Nachruf auf Dorothee Esche
: Die Mutter des Widerstands ist tot

Dorothee Esche starb im Alter von 80 Jahren. In der Region war sie als Pädagogin und streitbare Gegnerin des Stuttgart21-Projekts bekannt.
Von
Jürgen Jonas
Mössingen
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Dorle Esche war eine streitbare Gegnerin des Stuttgart21-Projekts.

Privat
  • Dorothee „Dorle“ Esche starb am Freitag, 14. August, im Alter von 80 Jahren in Ofterdingen.
  • Bekannt war sie als Gegnerin von Stuttgart 21 – Parkschützer nannten sie „Mutter des Widerstands“.
  • Sie gründete „Steinlachtal für K21“, organisierte Treffen und besuchte regelmäßig Montagsdemos.
  • Esche unterrichtete sieben Jahre in Öschingen und 22 Jahre an der Burghofschule in Ofterdingen.
  • Beerdigung war am Mittwoch – die Familie bat um Spenden fürs Mössinger Vogelschutzzentrum statt Blumen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Und wieder ist eine großartige, engagierte Parkschützerin von uns gegangen!“ So heißt es in einem Nachruf, der im ganzen Land verbreitet wurde. Geschrieben und versendet hat ihn der Ingenieur Klaus Gebhard, als Gründer der „Parkschützer“ von Anfang an aktiv gegen den unterirdischen S21‑Plan. Er erinnert an Dorle Esche, die viele Jahre den weiten Weg von Öschingen am Albtrauf in die Landeshauptstadt nahm, um den Montagsdemos beizuwohnen. Mit großer Energie begründete und betrieb sie die hiesige Gruppe „Steinlachtal für K21“. In der Wirtsstube der Metzgerei Grießhaber organisierte sie die Versammlungen.

Dorle Esche starb am Freitag, 14. August, an den Folgen einer Krebserkrankung. Ihr Mann Albrecht und ihre engsten Mitstreiter nannten sie liebevoll „Mo’dorle“, eine Kraftmaschine, die den Karren verlässlich anschob. Der langjährige TAGBLATT-Fotograf Manfred Grohe gab ihr den Ehrentitel „Mutter des Widerstands“.

Sieben Jahre an der Filsenbergschule gelehrt

Geboren wurde Dorothee in Leonberg. Dorle zog es immer mehr fort, hin ihrer geliebten Dôde in Plüderhausen, mitten in die Natur. Sie wollte Unabhängigkeit vom Elternhaus, Pharmazeutin oder Kinderärztin werden, arbeitete in der Leonberger Bausparkasse, um sich Geld fürs eigene Leben zu verdienen. Ebendort hatte sich zu nämlicher Zeit auch der Student Albrecht Esche verdingt, der sich in den Semesterferien das Geld für ein Uher-Tonbandgerät verdienen wollte. Ein glückliches Zusammentreffen, die Verbindung hielt fast 60 Jahre. Sie studierte Kunst und Religion an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, Kunst und Religion wollte sie unterrichten.

Als Albrecht Esche sechs Jahre als Pfarrer in Hohenstaufen wirkte, wurde Dorle initiativ, inspiriert von „Brot für die Welt“ und der Aktion „Einfach besser leben“. Sie rief auf zum „Töpfern, Spinnen, Weben“, eine Vereinigung, zu der sich sagenhafte 100 Frauen zusammenfanden.

Sieben Jahre arbeitete sie an der Filsenbergschule in Öschingen, man wohnte im alten Lehrerhaus. Mit ihrem Gehalt ermöglichte sie ihrem Mann ein Germanistik-Studium, ihre Augen hatten beide auf das Haus in der Keltergasse gerichtet, dem Dorle beim Aus- und Umbau ihren ästhetischen Stempel aufdrückte, als der Traum in Erfüllung ging.

„Es war einfach ihre Naturliebe“, fasst der Witwer ihren Antrieb zusammen, sich in den Kampf zu stürzen gegen die Vernichtung der Lebensgrundlagen durch Ausbeutung eben dieser Natur. Das Paar stand auf der Straße, als der Nordteil des Bahnhofs abgerissen wurde, war auch beim „Schwarzen Donnerstag“ vor Ort, sofort unterwegs, als die alarmierenden Nachrichten von den blutigen Polizeieinsätzen auf dem Schlossparkgelände eintrafen. Sie holte prominente S21-Gegner nach Mössingen, Gangolf Stocker, den Altlinken, Dieter Reicherter oder Egon Hopfenzitz, den langjährigen Bahnhofsvorsteher.

22 Jahre unterrichtete sie in Ofterdingen

Das Ehepaar kam nach Ofterdingen Anfang 1983, auf dem Höhepunkt des Widerstands gegen die Stationierung der amerikanischen Pershing-Raketen. Dorle gründete gleich, gemeinsam mit Barbara Wilhelm, den „Arbeitskreis Frieden und Umwelt“, der viel Zulauf fand und sich auch kommunalpolitisch materialisierte. AK-Mitglieder wurden in den Gemeinderat gewählt. Irgendwann fragte die Schulbehörde an, ob sie nun eigentlich noch im Dienst verbleiben wolle. „Naja, ein Jahr vielleicht“, war ihre Überlegung. Es wurden insgesamt 22 Jahre, die sie an der Burghofschule unterrichtete, auch noch im Ruhestand. Schüchterne Schülereinwürfe wie „O Frau Esche, i ka et môla!“ mochte sie nicht gelten lassen. „Nur immer heraus mit der Fantasie!“ war ihre Devise.

Vier Töchtern hat sie, in den Jahren 1975 bis 1982, das Leben gegeben, neun Enkelkinder betrauern jetzt, dass Oma Dorle nicht mehr an ihrem Leben teilnimmt.

Sie lehnte eine Chemotherapie ab, offen sprach sie über den Tod, blieb bis zum Ende „voller Lebensglut“.

Zierlich und kraftvoll, strahlend für ihre Mitmenschen und doch tief besorgt um die Zukunft der Erde. „Sie brannte richtig!“, sagt Albrecht. Parkschützer Gebhard ruft Dorle Esche nach: „Auf Menschen wie sie kann die Welt eigentlich so gar nicht verzichten, und doch müssen wir jetzt ohne sie auskommen.“ Beerdigt wurde sie am Mittwoch in Ofterdingen. Die Familie bat in ihrem Sinn statt um Blumen um Spenden fürs Mössinger Vogelschutzzentrum.