Die Zahl der Kunden im Metzinger Tafelladen ist spürbar angestiegen. Das liegt an den neu hinzugezogenen Flüchtlingen aus der Ukraine. Aber nicht nur, sagt Susanne Bauer, die die Diakonische Bezirksstelle Metzingen leitet und den Tafelladen in der Friedrichstraße verantwortet. Um eine Kundenkarte, also eine Art Bezugsschein, bemühen sich inzwischen immer mehr Menschen, denen die Hartz-IV-Bezüge nicht mehr über die Runden helfen. „Die sind bislang alleine zurechtgekommen“, sagt Susanne Bauer, „jetzt geht ihnen die Kraft aus.“

Tafeln sind in Not

Weniger die schiere Zahl der Bedürftigen bereitet ihr Sorgen. Es ist die Art der Gespräche, die Tiefe, die darin geäußerten Sorgen und Zukunftsängste. Alles wird teurer, doch die Bezüge werden deswegen nicht erhöht.
Doch auch von einer anderen Seite dräut dem System Tafelladen Ungemach: Die ursprüngliche Idee, Lebensmittel nicht verkommen zu lassen und sie vor der Vernichtung zu retten, indem sie Menschen zu günstigen Preisen verkauft werden, stammt aus einer Zeit des Überflusses. Supermärkte haben damals ihren Gewinn in Rabattschlachten erwirtschaftet und vor allem billig eingekauft. So billig, dass am Abend der Überschuss in die Abfalltonne geworfen werden konnte.

Vieles fehlt

Diese Zeiten sind vorbei. Susanne Bauer stellt bei den Supermärkten inzwischen ein höheres Maß an Effizienz fest. Regale sind schon während der Öffnungszeiten nicht mehr so üppig, abends gibt es dann gar nicht mehr so viel, was die Märkte abgeben könnten. Größeres Angebot, geringere Nachfrage, das deckt sich mit der allgemeinen Wirtschaftssituation und macht es für die Kunden der Tafel nicht besser. Vor allem länger haltbare Lebensmittel wie Zucker, Mehl oder Nudeln finden seltener den Weg ins Regal eines Tafelladens.
Davon hat auch das Kulturforum Metzingen gehört und möchte den beiden Tafeln im Ermstal (Metzingen und Bad Urach) helfen, wie dessen Erster Vorsitzender, Dr. Harald Hug, bestätigt. Das Kulturforum hat ein schweres Erbe angetreten und übernimmt den von Gerd Schramm (im Januar im Alter von 77 Jahren gestorben) ins Leben gerufene Metzinger Spendenlauf, der auch unter dem Motto „Laufend Gutes tun“ bekannt war. Etwas Erfahrung hat das Kulturforum, denn schon im vergangenen Jahr war der Metzinger Verein Austräger dieser gemeinnützigen Veranstaltung, freilich konnte Gerd Schramm im Hintergrund wertvolle Tipps geben.

Sponsoren gesucht

Da gibt es tatsächlich einiges zu beachten. Einfach Geld sammeln und der Tafel spenden, funktioniert nicht. Tafeln funktionieren, weil sie sich verpflichten, Lebensmittel vor dem Verderben zu retten. Diese zu Marktpreisen einkaufen und vergünstigt an Bedürftige abgeben, sieht das Geschäftsmodell nicht vor. Das ist eine Aufgabe, die das Kulturforum oder geeignete Kooperationspartner übernehmen müssen, um dann den Tafeln diese Waren übers Jahr verteilt zukommen zu lassen.
Zunächst allerdings bedarf es Sponsoren. Diese legen vor dem Spendenlauf fest, welchen Betrag sie pro gelaufene Runde in den Hut werfen.

Ziel: 4000 Runden

Doch Obacht, im vergangenen Jahr kamen Läuferinnen und Läufer auf 3839 Runden, dieses Mal wollen die Organisatoren die 4000er-Marke knacken. Wer also pro Runde einen Euro gibt, spendiert vielen Menschen eine warme Mahlzeit in dieser kalten Welt. Doch keine Sorge, das Kulturforum freut sich über jede Spende, und wer jede Runde mit zehn Cent subventioniert, tut Gutes, ohne ans Eingemachte gehen zu müssen. Am Ende zählt, was unterm Strich rauskommt. 15 000 Euro, vielleicht 20 000?
Laufen darf jeder, spenden auch. Wer viel läuft, erwirtschaftet eine hohe Spendensumme. Wer viel spendet, auch. Am Tag des Spendenlaufs sollte es eigentlich nur Gewinner geben.

Laufend Gutes tun am 11.September

Der Spendenerlös wird auf der Tartanbahn des Otto-Dipper-Stadions in Metzingen buchstäblich „erlaufen“, denn je mehr Runden gelaufen werden, um so höher fällt der Spendenerlös aus. Dabei hoffen und vertrauen die Veranstalter ganz besonders auf institutionelle Sponsoren aus Metzingen und der Region, die mit einem selbst gewählten kleinen Spendenbetrag je gelaufene Runde diese „Runden-Groschen“ finanzieren.
Der Spendenlauf ist am Sonntag, 11. September, von 15 bis 18 Uhr. Infos für Spender und Läufer erteilt das Kulturforum Metzingen per E-Mail auf Anfrage an folgende Adressen: info@kulturforum-metzingen.de oder ermstalhilft@gmail.com.