Wildtiere auf der Schwäbischen Alb: Spurensuche im Schnee – was läuft denn da?

Ziemlich große Tatzen haben entlang des Albtraufs Spuren im Schnee hinterlassen. Doch um welches Tier handelt es sich? Zur Bestimmung lohnt es sich, genau hinzuschauen: Die Anzahl der Krallen und die Anordnung der Ballen sind oftmals relevant. Hierbei handelt es sich beispielsweise um Dachsspuren – fünf Zehen, die im Halbkreis angeordnet sind und lange Krallenabdrücke aufweisen.
Karolin Müller- Wildtierfährten im Schnee der Schwäbischen Alb bieten spannende Einblicke – Dachsspuren gut erkennbar.
- Dachse und Füchse teilen gelegentlich Bauten, obwohl sie meist unabhängig unterwegs sind.
- Hasensprünge leicht erkennbar: Zwei Pfoten nebeneinander, zwei in einer Linie – Ypsilon-förmig.
- Rehspuren herzförmig und schmal, Wildschweinspuren oft mit Abdruck der Afterklauen.
- Naturfreundliche Spurensuche im Schnee zeigt: Menschen und Tiere nutzen oft dieselben Wege.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Einst war es überlebenswichtig, in der Natur Spuren lesen zu können. Heute gibt es nur noch relativ wenige Menschen, die anhand von Pfoten- und Hufabdrücken, Losungen, Fraßspuren und allerlei anderen Hinweisen erkennen können, welche Tiere unterwegs waren und ob sie auf der Flucht oder auf Nahrungssuche gewesen sind. Was haben sie gefressen? War es ein junges oder ausgewachsenes, männliches oder weibliches Tier? All das und vieles mehr könnte man mit genügend Erfahrung, Kenntnissen und Übung lernen.
Entdeckungsreise im Schnee
Doch auch mit weniger Wissen kann sich jeder auf Spurensuche begeben. Für Naturfreunde, egal welchen Alters, kann das zu einer richtigen Entdeckungsreise auf Wald- und Wiesenwegen werden – insbesondere im Schnee, der derzeit die Albhochfläche bedeckt.
Wer genau hinschaut, erkennt dabei ziemlich schnell, dass nicht nur auf unseren Straßen viel Verkehr herrscht, sondern auch in der Natur. Etliche Wildtiere nutzen sogar gerne die von Menschen angelegten Wege – etwa die Wanderpfade entlang des Albtraufs.
Gerade wenn die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt liegen und über Nacht kein Neuschnee gefallen ist, bieten sich am frühen Morgen regelrecht optimale Bedingungen für eine einfache Suche nach Fährten, Spuren und Geläufen. Ja, auch hier gibt es eine Fachsprache: Der einzelne Fußabdruck wird beispielsweise als Trittsiegel bezeichnet. Schalenwild, also Paarhufer wie Rehe, aber auch Wildschweine, hinterlassen Fährten. Von Spuren hingegen spricht der Fachmann, wenn es sich um die Abdrücke von Hasen, Eichhörnchen und Raubwild – etwa Fuchs, Marder und Dachs – handelt. Von Geläufen spricht man, wenn ein Vogel, oder besser gesagt ein Federwild, unterwegs war.

