Musikalischer Wettbewerb
: Mössingen verliert SWR-Hitmach-Duell gegen Müllheim

Ein großes Orchester hat sich am Mittwochnachmittag auf dem Marktplatz gebildet. Seine Aufgabe im Duell: „Careless Whisper“ von George Michael spielen.
Von
Rebecca Felchle
Mössingen
Jetzt in der App anhören
SWR-Moderator Max Oehl schaltete die Mössinger Musiker live ins Radio.

SWR-Moderator Max Oehl (zweiter von rechts) schaltete die Mössinger Musiker live ins Radio.

Klaus Franke
  • Im SWR-Hitmach-Duell verlor Mössingen gegen Müllheim.
  • Musiker spielten "Careless Whisper" von George Michael.
  • Müllheim gewann mit 240 zu 73 Punkten.
  • Saxofone zählten doppelt; viele Instrumente spielten mit.
  • Wettkampf fand live im Radio statt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Flüstern geht anders. Blasmusik schallt über den belebten Marktplatz. Die Musikerinnen und Musiker spielen das Lied „Careless Whisper“ (Englisch für „leichtsinniges Flüstern“) von George Michael. Sie haben sich am Mittwochnachmittag getroffen, um ein Duell für Mössingen zu gewinnen. Jedes Instrument, aus dem das Saxofonsolo des Liedes erklingt, gibt einen Punkt. Saxofone zählen doppelt. Von den Gegnern aus Müllheim im Markgräflerland ist weit und breit nichts zu sehen. Trotzdem sind sie angetreten – bei sich zu Hause, 125 Kilometer südwestlich von Mössingen. Mit dem Radio ist der zeitgleiche Wettkampf an unterschiedlichen Orten möglich. Immer wieder meldet sich SWR-Reporter Benedict Walesch aus Müllheim, während sein Kollege Max Oehl in Mössingen die Stellung hält.

Diese Art von Sendung ist kein Einzelfall beim Südwestrundfunk: Das „Hitmach-Duell“ des SWR1 gibt es im Vorlauf zur großen Hitparade jedes Jahr. Innerhalb von zwei Wochen steuern die Moderatoren 20 Gemeinden an, tragen also zehn Duelle aus. Für jedes stellen sie eine eigene Aufgabe. Gibt es einen bestimmten Grund, warum ausgerechnet Mössingen und Müllheim möglichst viele Saxofonisten und andere Musiker auftreiben müssen? Laut Oehl nicht unbedingt. Hauptsache es ist ein erfolgreicher Hit aus der Parade des Vorjahrs. „Die Aufgabe soll witzig sein und die Leute animieren“, sagt der Moderator. Am Freitag, 18. Oktober, sei zum Beispiel Metzingen dran, mit dem Oasis-Hit „Wonderwall“. Er fordert über sein gelbes Mikrofon immer wieder die Menge auf, zu jubeln und das Orchester anzufeuern.

Ein paar Stunden früher sieht der Platz allerdings noch sehr leer aus. Ab zwölf Uhr steht das zweiköpfige Team bereit. Mit dem gelben VW-Bus, auf dem groß „Hitparade“ steht, und einem gelben Pavillon als Unterstand stechen sie in der Stadtmitte heraus. Immer wieder bleiben Passanten stehen und fragen, was hier geplant ist. Einige versprechen, später wiederzukommen und ihre Instrumente mitzubringen. Nach einer halben Stunde Flaute tut sich schließlich etwas: Mitarbeitende der Stadtverwaltung bauen ihre Instrumente auf. Sie haben sich als Ensemble zusammengetan und nutzen ihre Mittagspause, um Punkte für Mössingen zu holen. Sogar Oberbürgermeister Michael Bulander spielt mit – er hat seine Klarinette dabei. Er habe das Klarinettenspielen in seinem Heimatverein in Herbertingen gelernt, verrät Bulander. Das Blasinstrument ist im Rathaus wohl am stärksten vertreten. Vier Klarinetten zählt das Ensemble, dazu eine Querflöte, eine Blockflöte, ein Bariton und ein Saxofon.

Einige Zeit später, nachdem die musikalische Stadtverwaltung ihre neun Punkte geholt hat, packt eine junge Musikerin bei Max Oehl ihr Saxofon aus. Sie heißt Lillith und hat von einem Bekannten ihrer Mutter von der Aktion gehört. Am Vortag habe sie das Lied extra mit ihrem Lehrer geübt, sagt die 12-Jährige. Ganz alleine spielt sie auf dem Marktplatz vor den Schaulustigen, während Oehl sein Mikrofon an ihr Instrument hält. Nach ein paar Anläufen klappt es: Die gefühlvolle, schmachtende Melodie erklingt. Dafür erntet ihre Erzeugerin Applaus.

Aus den Musikvereinen von Ofterdingen und Bierlingen sind Delegationen zu Gast. Über den Nachmittag kommen immer wieder Menschen mit Instrumenten vorbei. Das SWR-Team zählt fleißig Punkte. „Mössingen ist musikalisch“, beteuert der OB. Aber Müllheim sei harte Konkurrenz. Er weiß von der langjährigen Tradition der dortigen Stadtkapelle. Aber auch Mössingen hat einen Musikverein, und dieser spielt schließlich gemeinsam mit der Jugendmusikschule Steinlach (JMS) auf. Der Dirigent ist Michael Koch. Er leitet normalerweise das symphonische Blasorchester der JMS. Am Mittwochnachmittag ist er voller Elan dabei: „Wir wussten, wir müssen bei dem Spaß mitmachen.“ Bis 17.30 Uhr zählt das SWR noch Punkte, dann ist es so weit: Oehl verliest live im Radio das Ergebnis, und sein Kollege Walesch in Müllheim tut es ihm nach. Am Ende steht es 240 zu 73 für Müllheim. Enttäuschte Laute tönen über den Marktplatz, ganz anders als das romantische Solo. Aber Max Oehl sagt in sein Mikrofon: „Spaß hatten die Leute hier in Mössingen trotzdem.“

Hitparade im Südwesten

Im Vorfeld zu den Hitmach-Duellen sucht die SWR-Redaktion passende Städte auf der Landkarte aus, so Oehl. Dabei sei es wichtig, dass die Gegner ungefähr die gleiche Einwohnerzahl haben. „Und wir sind wirklich in ganz Baden-Württemberg unterwegs.“ Die Abstimmung für die Hitparade läuft noch bis 13 Uhr am Samstag, 19. Oktober. Zwischen dem 21. und 25. Oktober sind die Hits dann im Radio zu hören.