Mössingen: Verein „Resco“ im türkischen Erdbebengebiet: Das Nötigste vor Ort kaufen

Schwäbisches Tagblatt
.„Das macht mich schon betroffen“, sagt Andreas Gammel über die Auswirkungen des Erdbebens in der südlichen Türkei und in Syrien. Denn die türkische Stadt Gaziantep im türkisch-syrischen Grenzgebiet und mitten in der Erdbebenzone gelegen, kennt er gut, war selbst schon mehrfach dort. Bei seinen Besuchen hat er in der Wohnung von Abu Zeyad übernachtet. Zeyad ist der Repräsentant von Gammels Hilfsorganisation „Resco“. Er wurde durch das Erdbeben selbst obdachlos und übernachtet mit seiner Familie unter einer aufgespannten, blauen Plane im Stadtpark. Andere suchen unterm Dach des zentralen Busbahnhofs Schutz vor der Kälte. In ihre Wohnung kann die Familie nicht zurück, weil das Haus wie viele andere einsturzgefährdet ist.
Jeden Tag hat der Mössinger Arzt und CDU-Gemeinderat Gammel Kontakt mit Abu Zeyad. Gaziantep sehe aus, „wie Pforzheim nach dem Krieg“, sagt Gammel. Er hatte zunächst überlegt, selbst in die Türkei zu fahren, aber helfen, das sah er, kann er derzeit wohl besser von hier aus. Seine kleine Hilfsorganisation hat in einer unversehrt gebliebenen Garage in Gaziantep Nahrung, Wasser und Decken gelagert. Die konnte Zeyad bereits am ersten Tag nach der Katastrophe an Bedürftige verteilen. Die Garage, sagt Gammel, ist inzwischen leer. Doch anstatt Sachspenden zu schicken, sammelt er lieber Geld, mit dem Zeyad vor Ort das Nötige einkaufen kann. „Einige Läden sind noch da. Die Infrastruktur funktioniert teilweise“, sagt Gammel. Deshalb sei es viel einfacher, die Sachen dort zu besorgen.
2500 Euro Spenden hat Gammel gerade in die Türkei geschickt und sammelt weiter. „Unsere Kanäle stehen“, sagt er. Die Stimmung dort werde allerdings langsam kritisch, hat Gammel von Zeyad erfahren. Die ersten Tage seien alle noch im Schock gewesen, inzwischen aber sei klar, dass viele nicht in ihre Häuser zurück könnten. Das Mobilfunknetz sei überlastet und breche immer wieder zusammen. Und die Versorgung funktioniere auch knapp zwei Wochen nach dem Beben nur leidlich.
Gaziantep hat 2 Millionen Einwohner, zudem leben dort rund 400000 syrische Flüchtlinge. „Umgerechnet wären das 4000 Flüchtlinge in Mössingen, sagt Gammel, um die Dimension und die Herausforderung zu verdeutlichen. Sein Verein jedoch sei klein und könne nur begrenzt helfen. Zugute kommt ihm, dass Zeyad, der selbst aus Syrien kommt, vor Ort gut vernetzt ist - und zwar sowohl mit der türkischen, als auch mit der syrischen Community.
Dennoch geht Gammel davon aus, dass sein Verein „Resco“, den er 2016 mitgründete, um Geflüchtete in Notlagen zu unterstützen, nur eine Überbrückungshilfe leistet. „Ich erwarte, dass der Staat dort etwas auf die Beine stellt“, sagt Gammel - und weiß gleichzeitig, dass das dauern kann.