Schwergewichtsboxer aus Pfullingen
: „Ein guter Boxer kommt ohne Knochenbrüche aus“

Victor Daniel ist als Schwergewichtsboxer auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE lässt er den Weg Revue passieren und erklärt, warum er den Boxsport so liebt.
Von
Larissa Renz
Metzingen
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Victor Daniel ist nach vielen Jahren Training ganz oben angekommen. Geduld ist im Boxsport besonders wichtig, wenn es darum geht, die großen Titel der Sportart zu gewinnen, weiß Daniel. Er richtet seit einiger Zeit selbst ein Event aus, die Fight-Night in Metzingen.

Victor Daniel ist nach vielen Jahren Training ganz oben angekommen. Geduld ist im Boxsport besonders wichtig, wenn es darum geht, die großen Titel der Sportart zu gewinnen, weiß Daniel. Er richtet seit einiger Zeit selbst ein Event aus, die Fight-Night in Metzingen.

privat
  • Schwergewichtsboxer Victor Daniel (33) aus Pfullingen auf Karrierehöhepunkt.
  • Deutscher Meister im Schwergewicht; Sieg gegen Osasu Otobo in Metzingen im November.
  • Veranstaltet die „Fight-Night“ in Metzingen; fliegt zur Meisterschaftsvorbereitung nach Mexiko.
  • Betont Disziplin: Boxer als „Ein-Mann-Unternehmen“, Traineranweisungen sind entscheidend.
  • „Ein guter Boxer kommt ohne Knochenbrüche aus“ – trotz gebrochenem Finger einst K.o.-Sieg.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eigentlich und im strengeren Sinne steigt niemand gerne in den Ring. „Das ist Adrenalin pur und gleichzeitig muss der Sportler ganz cool bleiben. Ich weiß, dass der Gegner mich hauen will, und er weiß, dass ich ihn zu erwischen versuche“, sagt Victor Daniel und lächelt leicht. Auf diese Situation, kurz bevor die erste Glocke läutet und den Boxkampf eröffnet, müssen sich auch erfahrene Sportler immer wieder aufs Neue einstellen. Zu ihnen gehört Victor Daniel, Schwergewichtsboxer, 33 Jahre alt und auf dem Höhepunkt seiner Karriere, wie er selbst sagt. Denn obwohl in und um den Ring viel passiert, liebt er den Boxsport – und gibt für große Ziele nach wie vor alles, was geht.

Die Runden überstehen lernen

Die ersten Runden und Kämpfe bestritt Daniel nicht gegen andere, sondern gegen sich selbst. „Ich war übergewichtig und wollte das ändern“, erzählt er. Dass es eine Kampfsportart wurde, überraschte weder ihn noch die Familie. „Ich mag die Konfrontation. Ich mag es, wenn es ehrlich wird und man sich miteinander misst“, beschreibt er die Einzigartigkeit des Sportes. Im Boxen findet jeder Mensch seine ganz spezielle Prüfung: „Die Hitzköpfigen werden ruhiger und besonnener und ein schüchterner Mensch kann sich Selbstvertrauen erarbeiten. Im Ring kann es eben nur einen geben.“ Mit 14 Jahren besuchte er sein erstes Training, spürte zum ersten Mal, was für ihn alles möglich ist. „Es ist einfach wahnsinnig anstrengend, aber dieses Gefühl nach einem Training, nach einem Kampf, deswegen machen wir das, weil du dich dann einfach gut fühlst.“ Nicht jeder Mensch sei für die Wettkämpfe gemacht, aber „ganz prinzipiell ist Boxen eine Sportart für jeden. Jeder sollte mal ein Training ausprobieren und herausfinden, was er über sich selbst lernen kann“, rät Daniel.

