Zwei mutige Männer aus Metzingen: Erst Verfolgungsjagd, dann Festnahme

Mutig gehandelt: Dmytro Olin (links) und Thorsten Viehl, Mitarbeiter bei der Stadt Metzingen, werden mit dem Zivilcourage-Preis ausgezeichnet.
Stadt Metzingen- Zwei Stadtmitarbeiter stoppten in Metzingen einen Flüchtenden bei einer Verfolgung.
- Sie hielten den Mann fest, alarmierten die Polizei – die Kripo übernahm kurz darauf.
- Auslöser war ein Zivilist, der den Flüchtenden zunächst stoppte, dann aber weiterging.
- Am 24. Juli erhalten Dmytro Olin und Thorsten Viehl den Zivilcourage-Preis in Reutlingen.
- Die Auszeichnung hebt mutiges, aber sicheres Eingreifen hervor und würdigt ihr Engagement.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es sollte eigentlich ein normaler Arbeitstag werden, wie Thorsten Viehl und Dmytro Olin erzählen. Die beiden Mitarbeiter des Facilitymanagements „Immobilien und Wohnen“ der Stadt Metzingen sollten an diesem Tag ein Haus in der Sannentalstraße in Metzingen kontrollieren – für sie eine Routineaufgabe. Doch aus der Routine wurde eine Verfolgungsjagd, später erfolgte eine Festnahme und nun folgt am 24. Juli eine Auszeichnung mit dem Zivilcourage-Preis für Thorsten Viehl und Dmytro Olin.
Was war geschehen? An dem eigentlich ganz normalen Arbeitstag fielen den städtischen Mitarbeitern „zwei Typen auf, die komisch gekleidet waren“, wie die beiden berichten. „Ich dachte, die fangen aber früh mit der Fasnet an“, erklärt Thorsten Viehl. Der seltsame Eindruck bestätigte sich. Denn die Typen in der komischen Kleidung „rannten mit einem Mal weg“, wie Viehl weiter ausführt.
Ein Mann in Zivil folgte ihnen sofort hinterher, während sich die beiden Stadtmitarbeiter in gut 200 Meter Entfernung über das Gesehene noch wunderten. Dann trennten sich die Flüchtenden. Und als dann ein schwarzes Auto, mit Polizeibeamten besetzt, dem einen Unbekannten hinterherfuhr und zudem eine Polizistin blitzschnell in dessen Richtung sprintete, lief der Mann in Zivil dem anderen Flüchtenden hinterher.
Der Unbekannte in Zivil
„Wir haben erst gar nicht begriffen, was da los ist“, erklärt Dmytro Olin, der mit seinem Kollegen da schon im Dienstwagen saß. Und dann seien sie einem inneren Impuls gefolgt. Mit ihrem Auto fuhren sie dem Flüchtenden hinterher, den die Polizei nicht im Visier hatte. Der Mann in Zivil hatte den Weglaufenden dann stoppen können. Und auf Höhe der beiden haben Viehl und Olin dann angehalten und dem Zivilisten geholfen, indem sie den Flüchtenden festhielten und die Polizei alarmierten.
Die Kripo sei schnell gekommen, und dann noch mehr Polizeibeamte. Die hätten dann übernommen und alle Personalien aufgenommen, berichten die städtischen Angestellten. „Der Mann in Zivil, der den Flüchtenden gestoppt hatte, war dann auch schnell weg“, erinnern sie sich. Es sei alles so schnell gegangen, aber für sie ist klar, dass er für sie mit den entscheidenden Antrieb gegeben hatte, zu handeln.
„Wir sind nur ‚nebenbei‘ mit eingesprungen“, erklärt Viehl bescheiden. „Der Hauptakteur war er, wir wollen uns da nicht in den Vordergrund stellen.“ Doch Thorsten Viehl und Dmytro Olin sind nun Teil einer Festnahme und werden für ihr Handeln mit dem Zivilcourage-Preis ausgezeichnet. Denn beherztes, aber sicheres Eingreifen sind Grundpfeiler von Zivilcourage.
