Streit um das Stadion?: Flutlicht, Förderungen, Zukunft: Wie es weitergeht am Kreuzeichestadion

Die Heimspielstätte des SSV Reutlingen: Im Kreuzeichestadion ist der Traditionsverein jedoch nur Mieter und muss sich den Entscheidungen der Stadt beugen. Ein Umstand, der im Verein nicht nur auf Wohlwollen trifft.
Eibner-Pressefoto/Sascha Walther- Streit um das Kreuzeichestadion: SSV Reutlingen fordert mehr Rechte für geplante Umbaumaßnahmen.
- Verein kritisiert veraltete Flutlichtanlage und Abhängigkeit vom städtischen Hausmeister.
- Stadt lehnt Umrüstung ab – Licht genügt für Oberliga, Kosten und Fördermittel umstritten.
- Trainingsplätze überlastet, Verein weicht im Winter zu anderen Anlagen aus.
- Stadt priorisiert andere Projekte; Gesprächsrunden und kleine Verbesserungen geplant.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Als Marken in der Landschaft sind sie nicht zu übersehen, jeder Person in Reutlingen und Umgebung sind sie bekannt: die vier großen Flutlichter am Kreuzeichestadion. Kaputt sind sie nicht, die Birnen kommen seit Jahren ihren Aufgaben hinterher – und dennoch ist es unter anderem diese Flutlichtanlage, die derzeit zwischen dem SSV Reutlingen als Mieter und der Stadtverwaltung als Vermieter für einiges an Gesprächsbedarf sorgt. Denn während der Verein mit dem Alter der Anlage und den Mietkonditionen hadert, zeigt sich die Stadt nicht gewillt, den Plänen und Forderungen nachzugeben. „Aus unserer Sicht gibt es hier am Stadion einiges zu tun. Das ist unsere Heimspielstätte und wir sind bereit, die Verantwortung zu übernehmen“, bezieht SSV-Vorstand Sascha Schneider klar Stellung, „doch dann möchten und müssen wir uns über die Rahmenbedingungen einigen, zu denen wir hier Mieter sind.“ Doch warum und in welchen Punkten werden sich die Parteien nicht einig?
Stadt: Licht und Anlage genügen für die Oberliga
Schon beim Thema Alter stehen sich Stadt und Verein meinungstechnisch gegenüber. Der Öltank, der sich hinter Block 3 befindet, und der Generator, den es zum Anschalten braucht, entlarven die Anlage aus SSV-Warte als „hoffnungslos überaltert“, wie Schneider konstatiert. Den Generator darf nur der Hausmeister bedienen, wie er weiter erklärt. Der sei zwar bei den Heimspielen zugegen, doch dass der Verein sich in einer permanenten Abhängigkeit befindet, stößt spürbar auf Ablehnung. „Es wäre technisch ohne Weiteres möglich, ein klimafreundlicheres LED-Licht zu installieren. Das wäre halt mit einer gewissen Investition verbunden“, gibt Schneider zu. Stadt und Verein sprechen beide von einer siebenstelligen Summe, die für alle angedachten, baulichen Maßnahmen an der Kreuzeiche aufgebracht werden müssten. Beispielsweise soll auch eine digitale Anzeigetafel realisiert werden.
Da das Licht – 850 Lux kann die Anlage erbringen – in der Oberliga ausreichend ist, sieht die Verwaltung keine Veranlassung für eine Umrüstung. Etwa 2000 Liter Heizöl verbrauche der Generator, das Flutlicht würde nur vier bis maximal sechs Mal im Jahr laufen. „Wir würden es öfter nutzen. Aber nicht nur brauchen wir den Hausmeister, wir zahlen auch noch eine Pauschale“, macht Schneider deutlich, „es gab schon Situationen, in denen Schiedsrichter die Lichtverhältnisse bei uns grenzwertig fanden und wir uns trotzdem gegen das Anschalten entschieden haben.“ Die Pauschale würde fällig, egal, ob das Licht wenige Minuten oder für die Dauer eines ganzen Spiels angeschaltet ist.
