Weinkulturtag Metzingen
: Wein-Tasting unter sonnengetränktem Himmel

Weinseligkeit hängt nicht am Wetter – das hat der 10. Metzinger Weinkulturtag rund um die Äußere Kelter am Neuhäuser Hofbühl am Sonntag bewiesen. Mit einem breiten, hochkarätigen Wein-Angebot, Wein-Tasting und Wein-Wanderung, präsentierte Metzingen Marketing eine bunte regionale Mischung.
Von
Angela Steidle
Metzingen
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Alle vier Fragen an der Quizstation der Wein-Erlebniswanderung richtig gelöst: Weinführer Gerhard Fritz zog als Belohnung aus der Schatzkiste unterm Sonnenschirm ein gekühltes „Naturtalent“ zur Verkostung. Eine weiße Bio-Cuvée aus PIWI-Sorten.

Angela Steidle

Am Saum des Hofbühl waren die Geschäftsführer der Weingärtnergenossenschaft Metzingen-Neuhausen e.G., Robert Bahnmüller und Christian Koch, kurz vor Start der zehnten Veranstaltung noch skeptisch, ob die Gäste bei den drückend sommerlichen Temperaturen überhaupt einen Sinn für Weinproben aufbringen. Die Praxis zwei Stunden später wischte alle Zweifel vom Tresen. Wer sich auf Weinkultur einlässt, tastet nicht nur, er hört auch aufmerksam den Erklärungen der Experten zu. Die haben dabei jede Menge Geduld.

Weinerlebnisführer Gerhard Fritz arbeitet sich am Hofbühl mit Fragen nach Flaschenpfandsystemen, Preispolitik, Schädlingsbekämpfung und Klimawandel bedächtig bis zur ersten Quizstation in den eigenen Weinberg hoch. Der Schatzkiste entspringt ein akku-gekühltes „Naturtalent“. Die Metzinger weiße Bio-Cuvée aus lauter neuen PIWI-Züchtungen. Wobei PIWI für „pilzwiderstandsfähig“ steht und letztlich bedeutet, dass weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden müssen. Die veganen Metzinger Bio-Weine wachsen auf rund zehn Prozent der Rebfläche. Gerhard Fritz zeigt den Weinwanderern kurz vor Beginn der Ernte Rebstöcke, die Ende April Frost bis zu minus vier Grad abbekommen hatten. Ein blitzartiger Kälteeinbruch von etwa drei Stunden. Fritz: „So etwas hab` ich in 40 Jahren als Wengerter nicht gesehen“. Die später nachgewachsenen Ersatztrieb, oder die „Zweite Welle“, wie Fritz erklärt, habe zwar alles gegeben, um den Rebstock zu erhalten, aber Beeren gab es kaum. Was in seinem eigenen Wengert für bis zu 90 Prozent Ausfall sorgt.

„Wir stehen in den Startlöchern für die Weinlese – es sieht durchwachsen aus, aber generell können wir zufrieden sein. Was doch noch gewachsen ist, reicht für Weine, auf die man sich freuen kann“, fassen die beiden Geschäftsführer Robert Bahnmüller und Christian Koch von der Metzinger Weingärtnergenossenschaft zusammen: „Im Schnitt beträgt der Frostschaden in den Metzinger Weinbergen 15 Prozent. Das zieht sich durch alle Sorten“. Besonders betroffen seien die früher reifenden Sorten Lemberger und Acolon sowie Muskateller. Der Schwarzriesling sei später dran. Robert Bahnmüller: „Wir kommen über die Runden. Schade, dass beim Muskateller kein eigenständiger Wein zustande kommen wird. Wir machen vorneweg nochmal eine größere Füllung vom letzten Jahrgang, in der Hoffnung, dass 2025 ein normaler Herbst kommt“.

Gespannt sein dürfen die Weinliebhaber der Metzinger Hofsteige auf die zweite Ernde des neuen Blanc de Noir. Ein trockener Weißwein aus Spätburgunder-Trauben in der Brauner-Jura-Linie. Bahnmüller: „Wir konzentrieren uns darauf, dass wir eine sehr gute Qualität hinbekommen“. Der erste Jahrgang (2023, rund 2.500 Liter) ist bereits ausverkauft. Die hervorragenden Merkmale des Metzinger Spitzenweins: sehr fruchtig, frisch und gehaltvoll.

