Vivaldi trifft Hip-Hop
: „Vier Jahreszeiten“ in neuem Gewand

Eine Inszenierung in Dettingen/Erms kombiniert die barocken Geigenklänge mit modernen Sounds und elektronischen Patterns.
Von
Verena Völker
Dettingen
Jetzt in der App anhören
Die Show überzeugte nicht nur mit Technik, sondern vor allem mit Stimmung.

Die Show überzeugte nicht nur mit Technik, sondern vor allem mit Stimmung.

Verene Völker
  • Inszenierung in Dettingen: Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ trifft auf Hip-Hop und elektronische Sounds.
  • Violinist Manuel Druminski beeindruckte live mit barocken Klängen, begleitet von Playback und Tänzern.
  • Die Freiburger MAC Company zeigte urbane Tanzstile wie Breakdance und Hip-Hop mit akrobatischen Einlagen.
  • Licht- und Nebeleffekte sowie eingespielte Gedichte schufen beeindruckende Kontraste und Atmosphäre.
  • Publikum war begeistert – kraftvolle Dynamik, kreative Choreografien und gute Stimmung dominierten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eine spektakuläre Mischung aus Hip-Hop, Modern Dance und barocker Programmmusik hat am Samstagabend das Publikum in der nahezu voll besetzten Schillerhalle in Dettingen begeistert. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Ermstal-Kulturbrücke“ erlebten die Zuschauer eine Show, die Maßstäbe setzte und die Messlatte für die weiteren Veranstaltungen hochlegte.

Ideengeber des Abends war kein Geringerer als der Barockkomponist Antonio Vivaldi. Sein wohl berühmtester Zyklus „Die Vier Jahreszeiten“ bildete den musikalischen Kern, der jedoch konsequent in die Gegenwart geholt wurde. Denn die Inszenierung kombinierte die barocken Geigenklängen mit modernen Sounds und elektronischen Patterns. So entstand ein musikalisches Amalgam, das die Brücke zur urbanen Tanzsprache schlug und alte und neue Kultur nicht gegeneinander ausspielte, sondern miteinander verschmolz.

Eine zentrale Rolle spielte der Violinist Manuel Druminski, seit September 2024 Konzertmeister bei den Augsburger Philharmonikern. Er spielte den Geigensolopart, vom lieblichen Frühling über das Sommergewitter bis zum kalten Nordwind im Winter. Sein Geigenpart war live zu hören, begleitet von orchestralem Playback. Druminski bewegte sich zwischen den Tänzern, legte sich während des Spiels sogar auf den Boden und blieb dennoch musikalisch durchgehend präsent. Nebelmaschinen und effektvolles Lichtdesign verstärkten den Bühnencharakter einer Produktion, die eher an eine große Tourshow erinnerte als an einen klassischen Konzertabend.

Zeitgenössischer Tanz

Für tosenden Applaus sorgte die Freiburger MAC Company, ein Ensemble aus Profitänzern, das in Hoodys und Straßenschuhen die Bühne eroberte. Die Company vereint Ensembletänzer und Solisten aus der urbanen und zeitgenössischen Szene und zeigte eine beeindruckende Vielfalt an Stilen: Hip-Hop, Breakdance, Popping und Tricking, dazu akrobatische Einlagen und präzise Gruppenchoreografien, die streckenweise an Videoclip-Ästhetik erinnerten. Die fließenden Übergänge zwischen den einzelnen Choreografien fesselnd durchgehend die Aufmerksamkeit.

Verantwortlich für Choreografie und Leitung ist Maryam Anita Khosravi, Leiterin der Tanzschule M.A.K. Studios. Ihre Crew ist bereits als deutscher Meister ausgezeichnet worden. Immer wieder klatschte das Publikum laut, sobald das Licht ausging und die nächste Nummer begann. Selten gibt es in Schillerhalle derart kraftvolle Boxen, die Hip-Hop- und Electro-Sounds so klar und druckvoll in den Raum stellen.

„Die Vier Jahreszeiten“ bildet den musikalischen Kern, der jedoch konsequent in die Gegenwart geholt wird.

„Die Vier Jahreszeiten“ bildet den musikalischen Kern, der jedoch konsequent in die Gegenwart geholt wird.

Verene Völker

Zwischen der kraftvollen Dynamik der Tanznummern setzte ein literarischer Moment einen besonderen Kontrast. Eingesprochene Gedichte wie „Ich, Ingeborg Bachmann“ und „Gebet an den Planet“ von Thomas D. (Die Fantastischen Vier) sorgten für kontemplative Ruhepole.

Die Tänzerinnen und Tänzer wechselten mehrfach die Outfits zu Beginn in hellem Weiß, später passend zur winterlichen Atmosphäre in blauen Pullovern. Geschickt wurden in den Choreographien zu den Jahreszeiten passenden Bewegungen eingeflochten. Wer bei Vivaldis Musik ohnehin eigene Bilder und Geschichten im Kopf entstehen lässt, fand in den Choreografien reichlich neue Anknüpfungspunkte. Besonders laut wurde es im Publikum, als ein Tänzer einen Headspin nach dem anderen drehte, die Arme anzog, das Tempo steigerte und scheinbar mühelos eine Runde nach der anderen drehte. Breakdance-Passagen, Saltos aus dem Stand und beinahe akrobatische Sequenzen lösten Staunen und Bewunderung aus.

Die Show überzeugte nicht nur mit Technik, sondern vor allem mit Stimmung. Die gute Laune der Profis sprang an diesem Samstag mühelos über und das Publikum, aus allen Altersklassen, ging sichtbar und hörbar begeistert mit.