Mössingen im Fernsehen
: OGV stellt wegweisendes Projekt dem SWR vor

Wochenlang war es heiß und trocken. Dann kommt der SWR zum Obst- und Gartenbauverein Mössingen, um genau darüber zu berichten – und es schüttet. Im Mittelpunkt des Drehs stand auch ein ungewöhnliches Experiment mit jungen Obstbäumen und die Frage: Was ist ein Affolter?
Von
red/bbm
Mössingen
Jetzt in der App anhören
Der SWR interessierte sich am Dienstag für das Affolter-Projekt des OGV Mössingen.

Der SWR interessierte sich am Dienstag für das Affolter-Projekt des OGV Mössingen.

Joachim Funk
  • SWR drehte im Lehrgarten des OGV Mössingen zu Hitze, Trockenheit und Baumpflege – im Regen.
  • Gezeigt wurden Bewässerung mit Traktor und Fass sowie das Anlegen von Baumscheiben.
  • Zentrales Thema war das Affolter-Projekt: Jungbäume wachsen mit Sträuchern und Begleitpflanzen.
  • Ziel ist bessere Anpassung an Standort und Trockenheit durch Schatten, Feuchte und Mykorrhiza-Netze.
  • Das Projekt ist langfristig angelegt, eine Ausstellung zum OGV-Jubiläum ist für 2027 geplant.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wochenlang hätte sich Hans-Günther Wener über einen solchen Regenguss gefreut. Doch ausgerechnet als am Dienstagmorgen ein Fernsehteam des SWR im Lehrgarten des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Mössingen die Folgen von Hitze und Trockenheit filmen wollte, setzte der Regen ein.

Wie sehr die lange Hitzeperiode Bäumen und Sträuchern zugesetzt hat, lässt sich rund um den Lehrgarten des OGV deutlich erkennen. Von 8 bis 11 Uhr war das SWR-Team am 25. August dort zu Gast. Moderatorin Elisa Rebellato und ihr Kameramann produzierten einen Beitrag für „Landesschau/Wetter“, der noch am selben Tag ausgestrahlt wurde (ab Minute 53:40).

Im Mittelpunkt stand zunächst OGV-Vorsitzender Hans-Günther Wener. Er erklärte, welche Folgen die wochenlange Trockenheit insbesondere für junge Obstbäume hat. Wie viel Arbeit nötig ist, um sie durch solche Sommer zu bringen, zeigte der Verein gleich praktisch: Mit dem vereinseigenen Carraro-Traktor und einem 600-Liter-Fass wurde ein Jungbaum bewässert. Kassiererin Sybille Wagner und Ausschussmitglied Reiner Gaub demonstrierten, wie eine Baumscheibe angelegt wird.

Doch beim Gießen allein soll es künftig möglichst nicht bleiben. Der OGV beteiligt sich an einem wissenschaftlich begleiteten Versuch mit sogenannten Affolterpflanzungen. Dahinter steckt die Frage, ob junge Obstbäume von Anfang an so aufgezogen werden können, dass sie besser an ihren Standort angepasst sind und mit längeren Trockenperioden zurechtkommen.

Beim Fernsehdreh stellte Janet Maringer, Leiterin des Projekts „Klimafitte Anzuchts- und Etablierungsverfahren für den Streuobstbau“, das Verfahren vor. Anders als bei der klassischen Pflanzung steht dabei nicht ein einzelner junger Obstbaum auf weiter Flur. Mehrere junge Apfel- oder Birnbäume wachsen zunächst gemeinsam mit Sträuchern und anderen Begleitpflanzen. Diese sollen unter anderem Schatten spenden, den Boden vor dem Austrocknen schützen und das Bodenleben fördern.

Ausstellung für 2027 geplant

Das Experiment ist auf viele Jahre angelegt. Die Präsentation zum Projekt sieht nach der Pflanzung zunächst eine Anwuchs- und anschließend eine mehrjährige Etablierungsphase vor. Erst nach neun bis 15 Jahren beginnt demnach die Ertragsphase, die Vollertragsphase wird nach mehr als 15 Jahren erwartet.

Der Besuch aus Stuttgart zeigt für den OGV auch, dass seine Arbeit über Mössingen hinaus wahrgenommen wird. Nach Angaben des Vereins nimmt der SWR bei unterschiedlichen Themen rund ums Streuobst immer wieder Kontakt zu den Mössinger Fachleuten auf. Dass die Sendung tatsächlich bundesweit eingeschaltet und verfolgt wurde, zeigten Reaktionen aus Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Bayern.

An Themen dürfte es auch künftig nicht mangeln. 2027 wird der Obst- und Gartenbauverein 100 Jahre alt. Die Stadt Mössingen plant zum Jubiläum eine Ausstellung.

Affolterpflanzung: Gemeinsam groß werden

Die Idee der Affolterpflanzung: Ein junger Obstbaum soll nicht isoliert auf einer Wiese heranwachsen, sondern zunächst in einer kleinen Pflanzengemeinschaft. Mehrere junge Apfel- oder Birnbäume werden zusammen mit Sträuchern und anderen Begleitpflanzen in eine mit organischem Material gefüllte Holzkiste gesetzt. Die Nachbarpflanzen spenden Schatten, halten Feuchtigkeit im Boden und fördern Pilze und andere Bodenorganismen. Dabei können Pilzgeflechte an den Wurzeln entstehen, über die Pflanzen Wasser und Nährstoffe aufnehmen und austauschen können – das Prinzip hinter dem sogenannten Mykorrhiza-Netz.

Im Laufe der Jahre werden die Begleitpflanzen nach und nach zurückgeschnitten und entfernt. Auch von den zunächst mehreren Obstbäumen soll am Ende nur einer bleiben: möglichst tief verwurzelt und an seinen Standort angepasst. Das vom Land geförderte Projekt untersucht, ob sich auf diese Weise Streuobstbäume etablieren lassen, die mit Hitze und Trockenheit besser zurechtkommen.