Mössingen · Energie
: Geothermie hat das größte Potenzial

Bis 2040 soll die Wärmeversorgung in Mössingen klimaneutral sein. Ein Wärmeplan führt auf, was dafür nötig ist.
Von
rum
Mössingen

Schwäbisches Tagblatt

.

Bis Ende Dezember müssen die großen Kreisstädte im Land einen Wärmeplan vorlegen. Mössingen liegt gut in der Zeit. Hier soll der Wärmeplan samt konkreter Vorgehensweisen in der Gemeinderatsitzung am 4. Dezember beschlossen werden. Bereits am 29. November lädt die Verwaltung zu einem Informationsabend ins Quenstedt-Gymnasium ein, um den Plan und die daraus ablesbare Strategie vorzustellen.

Ein kommunaler Wärmeplan sei zunächst nur ein strategisches Planungsinstrument, mit dem sich noch keine belastbaren Aussagen zu einzelnen Gebäuden treffen ließen, sagte Joel Noack von der Stuttgarter Ingenieurgesellschaft EGS-Plan am Montag im Gemeinderat. Ziel sei die klimaneutrale Wärmeversorgung Mössingens bis 2040. Dafür hat das Büro den Wärmebedarf hier analysiert (ein Ergebnis: 73 Prozent der Wärme wird von Privat-Haushalten verbraucht) und zeigt Wege auf, wie dieser Bedarf mit erneuerbaren Energien abgedeckt werden könnte. Ein Schritt: Der Wärmeenergiebedarf der Gebäude muss sinken. Noack setzt dafür eine jährliche Sanierungsquote bei den Gebäudehüllen von zwei Prozent an.

Gleichzeitig muss die Versorgung mit erneuerbaren Energien stetig ausgebaut werden. Das größte Potenzial in Mössingen sieht das Büro in oberflächennaher Geothermie, bei der nur bis etwa 200 Meter tief gebohrt wird. Solche Geothermiesonden wurden etwa am Neubau des Kindergartens Hinter Höfen gesetzt. Rund 100 Meter tief reichen dort die Sonden in den Boden. Für deutlich tiefere Bohrungen sei die Gegend nicht geeignet, sagte Noack, zumal solche Bohrungen teuer und damit oft ineffizient seien. „Lieber mehr Bohrungen bis 100 Meter, als eine bis 1000“, sagte er.

Auch die dezentrale Solarthermie sei hier „ein spannendes Thema“, ebenso sei Biomasse überall verfügbar. Die Nutzung der Abwasserwärme hingegen sei ohne Kläranlage eher schwierig, weil die Durchflussmenge zu gering ist.

Künftig könnte die Wärmeversorgung in einigen Quartieren der Kernstadt mit zentral gespeisten Wärmenetzen gelingen. Dabei wird das warme Wasser direkt ins Gebäude geliefert. Auch kalte Wärmenetze (bei denen im Gebäude noch eine Wärmepumpe nötig ist) seien eine Option, sagte Noack. Vor allem in den Teilorten aber müsse die Versorgung dezentral sein.

Andreas Gammel (CDU) und Wilfried Kuppler (FWV) wollten wissen, woher die benötigte Biomasse kommen soll. Mit dem hier geschlagenen Holz könne man den Bedarf wohl nicht abdecken und Pellets etwa aus Osteuropa oder Übersee einzukaufen, sei einfach nicht sinnvoll, sagte Gammel. Wärmepumpen werden laut Noack nicht überall funktionieren, deshalb brauche es auch die Nutzung von Biomasse, die eben nicht nur aus Holz bestehen müsse, sondern etwa auch aus der Landwirtschaft kommen könne. „Unsere Aufgabe“, sagte Noack, „ist zu schauen, wie es funktionieren kann und Biomasse ist eine Möglichkeit.“ rum