Und herauszufinden gibt es eine ganze Menge, denn ein Champion wird auch der engagierteste Mensch nicht innerhalb von ein paar Jahren. „Wir Schwergewichtsboxer brauchen tatsächlich Zeit, um körperlich und mental in unsere Topform zu kommen. In den leichteren Gewichtsklassen geht es unter Umständen auch mal schneller“, erklärt der amtierende, deutsche Meister im Schwergewicht. Im vergangenen November besiegte er Osasu Otobo in der Fight-Night in Metzingen nach allen Regeln des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB). Um auf dieses Niveau zu kommen, hat Victor Daniel auf Vieles verzichtet. Nicht nur in sportlicher Hinsicht müssen sich Boxerinnen und Boxer ein hohes Maß an Disziplin zulegen, wie er in der Vergangenheit selbst lernen musste. „Als Boxer sind wir Ein-Mann-Unternehmen und das Business ist ziemlich hart. Deine Aktie ist nur so hoch, wie dein vergangener Kampf“, stellt er unumwunden fest, „es interessiert niemanden, wie gut ich vor einem halben Jahr vielleicht gekämpft habe, auch wenn das nicht lange her ist.“

Fair und richtig handeln

Als ein solches Unternehmen und mit so viel Eigenverantwortung sehen sich auch die jungen Nachwuchs-Boxer konfrontiert. „Wir müssen selbst unsere Trainer suchen oder uns um unsere Ernährung, Sparring und so weiter kümmern“, beschreibt Daniel seinen Alltag. Und ein Trainer ist im Leben eines ambitionierten Boxers durchaus ein Faktor, denn dessen Einschätzungen und Anweisungen gilt es, blind zu folgen. „Ich hab’ im Ring nicht so viel Zeit, nachzudenken. Ich mache, was mein Trainer mir sagt“, macht der 33-Jährige deutlich, „und wenn er recht hat, ist das auch gut für mich. Dann komme ich zum Erfolg, ohne Schaden. Ein guter Boxer kommt ohne Knochenbrüche aus.“ Dann grinst er, denn er hat sich schon im Kampf einen Finger gebrochen – und den Kontrahenten später mit genau dieser angeschlagenen Hand ausgeknockt. Ein besonderer Moment und eine wichtige Lektion bis heute, denn innerhalb eines Wimpernschlags hat er damals die Entscheidung getroffen, den Kampf nicht abzubrechen.

„Ich wusste sofort, dass der Finger gebrochen ist. Beim Boxen geht es darum, zu lernen, welche Kämpfe wichtig sind und was richtig ist. Ich kämpfe viel besser und konzentrierter, wenn ich es ganz unpersönlich angehe“, betont Daniel – dann sei Boxen ein Sport wie jeder andere. Und zudem ein Spiegelbild der Gesellschaft. In- und außerhalb des Rings kommen die Menschen zusammen, wollen fairen Sport genießen. „Ich finde es schade, dass Boxen noch immer eine Randsportart ist, obwohl die Szene auch in der Region größer wird“, hält Daniel fest, der bald zur Meisterschaftsvorbereitung nach Mexiko fliegt. „Leider lebt das schlechte Image immer noch. Körperlicher Sport sei nur was für Asoziale.“ Mit seinen eigenen Events möchte er die Menschen dazu einladen, sich selbst ein Bild zu machen. Sich mit den eigenen Vorurteilen konfrontieren.

„Konzentriert euch aufs Boxen“, so lautet der Rat, den Victor Daniel ganz allgemein formuliert. Der Tipp geht sowohl an Zuschauer, als auch an Sportler. Die Sportart habe sich im Allgemeinen kaum verändert, und gerade deshalb finde Daniel sie so spannend und authentisch. Zudem seien die Regeln verhältnismäßig einfach zu begreifen, die Situation im Ring sei auch Neulingen gut zugänglich. Einen Eindruck davon, was Boxen sein kann oder sein soll, könnten die Menschen jedoch nur im realen Leben bekommen. Videos und Fotos in den Sozialen Medien seien überhaupt nicht in der Lage, das wiederzugeben. „Lasst euch von falschen Vorbildern nicht ablenken – im Ring seid ihr selbst der entscheidende Faktor, ob das heute was wird. Und deshalb liebe ich das Boxen nach wie vor.“