte im Kultusministerium als „die roteste im ganzen Land.“

In einem Dienstzeugnis aus dem Jahr 1970 heißt es über ihn: „Kritische Überprüfung der Lage bei menschlicher Offenheit ist sein Hauptwesenszug.“ Schulleiter Heinz Hanfland sagte bei der Verabschiedung seines Stellvertreters, er sei jemand, „der eine Sache um ihrer inneren Richtigkeit willen vertritt, auch wenn das nicht opportun ist.“

Im Ruhestand gehörte Rommel für 17 Jahre der Theatergruppe „Katafalk“ bekannt. Der Steinlachbote berichtete über alle Vorstellungen. Von der allgemeinen Unterhaltungs- und Berieselungsnorm oder gar schwäbischen Schenkelklopf-Schwänken waren die Stücke zehntausend Klafter weit entfernt. Die Theaterleute stellten hohe Ansprüche nicht nur an sich, sondern auch an die Zuschauer. Mit Regisseur Bernd Köhler erarbeitete man sich Werke von Gernhardt, Widmer, Kirchhoff, Shaffer oder Walser.

Hans Rommel wird nicht nur seiner großen Familie, sondern auch der Stadtgesellschaft fehlen. Er war JES-Mentor an der Bästenhardt-Schule, wurde von der Landesstiftung 2004 zum Bürgermentor ernannt. Gemeinsam mit seiner Frau Klara leitete er, der seit 1987 dort den zweiten Bass sang, die Mössinger Chorgemeinschaft, führte sie vom Traditionschor in die moderne Chorwelt. Man wünscht sich, dass seine tiefe Liebe zur Literatur und seine Kraft, Begeisterung für sie zu wecken, bleibende Spuren hinterlassen haben.