Die Spuren von Fuchs und Dachs lassen sich deutlich voneinander unterscheiden. Bei den Pfotenabdrücken von Füchsen und Hunden wird es schon ein wenig schwieriger.
Karolin MüllerWohngemeinschaft zwischen Dachs und Fuchs
Während einige Pfotenabdrücke von für die Region typischen Wildtieren recht leicht zu erkennen sind, muss man bei anderen schon genauer hinschauen, um sie nicht zu verwechseln. Die Spur eines Dachses beispielsweise hebt sich recht deutlich von anderen Wildspuren ab: Während Füchse, ebenso wie Hunde und Katzen, nur vier Zehenballen haben, sind es bei Dachsen fünf. Ganz deutlich sieht man, gerade im Schnee und auf feuchten Böden, die Abdrücke der langen, kräftigen Krallen. Mit einem Gewicht von circa zwölf Kilogramm (männliche Tiere sogar bis zu 20 Kilogramm) und einer Kopf-Rumpf-Länge von 70 bis 90 Zentimetern sind die Spuren entsprechend groß und tief. Obwohl man einen Dachs relativ selten zu Gesicht bekommt, ist der Bestand im Hülbener Revier auf einem normalen Niveau, wie Jagdpächter Peter Erwert berichtet.
Dachse zählen zwar zu den jagdbaren Tieren, dennoch würden sie sehr wenig bejagt werden, so Erwert. Den Winter verbringen sie überwiegend schlafend, allerdings in Form einer Winterruhe. „Das heißt, sie kommen ab und an raus“, erklärt der Jäger aus Hülben. Das beweisen auch Dachsspuren, die Anfang der Woche einen kleinen Wanderweg in der Albgemeinde entlangführten.
Direkt daneben zeigten sich Fuchsspuren. Auf den ersten Blick lassen sie sich von Hundespuren nur schwer unterscheiden. Zählt man nicht gerade zu den erfahrenen Spurenlesern, gibt es allerdings schon ein Merkmal, auf das man achten kann: Die beiden mittleren Zehenballen beginnen beim Fuchs dort, wo die äußeren aufhören. Beim Hund hingegen ragen sie wesentlich weiter in die Mitte hinein.

Die Zeichnung zeigt grob den Unterschied zwischen dem Abdruck einer Fuchs- und einer Hundepfote.
Karolin MüllerDoch waren Fuchs und Dachs in Hülben gemeinsam unterwegs? Vermutlich eher nicht. Verfeindet sind die beiden allerdings auch nicht. Im Gegenteil: Zuweilen teilen sie sich sogar eine Wohnung, oder besser gesagt einen Bau. „Das wundert mich zwar immer“, gesteht Peter Erwert, „aber ich habe es selbst schon gesehen.“
Freude über viele Hasen
Der Fuchsbestand ist im Hülbener Revier laut Erwert im Übrigen wieder auf einem normalen Niveau. Auch von der Fuchsräude, einer hochansteckenden Hautkrankheit, sei die Gegend zum Glück nicht allzu stark betroffen gewesen. Vor einigen Jahren sei der Fuchsbestand sogar so gut gewesen, dass man stärker eingreifen musste, erinnert sich der Jäger.
Dem Feldhasen hat das gut getan: „Auffällig beim Bestand ist, dass wir einen sehr guten Hasenbesatz haben“, freut sich Erwert. „Da machen wir auch nichts. Die werden wenig gejagt.“ Hasenspuren kann man derzeit in der Tat recht viele sehen. Der „Hasensprung“ ist zudem leicht zu erkennen: Zwei Pfoten nebeneinander und zwei in einer Linie, sodass eine Art Ypsilon entsteht.

Hasenspuren im Schnee – auch wenn die Pfotenabdrücke im tiefen Schnee nicht deutlich zu erkennen sind, so lassen sich die Spuren eines Hasens, der sogenannte Hasensprung, anhand der Trittfolge gut und leicht bestimmen.
Karolin MüllerZu den leicht zu erkennenden Trittsiegeln gehören auch die der Rehe, deren Bestand in Hülben „gesund“ ist. Als sogenanntes Standwild, das meist in seinem kleinen, gewohnten Habitat bleibt, können Rehe hier auch immer wieder beobachtet werden. Ihr Hufabdruck ähnelt einem ovalen Kreis, der in der Mitte gespalten ist. Der untere Teil ist rund, der obere spitz. Im Vergleich zu Wildschweinspuren sind sie eher schmal und herzförmig. Wildschweine hinterlassen zudem immer auch einen Abdruck der sogenannten Afterklaue (Zehen an der Innenseite der Beine), was bei Rehen selten vorkommt.
Im Schnee kann man auch Marderspuren entdecken: fünf Zehenballen mit kleinen, aber deutlichen Krallenabdrücken. Aufgrund seiner Gangart liegen die Tritte parallel zueinander.

Marderspuren im Schnee: Fünf Zehenballen und eine eher rundliche Form.
Karolin Müller
