100 Jahre Ofterdinger Posaunenchor
: Mit sechs Instrumenten und 600 Reichsmark fing alles an

Sechs junge Männer gründeten 1926 den Ofterdinger Posaunenchor. Das Geld für ihre Instrumente mussten sie sich leihen, geprobt wurde in einer Werkstatt. Am Sonntag feiert der Chor sein hundertjähriges Bestehen.
Von
Benjamin Breitmaier
Ofterdingen
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Ein großes Bläserensemble musiziert beim Bezirksposaunentag zum 60-jährigen Bestehen des Ofterdinger Posaunenchors im Jahr 1986 in der Kirche. Bild: Archiv Posaunenchor Ofterdingen

Frauen und Männer mehrerer Generationen: So präsentierte sich der Ofterdinger Posaunenchor bei seinem 80-jährigen Bestehen im Jahr 2006. Ursprünglich war der Chor ausschließlich von Männern gegründet worden.

Archiv Posaunenchor Ofterdingen
  • Ofterdinger Posaunenchor feiert am Sonntag sein hundertjähriges Bestehen in der Mauritiuskirche.
  • Gegründet 1926 von sechs jungen Männern, finanziert durch 600 Reichsmark als zinsloses Darlehen.
  • Proben starteten in einer Holzdreherei, der Chor prägte über Jahrzehnte das kirchliche Leben.
  • Zweiter Weltkrieg unterbrach die Arbeit – danach führte Karl Fauser den Chor wieder zusammen.
  • Heute spielen noch acht Bläserinnen und Bläser, der Leiter sorgt sich um fehlenden Nachwuchs.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Sechs junge Männer, sechs Instrumente und 600 Reichsmark Schulden: So begann vor hundert Jahren die Geschichte des Ofterdinger Posaunenchors. Das Geld für die Instrumente lieh ihnen Jakob Schmid, der Leiter des örtlichen Jünglingsvereins. Geprobt wurde zunächst in einer Holzdreherei im Metzgergässle. Aus dem kleinen Kreis entwickelte sich ein Ensemble, das über Generationen hinweg das kirchliche Leben in Ofterdingen mitprägte. Am Sonntag, 11. Oktober, feiert der Posaunenchor sein hundertjähriges Bestehen mit einem Festgottesdienst in der Mauritiuskirche.

Die Wurzeln des Chors reichen sogar noch etwas weiter zurück. Im Frühjahr 1924 gründeten nach einem Gottesdienst in der Mauritiuskirche rund 30 junge Männer im Alter zwischen 14 und 24 Jahren einen Jünglingsverein, quasi der Vorgänger des CVJM, der am Sonntag sein 40-Jähriges feiert.

Zwei Jahre später beschlossen sechs Mitglieder, gemeinsam Blasmusik zu machen: Karl Fauser, Georg Futter, Karl Hausch, Albert Röcker, Hermann Röcker und Hugo Schmid. Die finanziellen Mittel waren knapp. Doch Jakob Schmid, von Beruf Telegrafenaufseher, half aus: Mit einem zinslosen Darlehen von 600 Reichsmark konnten die sechs ihre ersten Instrumente kaufen.

Der Ofterdinger Posaunenchor bei der Hochzeit von Hofbauer senior.

Der Ofterdinger Posaunenchor bei der Hochzeit von Hofbauer senior.

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Die ersten Proben in der Werkstatt

Die ersten Proben hielten die Bläser in der Holzdreherei von Emil und Hugo Schmid im elterlichen Haus im Metzgergässle ab. Unterstützung bekamen sie aus den Nachbargemeinden: Erfahrene Bläser aus Mössingen und Dußlingen übernahmen die Ausbildung. In den folgenden Jahren wuchs der Posaunenchor sowohl personell als auch musikalisch.

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Der Zweite Weltkrieg brachte eine Zäsur. „Während des Zweiten Weltkriegs ruhte der Posaunenchor“, schreibt der heutige Chorleiter Wilhelm Handte über die Geschichte der Redaktion. Einige Bläser wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Nach Kriegsende war es Karl Fauser, selbst einer der sechs Gründer, der die Musiker wieder zusammenführte. Insgesamt leitete er den Chor nach Handtes Angaben 59 Jahre lang.