Seit 2006 wird der Zivilcourage-Preis vom Förderverein für Kriminal- und Verkehrsprävention verliehen. Der Verein im Landkreis Reutlingen unterstützt seit 20 Jahren zahlreiche präventive Projekte, die unter anderem auch die Zivilcourage in der Bevölkerung stärken und fördern. Thorsten Viehl und Dmytro Olin werden am 24. Juli in der Stadthalle Reutlingen geehrt. „Ihr Engagement verdient Anerkennung und öffentliche Wertschätzung“, heißt es in der Einladung. Landrat Dr. Ulrich Fiedler und Polizeipräsident Udo Vogel werden die Ehrungen vornehmen.
Der vermeintlich „unbekannte Zivilist“, der eigentliche Hauptakteur, wie Viehl und Olin beschreiben, sei übrigens bekannt und zur Jubiläumsveranstaltung eingeladen, wie der Förderverein Kriminal- und Verkehrsprävention mitteilt.
„Wir sehen uns nicht als Helden“
Thorsten Viehl und Dmytro Olin wissen nicht, wer sie für den Zivilcourage-Preis vorgeschlagen hat. Mit einem Mal sei ein Schreiben im Briefkasten gewesen. „Ich war total erschrocken, als ich das Schreiben sah und dachte noch: Polizei? Was habe ich denn gemacht?“, erinnert sich Dmytro Olin. Sein Kollege bekam das Schreiben eine Woche später, auch für ihn unerwartet. Auf die Frage, wie sie sich als Helden fühlen, lächeln sie beide und winken ab. „Wir sehen uns nicht als Helden. Wir haben gern geholfen“, so Olin. Das sei ganz normal. „Gemeinsam sind wir stark.“
Für ihn und seinen Kollegen war es die erste Erfahrung mit einer Festnahme. Ihnen wird vor allen Dingen die Arbeit der Kripo in Erinnerung bleiben und die Polizistin, die „wie der Weltrekordläufer Usain Bolt losgesprintet sei“, sowie der Mann in Zivil – der unbekannte Held. Es sei schon ziemlich aufregend gewesen. Das hätten sie aber erst danach gemerkt. Es hätte ja auch schiefgehen können, erinnern sich die beiden. „Ich würde lügen, wenn ich jetzt sagen würde, dass es mir nichts ausgemacht hat“, so Viehl. Und sein Kollege ergänzt: „Es ist immer etwas anders, wenn es nicht zum Alltag gehört.“
„Tolles Team, tolle Kollegen“
Die beiden leben in Reutlingen und arbeiten in Metzingen bei der Stadt im Bereich Facilitymanagement „Immobilien und Wohnen“. Dmytro Olin ist seit Mai 2017 angestellt und Thorsten Viehl seit 2023. Sie fühlen sich wohl, denn sie haben ein „tolles Team und Kollegen, auf die man sich verlassen könne“ – und wahrscheinlich auch Basis für ihr selbstverständliches Eingreifen bei der Verfolgung, vermuten sie selbst. Die beiden städtischen Mitarbeiter sind viel in Metzingen unterwegs und neben weiteren Aufgaben auch für die Betreuung von Mietern der Stadt zuständig oder auch Ansprechpartner vor Ort für Geflüchtete, die in Immobilien der Stadt wohnen.
Sie sehen die schönen Dinge des Lebens und die traurigen Seiten, wie sie beschreiben. Vor Ort sind sie nicht nur Hausmeister, sondern auch Psychologe, Motivator, Konfliktlöser, aber auch mit voller Schaffenskraft Handwerker – Viehl schon seit 41 Berufsjahren, wie er berichtet. „Die Kollegen sind das Beste. Es macht Spaß!“
Zu ihrer Preisverleihung werden sie die Arbeits-T-Shirts mit der Aufschrift „Stadt Metzingen“ gegen ein Hemd tauschen. Mit ihrer Ehrung ist auch die Bedeutung von Zivilcourage stärker in den Fokus gerückt: „Jeder kann jeden Tag Hilfe benötigen.“ Das sieht auch Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh so: „Zivilcourage bedeutet, im entscheidenden Moment nicht wegzuschauen und zu handeln, ohne sich selbst dabei in Gefahr zu bringen. Das erfordert Mut. Dass unsere zwei Kollegen genau das getan haben, erfüllt mich mit großem Stolz. Sie haben gezeigt, was unsere Gesellschaft ausmacht – Zusammenhalt.“
