Leben mit Multipler Sklerose: „Ich wurde dafür gelobt, dass ich weiter arbeite“

Für die MS-Erkrankte Sara Monterosso ist Treppensteigen ein Unfallrisiko. Ein Treppenlift und Umbauten in ihrer Wohnung würden ihr helfen.
Nico Nissen- Sara Monterosso aus Gomaringen leidet an Multipler Sklerose, ihre linke Körperhälfte ist teilweise gelähmt.
- Ein Treppenlift und Umbauten in ihrer Wohnung sind notwendig, um ihre Mobilität und Sicherheit zu verbessern.
- 37.000 Euro werden für die Umbauten benötigt; die Familie sammelt Spenden online auf GoFundMe.
- Bereits mehr als ein Drittel der benötigten Summe wurde durch 219 Spenden erreicht.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Sara Monterosso hat Furcht vor Höhen. Nicht in der Form, dass ihr schwindelig wird, sobald sie aus dem Fenster nach unten blickt. Nein, die kleinen Erhebungen machen ihr zu schaffen: Auf der Stufe vor der Haustür stolperte sie über die Fußmatte; ihre Kopfwunde musste mit sieben Stichen genäht werden. Die Treppe in die Wohnung im zweiten Stock wäre eine unüberwindliche Hürde, würde ihr Mann Marco sie nicht stützen oder tragen. Mit einem Schritt aus der Badewanne aussteigen, ist für sie viel zu gefährlich. Auch hierbei muss Marco helfen.
Sara Monterosso hat Multiple Sklerose (MS). Die Autoimmunerkrankung schädigt das Nervensystem. Ihre linke Körperhälfte ist teilweise gelähmt; das linke Bein, das sie nachzieht, kann sie kaum noch stützen. Sicheres Laufen ist damit unmöglich. Wo die meisten anderen mit jedem Schritt heraus oder höher kommen, bleibt sie lieber sitzen oder stehen und wartet auf Hilfe. Zu groß ist die Angst, nochmals zu stürzen, nochmals einen Unfall zu erleiden.
Sie arbeitete trotz Erkrankung weiter
Auf Besserung ist nicht zu hoffen. MS kann nicht geheilt werden. Eine Stammzelltransplantation, in die sie große Hoffnungen gesetzt hatte, lehnte Monteresso im vergangenen Jahr ab, nachdem mehrere Ärzte ihr davon abgeraten hatten. Einer sprach sogar von Lebensgefahr.
Diagnostiziert wurde die MS 2013. Da sie zunächst nur geringe körperlichen Einschränkungen bemerkte, führte sie ihr gewohntes Leben weiter und erzählte nur wenigen davon. Sie ist gelernte Kinderpflegerin und Erzieherin und arbeitete in einer Kita. Die Krankheit schritt jedoch voran. Ein gängiges Medikament, das die Schübe aufhalten sollte, löste bei ihr einen allergischen Schock aus. Stattdessen nahm sie Immunsuppressiva – die MS ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die eigenen Nervenbahnen angreift. Diese Medikamente hielten die Schübe auf, schwächten aber Saras Immunsystem. Die zuvor in Schüben auftretende MS wandelte sich in eine schleichende, eine sogenannte sekundär progrediente MS. Damit verschlechtert sich Sara Monteressos gesundheitlicher Zustand nicht mehr in Schüben, sondern laufend, dafür jedoch langsam.
Als Sara zu humpeln anfing, ließ sich ihre Erkrankung auch vor Kolleginnen und Kollegen nicht mehr verheimlichen. Doch die unterstützten sie, gaben ihr leichtere Aufgaben und ermöglichten ihr, weiterhin mit Kindern zu arbeiten. Die erfüllende Tätigkeit und die Wertschätzung, die sie dafür erfuhr, hat Sara gebraucht: „Ich wurde dafür gelobt, dass ich weiter arbeite.“ Anfang März 2023 musste sie ihren Beruf dennoch aufgeben – es sei einfach nicht mehr gegangen.
Familie bereitet sich auf Pflege vor
Sara, Marco, die elfjährige Laura und der siebenjährige Diego versuchen nun, sich der Lage anzupassen: Sara konzentriert sich auf Ergotherapie und Logopädie, um sich noch möglichst lange bewegen und ausdrücken zu können, Marco bereitet sich auf ihre Pflege vor. Geplant ist zudem, Haus und Einliegerwohnung so umzubauen, dass möglichst viel beim Alten bleiben kann: Ein schmaler Treppenlift soll Sara sicher in ihre Wohnung im zweiten Stock bringen und Marco entlasten. Vor dem Haus, wo Sara einen Unfall hatte, soll ein Geländer montiert werden. Zudem soll das Bad für Sara leichter zugänglich und unfallsicher umgebaut werden, unter anderem mit einer ebenerdigen Dusche. Die Gesamtkosten dafür schätzt die Familie auf 37.000 Euro. Das kann sie nicht aufbringen, ohne sich zu verschulden.
Eine Freundin hat Sara mit langem Zureden dazu bewegt, online Spenden zu sammeln. Einige Überwindung habe es gekostet, Sara wollte kein Mitleid erregen und nicht ihre Krankengeschichte öffentlich machen, auch zum Selbstschutz. Nun ist Familie Monterosso gerührt, dass so viele Menschen, zum großen Teil völlig unbekannte, ihnen helfen. „Das ist immer weiter geteilt worden. Wir wissen nicht mehr, wo und an wen“, erklärt Sara.
Spendensammlung online
Ein Freundin hat Sara überredet, online bei www.gofundme.de Spenden für den barrierefreien Umbau von Treppenhaus und Wohnung zu sammeln. 219 Spenden sind bereits zusammengekommen, mehr als ein Drittel der angepeilten 37.000 Euro sind zusammen. Zu finden ist Spendenseite unter https://gofund.me/4b8a3eda.