Strom diktiert den Tagesablauf. Wenn das Licht brennt und die Computer funktionieren, gehen die Geschäfte in Firmen, Fabriken und Verwaltungen planmäßig über die Bühne. Fehlt der Saft, ruht die Arbeit in der Region um die Millionenstadt Odessa. Dann bleibt der Ofen kalt, der Fernseher aus, der Kühlschrank schwächelt: Was hierzulande allenfalls als Horror-Szenario der Energiekrise skizziert wird, ist längst Wirklichkeit in vielen Städten und Dörfern in der Ukraine.
Seit Putins Truppen immer mehr Luftangriffe auf Energieanlagen fliegen, um Zivilisten hart zu treffen, steht auch das Netz in der Schwarzmeer-Region vor dem Kollaps. Es ist die Gegend, mit der der Verein „Ermstal hilft“ eng verbunden ist.

Bomben auf Kraftwerke bei Odessa

„Der Strom rund um Odessa ist extrem knapp“, sagt Simon Nowotni, Gründer und Macher der gemeinnützigen Dettinger Organisation. In den vergangenen Wochen haben russische Soldaten wichtige Umspannwerke im ehemaligen Bessarabien bombardiert – außerdem die Stadt Arzys mit ihrem Fernwärmekraftwerk.
Arzys mit seinen gut 15 000 Einwohnern ist eine der drei Gemeinden, die „Ermstal hilft“ mit seinen Hilfstransporten regelmäßig anfährt (wir haben berichtet). Zu den drei „Verteilzentren“ für Spenden aus dem Kreis Reutlingen gehört auch das benachbarte Sarata (gut 6000 Einwohner) und die Kleinstadt Tarutino.

Frieren die Menschen?

Dort ist Simon Nowotnis Großmutter aufgewachsen, weshalb der Dettinger überhaupt den Kontakt zu den Schwarzmeer-Gemeinden suchte. Zwei der drei Kommunen dort sind dieser Tage auch in der Not verbunden: Weil die Versorger den kompletten Zusammenbruch des Energienetzes befürchten, müssen die Städte den kostbaren Strom aufteilen. „Die einen hängen morgens am Netz, die anderen nachmittags“, erklärt Simon Nowotni.
Ganze 24 Stunden jedenfalls reicht die Energie momentan für keinen. Selbstredend sind Lichtreklamen, Straßenbeleuchtung und alle nicht lebensnotwendigen Stromausgaben verboten.
Frieren die Menschen im Winter
Das klingt hart – ist aber noch längst nicht der Gipfel des Unfassbaren. Sollte es kalt werden, steht den Ukrainern eine harte Zeit ins Haus: Dann drohen viele Heizungen und Öfen über Monate auszubleiben. Kurz, die Sorge vor dem Winter wächst. Und für Simon Nowotni ist klar: „Da müssen wir gegensteuern.“
Heute startet erneut ein wichtiger Hilfstransport aus Dettingen in Richtung Odessa. Gemeinderat Martin Salzer, ebenfalls einer der Köpfe von „Ermstal hilft“, und der Metzinger FWV-Stadtrat Holger Weiblen brechen um die Mittagszeit auf – mit zwei riesigen Stromaggregaten an Bord eines Transporters. Die Maschinen helfen, die Energieversorgung in den drei Gemeinden sicherzustellen. Vor allem das Heizen soll so im Ernstfall möglich sein, hoffen die Helfer aus dem Landkreis.

Kerzen und Batterien fehlen

Bis Mittwoch bleiben Martin Salzer und Holger Weiblen in der Odessa-Region. Sie werden alle drei Städte anfahren, dort auch wieder Spenden in die Verteilzentren bringen. Denn nach wie vor sind die Menschen in der Ukraine auf Gaben aus dem Westen angewiesen – und mit jeder Phase des Krieges ändert sich der Bedarf der Bevölkerung. Wegen der ständigen Stromausfälle sind derzeit Kerzen und Taschenlampen, aber auch Batterien, Gaskartuschen für Bunsenbrenner und Powerbanks gefragte Artikel.
Derartige Spenden, aber auch Erste-Hilfe-Material, haltbare Lebensmittel und warme Kleider für den Winter kann das Team von „Ermstal hilft“ weiterhin brauchen. Die Sammelstelle im ehemaligen Blumenladen EBK-Mönche in Dettingen macht allerdings wegen der Ferien Pause vom 28. Oktober bis zum 5. November. Danach geht es planmäßig weiter. Der nächste Hilfstransport rollt bestimmt.

Weihnachtsaktion: „Die gute Tat“

Liebe Leser, dank Ihrer Spenden konnten das Metzinger-Uracher-Volksblatt/Der Ermstalbote, die Reutlinger Nachrichten und der Alb Bote in den vergangenen Jahren viele soziale Projekte oder Einrichtungen in unserer Region unterstützen.
Das WIM-Haus etwa, die Diakonische Bezirksstelle, das Ferientagheim in Metzingen, die Tafelläden in Metzingen, Bad Urach und Münsingen, die Matizzo-Stiftung sowie die Afrika-Hilfe des Kirchenbezirks Bad Urach/Münsingen und auch das DRK konnten schon mit Ihren Spenden bedacht werden.
Zuletzt war der Nothilfefonds der Diakonischen Bezirksstellen Metzingen/Bad Urach/Münsingen der Reihe.
Dieses Mal gehen die Spenden an die Vereine „Ermstal hilft“ (inklusive Café Kyjiw) und „Münsingen hilft“.
Spenden für die Weihnachtsaktion „Die gute Tat“ richten Sie bitte an Georg Hauser GmbH & Co KG unter dem Stichwort „Weihnachtsaktion“ an die VolksbankErmstal-Alb, IBAN: DE 03 6409 1200 0233 4340 03, oder an die Kreissparkasse Reutlingen, IBAN: DE 33 6405 0000 0000 900 5 40. Eine Spendenbescheinigung wird nach Ende der Aktion ausgestellt. Dazu muss bei der Spende oder Überweisung unbedingt die vollständige Adresse des Spenders angegeben werden.
Bei einer Spende bis 100 Euro reicht fürs Finanzamt allerdings der Kontoauszug.