Männer der ersten Stunde: Gründer und Ausbilder des Ofterdinger Posaunenchors beim 60-jährigen Jubiläum im Jahr 1986. Der Chor war 1926 von sechs Mitgliedern des örtlichen Jünglingsvereins gegründet worden. Bild:

Männer der ersten Stunde: Gründer und Ausbilder des Ofterdinger Posaunenchors beim 60-jährigen Jubiläum im Jahr 1986. Der Chor war 1926 von sechs Mitgliedern des örtlichen Jünglingsvereins gegründet worden.

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Wie stark die Geschichte des Chors mit einzelnen Menschen verbunden ist, zeigte sich noch Jahrzehnte später. Als die Ofterdinger 2001 das 75-jährige Bestehen feierten, war mit Hugo Schmid sogar noch einer der Gründer dabei. Er war damals 92 Jahre alt und laut Bericht im SCHWÄBISCHEN TAGBLATT der älteste Einwohner Ofterdingens. Auch Hans Albrecht gehörte damals noch zu den aktiven Bläsern. Er feierte beim Jubiläum sein 55. Bläserjubiläum.

Vom Männerchor zum gemischten Ensemble

Aus dem anfänglichen Zusammenschluss von sechs Männern war zu diesem Zeitpunkt längst ein gemischter Chor geworden. 25 Musikerinnen und Musiker gehörten ihm 2001 an, Frauen und Männer hielten sich nahezu die Waage. Chorleiter Wilhelm Handte hob damals besonders den hohen Anteil junger Bläser hervor. „Inzwischen haben auch Frauen das Posaunenspielen angefangen und wir sind heute bezüglich der Geschlechter ausgeglichen“, schreibt Handte. An der Zusammensetzung hat sich heute wenig geändert.

Über die Jahrzehnte waren die Instrumente der Ofterdinger bei vielen Gelegenheiten zu hören: bei Gottesdiensten in der Mauritiuskirche, bei Geburtstagsständchen, auf dem Friedhof und bei Seniorennachmittagen. An Heiligabend und Ostern zogen die Bläser zur Kurrende durch den Ort. Auch in Tübinger Kliniken musizierten sie. Regelmäßig beteiligte sich der Chor zudem am Landesposaunentag in Ulm.

Ein großes Bläserensemble musiziert beim Bezirksposaunentag zum 60-jährigen Bestehen des Ofterdinger Posaunenchors im Jahr 1986 in der Kirche.

Ein großes Bläserensemble musiziert beim Bezirksposaunentag zum 60-jährigen Bestehen des Ofterdinger Posaunenchors im Jahr 1986 in der Kirche.

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Sein 60-jähriges Bestehen feierte der Chor 1986 unter anderem mit einem Bezirksposaunentag. Historische Aufnahmen zeigen die große Bläsergemeinschaft in der Kirche. Beim 75. Jubiläum 2001 stand dagegen besonders die Musik Johann Sebastian Bachs im Mittelpunkt. In der voll besetzten Mauritiuskirche erklangen Originalkompositionen und moderne Bläserarrangements.

Der religiöse Auftrag ist über all die Jahrzehnte derselbe geblieben. „Lobet Gott mit Posaunen und Trompeten“, so beschreibt Handte das Selbstverständnis der Bläserinnen und Bläser. Nur macht sich der Ensemble-Leiter Sorgen um die Zukunft. Acht Bläserinnen und Bläser spielen heute noch im Posaunenchor. Handte: „Es fehlt an jungen Leuten.“ Umso aktiver sind die Übriggebliebenen: Unter dem Motto „Der Herr ist gut in dessen Dienst wir stehn“ gestaltet der Chor am Sonntag um 10 Uhr seinen Festgottesdienst in der Mauritiuskirche (siehe Infobox). Hundert Jahre nach den ersten Proben in der Werkstatt von Hugo Schmid.

Zwei Jubiläen in der Mauritiuskirche

Am Sonntag, 11. Oktober, feiert der Ofterdinger Posaunenchor sein hundertjähriges Bestehen mit einem Festgottesdienst in der Mauritiuskirche. Beginn ist um 10 Uhr. Pfarrer Fabian Kunze gestaltet den Gottesdienst mit. Unter dem Motto „Der Herr ist gut in dessen Dienst wir stehn“ musizieren die Bläserinnen und Bläser gemeinsam mit ehemaligen Chormitgliedern. Die gesamte Gemeinde ist eingeladen. Auch der CVJM Ofterdingen blickt 2026 auf ein Jubiläum zurück: Der Verein besteht in seiner heutigen Form seit 40 Jahren. Seine Wurzeln reichen bis zum Jünglingsverein von 1924 zurück, aus dem zwei Jahre später der Posaunenchor hervorging.