Doch nicht nur am Hauptfeld sieht der Verein Handlungsbedarf. Denn zudem seien an den Trainingsplätzen unzureichend Lichtanlagen gebaut, nur ein Kunstrasenplatz sei gut ausgerüstet. Der sei entsprechend völlig überlastet; im Winter weicht die erste Mannschaft zum Training auf die Anlagen anderer lokaler Vereine aus. Ein unzumutbarer Zustand, wie Schneider argumentiert. Die Lösung, die dem SSV vorschwebt, um diese Probleme finanziell allumfassend in Angriff zu nehmen, sind umfassende Förderungen von verschiedenen Stellen, beispielsweise vom Bund und dem Württembergischen Leistungssport-Bund (WLSB). Die Beantragung sei ohne Weiteres möglich, aber mit einer langjährigen Zweckbindung verbunden. Daher sehen die Verantwortlichen des SSV neue Mietkonditionen als gerechtfertigt an. Bislang und schon immer bekommt der Verein Einjahresverträge ausgestellt. „In der Vergangenheit war der Verein froh, sich nicht länger verpflichten zu müssen“, würde sich an dieser Laufzeit etwas ändern, müsste der Verein die entsprechende Bonität nachweisen, macht die Stadt ihren Standpunkt deutlich. In Sachen künftige Vertragsinhalte hält sich die zuständige Stelle bedeckt, beruft sich auf Datenschutz und Vertraulichkeit.
Doch nicht nur die Ligatauglichkeit der Anlage ist für das Amt für Schulen, Jugend und Sport ein Grund, die SSV-Pläne skeptisch zu sehen – auch die Förderungen schätzen die Verantwortlichen erheblich geringer ein. „Die Regelförderung des Bundesförderprogramms ‚Sanierung kommunaler Sportstätten' beträgt hier 45 Prozent der zuwendungsfähigen Gesamtkosten. Im Falle einer Haushaltsnotlage (,die erst nachgewiesen werden muss) erhöht sich der Zuschuss auf bis zu 75 Prozent der zuwendungsfähigen Gesamtkosten. Der SSV rechnet in seiner Aufstellung mit 90 Prozent Förderung der Gesamtkosten. Es ergibt sich also eine Differenz von 15 Prozent und zusätzlich muss bedacht werden, dass nicht alle entstehenden Kosten zuwendungsfähig sind. Das heißt, der Bedarf an notwendigen Eigenmitteln steigt noch weiter an“, so die Antwort der Stadt auf Nachfrage dieser Zeitung. In Anbetracht schwächelnder Stadtkassen bleiben Zweifel, ob dann wirklich das Flutlicht oberste Priorität genießt. Sanierung von Schulsporthallen und Schwimmbecken seien die sinnvolleren und aussichtsreicheren Projekte für Fördermaßnahmen, so die Stadt.
Bessere Sicht und Anzeige
Noch gibt der Verein nicht auf: Vergangene Woche suchten Vorsitzender Schneider, gemeinsam mit Christian Grießer und Joe Yebio, das Gespräch mit Sportamtsleiter Kurt Meyer, Moritz Randecker mit dem Ersten Bürgermeister Robert Hahn. Ist es gelungen, einen gemeinsamen Nenner zu finden, und mit welchen Maßnahmen ist zeitnah zu rechnen? Viel Konkretes gibt es nicht zu vermelden, wie Schneider gegenüber der SÜDWEST PRESSE zugibt. Im Hinblick auf das Hauptspielfeld und Stadion konnten er und seine SSV-Kollegen nichts in Gang bringen. „Es ist ganz klar, dass der Fokus der Stadt auf den Nebenplätzen und dem Flutlicht dort liegt. Das heißt, wir müssen uns mit dem Generator und allen Themen, die damit verbunden sind, bis auf Weiteres abfinden“, resümiert der Vorsitzende nachdenklich. Zudem sind die Fristen rund um Fördergelder abgelaufen, die Stadt hat anderen Projekten größere Priorität zugeteilt und dem Umbau an der Kreuzeiche in den Ausmaßen einen Riegel vorgeschoben. Die Erkenntnis lautet auf beiden Seiten gleich: Die finanziellen Fesseln sind nicht zu verachten.
Allerdings: Sollte sich ein Umbau der Trainingsanlagen realisieren lassen, würde das dem Vereinsleben bereits neuen Schwung verschaffen, wie Schneider darlegt. „Wir könnten dann mehr Mannschaften aufbauen und jedem ein qualitativ hochwertiges Training anbieten. Das soll auch der Schlüssel werden, wenn wir dann mit unseren Sponsoren ins Gespräch kommen und uns Kostenvoranschläge einholen“, so Schneider, denn aufgeben wollen sie den Traum vom großen Umbau an der Kreuzeiche nicht. Auch die Vertreter der Stadt sicherten zu, dass sie sich mit der Kostenfrage an den hinteren Plätzen auseinandersetzen werden. In wenigen Wochen soll ein weiterer Austausch folgen. Außerdem gab die Stadt bekannt, dass noch dieses Jahr die Brandmeldeanlage erneuert wird.
