Der amerikanische Schriftsteller Edgar Watson Howe schrieb einst: „Bescheidenheit ist eine Eigenschaft, für die der Mensch bewundert wird, falls die Leute je von ihm hören sollten.“ Dieses Zitat trifft wunderbar auf Reiner Spohn und seine „Slide Rock Ladies“ zu. Der ehemalige Chorleiter hat viel für den Bleichstetter Sängerbund geleistet, würde sich dies aber nie auf die Fahne schreiben. Dafür sind seine „Ladies“ da, die dafür sorgen, dass die Leute ganz im Sinne Edgar Watson Howes von Reiner Spohn erfahren. Denn nach fast 40 Jahren als Chorleiter legte er nun sein Amt nieder.
Wenn Spohn über seine Arbeit spricht, sagt er meist „wir“. Für den 65-Jährigen ist klar, dass ein Chorleiter nur gemeinsam mit dem Chor etwas leisten kann. Vielleicht ist seine Bescheidenheit Grund dafür, dass er dieses Amt so lange innehatte. Sicherlich wird auch seine „Liebe zum Chorgesang“, wie er es selbst beschreibt, damit zu tun haben. Denn diese Liebe, sind sich Marianne Hornung, Carmela Kimmerle und Beate Futter von der Vorstandschaft einig, merkt man dem Chorleiter, Sänger, Komponisten und Dichter an.

Liebe zum Gesang entdeckt

Seine Liebe zum Gesang hat er mit 17 Jahren entdeckt. 1974 nahm ihn sein Vater mit zur Singstunde in die Alte Schule Bleichstetten. Es blieb jedoch nicht beim Singen, nur ein Jahr später absolvierte er einen Kurs zum Vizechorleiter. „Mir gefällt es, selbst Lieder zu gestalten.“ Als Chorleiter müsse er schon vorab eine Vorstellung davon haben, wie die Lieder klingen sollen. Da sind die Noten teils nicht entscheidend, denn je nach Größe des Chors und Stimmenvielfalt müssen die Stücke angepasst werden.
„Unser Chor hat davon profitiert, dass sich Reiner so ausdrücken kann“, sagt Marianne Hornung über Spohns eigene Kompositionen und Dichtungen. Hat er beispielsweise die Hymne der „Slide Rock Ladies“ komponiert und gedichtet. Darin heißt es: „Wir sind die ‚SlideRockLadies‘, dahoim in St. Johann“ oder „Slide Rock heißt Rutschenfelsen auf Englisch übersetzt“. Es ist eine fröhliche Hymne, die nicht nur eine Hommage an den Chor darstellt, sondern auch an die Heimat Bleichstetten.

Gelebte Gemeinschaft im Chor

Es sei diese gelebte Gemeinschaft im Chor und die Freude am gemeinsamen Singen und Musizieren, die Reiner Spohn all die Jahre antrieb. Trotzdem traf er die Entscheidung, den Taktstock abzugeben. „Wenn es am schönsten ist, soll man gehen“, sagt er über seine Beweggründe. Die Entscheidung sei ihm nicht leichtgefallen. „Mir fiel es wahnsinnig schwer, kundzutun, dass ich gehe.“ Das lag auch daran, dass er befürchtete, der Chor habe eine lange Nachfolgersuche vor sich. Er sollte glücklicherweise nicht recht behalten: Mit Asya Dittler fand der Sängerbund sehr schnell eine Nachfolgerin. „Ich kann guten Gewissens den Dirigentenstab weiterreichen“, sagt Spohn, „das war am Samstag zu hören“, sagt er über seine Verabschiedung Mitte Oktober, bei der Dittler den Chor zum Abschiedskonzert anleitete.

Geduldige, bescheidene Person

„Man hat in viele bewegte Gesichter gesehen“, erinnert sich Beate Futter. Spohns Entscheidung, aufzuhören, sei ein Schock gewesen, doch man wünsche ihm alles Gute und dass er als Zuhörer noch häufig den Chor begleitet. „Er hat so viel für den Chor und den Sängerbund geleistet“, fasst es Hornung zusammen. „Reiner ist eine sehr geduldige Person, hat uns Zeit gegeben, uns an die Stücke zu gewöhnen, hat Diskussionen zugelassen und den Chor nicht überrannt.“
Für Reiner Spohn selbst ist es noch unwirklich, dass die Proben jeden Dienstag nun für ihn wegfallen. Er wolle die Zeit jedoch weiterhin kreativ nutzen. „Ich schreibe gerne Gedichte und bin viel draußen unterwegs.“ Er wünscht dem Chor und der neuen Chorleiterin, dass sie zusammenwachsen, Asya Dittler neue Impulse einbringt und so eine Entwicklung stattfinden kann. Ob dies gelingt, will der 65-Jährige spätestens beim Konzert zum zehnjährigen Bestehen der „Slight Rock Ladies“ nächstes Jahr hören.