Höhlenrettung Grabenstetten
: Wie läuft ein Rettungseinsatz in der Falkensteiner Höhle ab?

Immer wieder kommt es zu Einsätzen an der Höhle. Jetzt haben sich die Rettungskräfte neu koordiniert.
Von
Michael Koch
Grabenstetten
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Falkensteiner Höhle  Grabenstetten Rettungseinsatz

Groß war der Medienrummel bei der Rettungsaktion 2019 in der Falkensteiner Höhle. Künftige Einsätze folgen nun einem genauen Plan.

Thomas Kiehl
  • Nach Rettungseinsätzen in der Falkensteiner Höhle wurde ein detaillierter Einsatzplan erstellt.
  • Der Plan regelt Alarmierung, Zuständigkeiten und Abläufe für Rettungskräfte.
  • Beteiligte Organisationen: Feuerwehr, Höhlenrettung, Rettungsdienst, DRK-Bergwacht, Polizei.
  • Ab Januar wird der Plan bei Notfällen in der Höhle umgesetzt.
  • Ziel: Schnelle Rettung und Erstversorgung von in Not geratenen Personen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Zum Abschluss eines sonnigen Wochenendes zieht ein Gewitter auf, Starkregen ergießt sich über die Schwäbische Alb und das Ermstal. Die einen verfolgen das Naturschauspiel, bei dem Straßen und Keller geflutet werden, mehr oder weniger gelassen vom heimischen Sofa aus. Die anderen, die gerade auf einer Höhlentour tief unter der Alb unterwegs sind, bekommen davon gar nicht mit – bis es zu spät ist.

So geschehen im Sommer 2019, als zwei Höhlengängern in der Falkensteiner Höhle zwischen Grabenstetten und Bad Urach plötzlich der Rückweg durch das viele Sickerwasser nach dem Unwetter an der Oberfläche abgeschnitten war. Ob die beiden Abenteurer dabei möglicherweise etwas leichtsinnig die Wetterprognosen ignoriert hatten, soll an dieser Stelle gar nicht das Thema sein. Denn die Schuldfrage spielt für die Rettungskräfte in einer solchen Situation keine Rolle, das Augenmerk liegt auf der Sicherung und Rettung der Verunglückten beziehungsweise Eingeschlossenen.

Einsatzplan für alle Eventualitäten erarbeitet

So richtete sich an jenem Sonntagabend des 28. Juli des angesprochenen Jahres binnen weniger Stunden die bundesweite Aufmerksamkeit auf den kleinen Wanderparkplatz in der Nähe der Höhle, wo die Rettungskräfte ihre Einsatzzentrale aufgeschlagen hatten. Bei der Pressekonferenz am frühen Montagmorgen, die beiden Eingeschlossenen hatten die Nacht in der Höhle verbringen müssen, waren alle namhaften deutschen Fernsehsender auf dem Parkplatz vertreten. Übrigens in einem Funkloch, ein Umstand, der inzwischen mittels eines zusätzlichen Funkmastens behoben ist. Um die Geschichte kurz zu machen: Gegen Mittag waren beide Höhlengänger sicher zurück ans Tageslicht und zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht worden. Schwere Verletzungen lagen bei keinem der Beteiligten vor, ein Happyend sozusagen.

Was blieb, war die Aufarbeitung des Rettungseinsatzes. Und da tat sich unter den zahlreichen Organisationen mit unterschiedlichen Zuständigkeiten die eine oder andere Unstimmigkeit auf. Wer ist für was zuständig? Wer wird überhaupt alarmiert und in welcher Stärke? Wo ist die Einsatzzentrale, wer hat dort das Sagen? Wo in der Nähe halten sich die anderen Rettungskräfte bereit, bis sie benötigt werden?

„Immer mal wieder“, so bezeichnet es Grabenstettens Bürgermeister Patrick Docimo, kommt es im Bereich der Falkensteiner Höhle als beliebtem Ausflugsziel zu Situationen, in denen Menschen Hilfe benötigen. Dafür wurde nun ein Einsatzplan erarbeitet, der möglichst alle Eventualitäten regeln soll. Der Plan sieht ein abgestuftes System zur Alarmierung der Einsatzkräfte vor, einem ersten Abmarsch für die Erstphase sowie einem zweiten Abmarsch, der nur bei Bedarf angefordert wird. „Das oberste Ziel des Einsatzplanes ist die professionelle Rettung von Menschen aus lebensbedrohlichen Lagen in der Falkensteiner Höhle sowie die sachgerechte Erstversorgung und Stabilisierung der Betroffenen“, heißt es in einer Vorlage des Grabenstetten Gemeinderates. Da die Höhle auf Grabenstetten Gemarkung liegt, ist die Gemeinde für die Verwaltung und die Genehmigung zu Höhlenbegehungen zuständig.

Einsatzplan greift ab 1. Januar

Natürlich ist der Einsatzplan nicht im Rathaus Grabenstetten entstanden, sondern an der Ausarbeitung waren die Feuerwehren, die Höhlenrettung Baden-Württemberg, der Rettungsdienst und die DRK-Bergwacht beteiligt. Diese nicht-polizeilichen Organisationen werden zentral über die Integrierte Leitstelle Reutlingen alarmiert. Die Polizei wird zusätzlich über das Führungs- und Lagezentrum in Reutlingen alarmiert.

Geklärt sind in dem Plan auch die Zuständigkeiten: Die Feuerwehr bildet die Einsatzleitung und stellt vorwiegend technische Unterstützung zur Verfügung, die Strom- und Lichtversorgung zum Beispiel. Alles innerhalb der Höhle ist Angelegenheit der Höhlenrettung, der Rettungsdienst übernimmt die Geborgenen ab Höhleneingang, und die Bergwacht ist für den Materialtransport zwischen Aufstellflächen und Höhle zuständig. Gesammelt werden die Einsatzkräfte (aus Richtung Bad Urach kommend) entweder am Parkplatz P20 am Campingplatz Pfählhof in Bad Urach oder, aus nördlicher Richtung kommend, am Feuerwehrgerätehaus in Grabenstetten.

Ab 1. Januar soll nach diesem Prozedere vorgegangen werden. Bei allem „Glück auf“ hoffen die Einsatzkräfte aber natürlich, dass der Plan möglichst lange in der Schublade liegenbleiben kann.