Lauschiges Plätzchen im Kelterngarten

Zur Burgunder-Weinprobe der Weingärtnergenossenschaft durften sich die Besucher des 10. Weinkulturtags auf einen weißen, halbtrockenen, fruchtigen Sommerwein für die Terrasse freuen. Einen trockenen Grauburgunder vom Braunen Jura. Beide aus dem Vorjahr. Jeweils ein Jahr auf Holz oder Barrique gereift sind die roten Burgunder aus der 2022er-Leese: ein deftig ausgebauter Premiumwein vom Braunen Jura und ein Roter vom Kalkmergel als großer Solist fürs Kaminfeuer.

Wer wollte, konnte am Sonntag am Hofbühl eisgekühlten Rosé genießen oder eine entalkoholisierte Cuvée aus halbtrockenen Weißweinen mit einem Hauch Kohlensäure. Ein Aha-Erlebnis: gekühlter Trollinger! „Ein sehr leichter Rotwein, ohne Maischegährung, kein Holzfass“, erklärt Hofsteig-Geschäftsführer Robert Bahnmüller, „den kann man sehr gut an heißen Sommertagen trinken“. Die Wein-Palette um die Äußere Kelter ist an diesem Nachmittag besonders groß: Die Metzinger Genossenschaft arbeitet beim Ausschank Hand in Hand mit dem Kelternverein Neuhausen.

Ein überaus lauschiges Plätzchen hat der Förderkreis Metzinger Keltern e.V. vor zwei Jahren mit dem Kelterngarten geschaffen. Links von der Äußeren Kelter – eingebettet in den Weinberg – stehen unter Obstbäumen Biertische und Klappliegestühle. Zum Weinkulturtag gab's hier gegrillte Merguez und Salsiccia. In der Kelter selbst wurde Winzergulasch, Kaffee und Kuchen serviert. Hinter der Kelter erfrischendes Eis aus dem Fiat-Cabrio. Die schmissigen Bänkel-Gesänge von den „Gallopping Guitars“ passten erstaunlich gut unters Schirmdach.

Eine gute Etage höher, entlang des etwa zweistündigen Weinwanderweges, warteten regionale Spezialitäten vom Auhof und Albverfüher Bernd auf Liebhaber. Bei einem sagenhaften Ausblick über das Neuhäuser Ermstal und den sonnengetränkten Himmel der Alb. Der Förderverein Obstbaumuseum Glems bot in einer lauschigen Weinberg-Ecke Waffeln aus Omas Ofen an und etwas verirrt: einen leichten Streuobst-Obst-Prickler.

Am Rebsaum toleriert wurden auch die in Dettingen gebrannten hochprozentigen Getreideprodukte mit Botanicals aus dem Biosphärengebiet: Original „MetzinGin“. Die Metzingen Marketing und Tourismus GmbH MMT präsentierte die Veranstaltung in diesem Jahr erstmals mit Wein-Tasting und Weinwanderung. „Wir haben zum 10. Weinkulturtag insgesamt 14 Stationen aufgebaut, darunter zehn mit Essensangeboten und vergrößertem vegetarischem Angebot“, betonte Melanie Garifo vom MMT-Pressebüro. Sie lobt ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit den örtlichen Vereinen und regionalen Anbietern. Im kommenden Jahr findet der Weinkulturtag wieder turnusgemäß am Metzinger Kelternplatz statt.

Mit dem Caterer Schwanen in Metzingen konnte ein neuer Sponsor gewonnen werden. „Man wird wahrgenommen“, freute sich der Neuhäuser Ortsvorsteher Günter Hau und lud gleich zum nächsten Weintermin rund um die Neuhäuser Keltern ein: Am 21. September soll der 500-jahre-alte Kelterbaum im Rahmen eines Weinwandertags in Betrieb genommen werden. Hau: „Wir wollen, dass die älteren Mitbürger, die das noch selber gemacht haben, uns das beibringen“.

Eine spannende Geschichte am Rande

Der Verein für Hagelabwehr e.V. im Landkreis Reutlingen (1 Flieger) sammelte Spenden für seine Arbeit. Zusammen mit dem Versicherer WGV (2 Flieger) und dem Landkreis Rems-Murr (2 Flieger) sind von Mai bis September insgesamt fünf Maschinen auf dem Landesflughafen in Leinfelden-Echterdingen startklar. Obwohl der Kreistag Reutlingen für das nächste Jahr einen Zuschuss bewilligt habe, so die 1. Vorsitzende Gabriele Gaiser, reicht bei den Reutlingern das Geld nur für etwa 23 Einsätze von Anfang Juni bis Ende August. Geschützt werden dabei nicht nur landwirtschaftliche Flächen und Reebäcker, sondern auch Privateigentum. Die Arbeit ist auf Sponsoren und Spenden angewiesen.

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