Umfrage in Dettingen
: Was bewegt die Menschen im Alltag?

Am 5. Mai ist der Tag des Lokaljournalismus: Er bildet die demokratische Grundlage im Alltag, als Gegengift zur Desinformation und der Schwarzmalerei.
Von
Philipp Steyer-Ege
Dettingen
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Medien malen oft schwarz – viele ziehen sich mutmaßlich als Folge aus der Medienlandschaft zurück. Lokaler Journalismus bleibt allerdings das Fundament für eine funktionierende Demokratie, denn viele Gemeinden bilden ein Land.

Mitreden kann nur, wer informiert ist, Positives wird oft übersehen. Negative Meldungen kann ausgewogene Berichterstattung aber auch im Lokalen nicht vermeiden.

Philipp Steyer-Ege
  • Umfrage in Dettingen zum Tag des Lokaljournalismus: Viele wünschen mehr positive Themen.
  • Lokales gilt als Basis der Demokratie und liefert Orientierung – von Protesten bis Busausfällen.
  • Viele meiden Nachrichten, da sie Schwarzmalerei wahrnehmen, zugleich bleibt Lokales wichtig.
  • Stimmen aus der Region: Sorgen um Kriege und Preise, Wunsch nach Ausgewogenheit und Tierschutz.
  • Genannt werden Glasfaserausbau, Verkehr, Vereinsleben und Infos zu Bauarbeiten oder Bahn-Ausfällen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Politik beginnt im Gemeinderat und endet im Weißen Haus – das meinten auch Bürger bei einer Umfrage zum Tag des Lokaljournalismus. Zwar bewegt die Menschen in ihrem Alltag besonders das derzeitige weltpolitische Geschehen, aber vieles, was in Berlin beschlossen wird, wirkt dann direkt vor der eigenen Haustür.

Eine unabhängige Berichterstattung ist unerlässlich für eine funktionierende Gesellschaft, das beweisen Länder, in denen die Pressefreiheit beschnitten ist. Lokales erklärt, was die Menschen bewegt: laufende Proteste, den Neubau des Kindergartens oder was der kürzlich beschlossene Bebauungsplan genau für einen bedeutet – warum fällt der Bus aus? Wir berichten. Wir schaffen Vertrauen, geben Orientierung und stärken den Zusammenhalt – stellen Menschen ins Rampenlicht, die unsere Städte und Gemeinden lebendig machen. Für viele dieser Themen gibt es keine alternativen Kanäle: Bisher ist zumindest noch niemand in den sozialen Netzwerken bekannt geworden, dem mit Gemeinderatssitzungen der große Durchbruch gelungen ist.

Lokale Berichterstattung bildet die demokratische Grundversorgung im Alltag. Zum Tag des Lokaljournalismus soll diese Tatsache in den Vordergrund gerückt werden. Bei der Brancheninitiative geht es auch um die Frage, wie man Menschen positiv erreichen kann, die sich entschieden haben, Nachrichten aktiv zu vermeiden.

Medienhäuser wie die SÜDWEST PRESSE sind nah am Geschehen. Redakteure sprechen direkt vor Ort mit den Leuten, über Themen und Erfolge, aber auch über Missstände, die die Menschen bewegen. Viele Gemeinden bilden ein Land, nur wer informiert ist, kann mitreden.

Fast alle der Befragten, mit denen wir in Dettingen vor einem Supermarkt gesprochen haben, wollten mehr Positives und eine unpolitische Themen-Diversität in den Medien, etwas, das im Vergleich zum weltpolitischen im Lokalen seinen Platz findet. Leistungen im Ehrenamt, Erfolge im Verein oder der Nachbarschaft – Zusammenhalt zwischen Gemeinden. Oftmals werden diese Aspekte übersehen, die Medien würden nur schwarzmalen. Die Folge: Menschen ziehen sich aus der Medienlandschaft zurück, meiden Nachrichten oder möchten sich nicht informieren.

Das sagt Dettingen zum Tag des Lokaljournalismus

Auch Domenik (48) aus Frickenhausen beschäftigt die weltpolitische Lage. Er verliert sein Vertrauen in die Führungskräfte. „Als Familienvater habe ich Verantwortung für die Zukunft meiner Kinder. Die Aussichten sind nicht positiv, damit muss man erst einmal umgehen“, betont er. Positiver ist er der Landespolitik gesinnt: „In Baden-Württemberg sind wir gut aufgestellt, auch wenn man anfangs etwas verschlafen hat. Man merkt, hier geht etwas.“ Als Beispiel nennt er den Glasfaserausbau und die recht entspannte Verkehrssituation in der Region. Radio und Tageszeitung seien für ihn der Hauptbezugspunkt zur Region.

Dass internationale Politik erdrückend sein kann, weiß auch Janet (62) aus Dettingen: „Krieg bereitet mir Sorgen. Man weiß auch bei uns nicht, wie es weitergehen soll mit der Politik“, erklärt sie. Sie hat aber auch erkannt, dass Lokales Menschen zusammenbringt: „Viel bekommt man durch Gespräche mit Bekannten oder Verwandten mit“, sagt sie. Lokales sei ihr sehr wichtig, auch wenn sie kein konkretes Thema nennen kann, das sie derzeit umtreibt.

Zum Tag des Lokaljournalismus

Die Umfrage ist nicht repräsentativ und an einem Nachmittag in Dettingen erhoben worden. Gefragt wurde, was die Menschen derzeit privat, persönlich und politisch beschäftigt. Wie sie sich informieren und für wie wichtig sie lokale Berichterstattung halten. Es wurde gefragt, ob sie die Berichterstattung für ausgewogen halten und welche Themen Redaktionen ihrer Meinung nach aufgreifen sollten.

Hans (71) aus Metzingen wünscht sich eine ausgewogene Berichterstattung: als Ausgleich zu jedem negativen Artikel, einen fröhlicheren Text über insbesondere die Natur. Für ihn ist die Tageszeitung nicht zu ersetzen, um über anstehende Veranstaltungen informiert zu bleiben. Die Verkehrssituation in Bad Urach verfolgt er aufmerksam, auch wenn er überzeugt ist, die Gelder der Gartenschau hätte man besser anlegen können. „Man muss an die jungen Generationen denken und Schulen und Kindergärten in der Region ausbauen“, betont er.

Björn (27) aus Kohlberg geht bei der Urlaubsplanung viel durch den Kopf: allem voran der Krieg, der alles teurer macht. „Auf dem Dorf ist es aber gelassener, da ist die Welt noch heil“, weiß er. Das Lokale sei wichtig: „Wer nichts mitbekommt, kann auch nichts nachvollziehen“, erklärt er. Sorgen macht er sich um Schlagzeilenjournalismus: „Das schürt Angst. Besonders wenn jemand nicht ganz der deutschen Sprache mächtig ist“, unterstreicht er. Deshalb wünscht auch er sich mehr positive Artikel.

Studentin Sarah (27) aus München wünscht sich mehr Aufklärung über Tierschutz und Klimapolitik. Lokal relevant sind für sie besonders Vereinssport und Informationen zu Bauarbeiten oder Ausfällen der Deutschen Bahn. Ohne Lokales bekäme man außerdem nicht mit, was andere beschäftigt. „Man wüsste nicht, wann etwa Schulferien sind. Das Alltägliche würde zu kurz kommen. „Das ist sehr wichtig“, erklärt sie.