Outletcity Metzingen: Das Geschäft boomt: 4,5 Millionen Besucher kommen inzwischen pro Jahr

Selbst an heißen Sommertagen ist die Outletcity bestens besucht.
Thomas KiehlDie Schlange am Eistruck wird immer länger, das Quengeln der Kinder immer lauter und das Hecheln zweier Golden Retriever, die sich in den Schatten einer Sitzbank drängeln, immer intensiver. Es ist einer der letzten heißen Sommertage dieses Jahres, das Ferienende naht - und die Outletcity Metzingen scheint zu glühen. Zwischen Lindenplatz und Schwenkel-Areal geht es indes nicht nur hitzig, sondern auch international zu. Skandinavier und Asiaten tummeln sich hier, Italiener und Schweizer schleppen schwitzend ihre Tüten, dazwischen schlendern Osteuropäer und Schwaben von Store zu Store. Auf den ersten Blick ist von der Kaufzurückhaltung, die der Einzelhandel in Deutschland derzeit zu spüren bekommt, in den Outlets nichts zu merken. Und der zweite Blick, der hinter die Kulissen, zeigt sogar das Gegenteil: Die Besucherzahlen sind gestiegen.
"Wir haben neue Märkte erschlossen"
Jahrelang hatte sich die Zahl der Shopping-Touristen bei einer nahezu immer gleichen, festen Größe eingependelt. 4,2 Millionen: Der Wert schwebte wie ein Mantra über der Outletcity. Dann kam Corona, es folgten die monatelangen Schließungen. Danach konnten und wollten die Kunden aus Asien lange Zeit nicht mehr nach Europa reisen. Doch die mageren Pandemie-Zeiten haben die Stores längst hinter sich gelassen, sogar das Vor-Corona-Niveau wird inzwischen deutlich überschritten. "Im vergangenen Jahr sind 4,5 Millionen Menschen zu uns gekommen", sagt Tamara Link, die Pressesprecherin der Outletcity AG, die auch die Gründe für diesen Boom kennt. "Wir haben neue Märkte erschlossen. Wir bekommen verstärkt Gäste aus Indien", erklärt sie. Und nicht nur von dort machen sich immer mehr Menschen in Richtung Metzingen auf.
Eine ausgeklügelte Marketing-Strategie
Die Chinesen sind wieder zurückgekehrt in die Stores. Bei den nicht-europäischen Ländern liegen sie in den Nationen-Charts der Outletcity auf Platz eins. Auch die Südkoreaner sind wieder so reiselustig und kauffreudig geworden, dass sie die weite Anreise in Kauf nehmen. Sie sind auf den Shopping-Meilen zwischen Innenstadt und Hugo-Boss-Platz genauso präsent wie die Gäste, die aus den Golf-Staaten nach Metzingen kommen. "Gerade jetzt im Hochsommer haben wir viele Kunden aus Kuwait und den Emiraten", berichtet Tamara Link. Wobei die mit Abstand größte Besuchergruppe noch immer die Deutschen sind. Tatsächlich sind es dieser Tage vor allem Baden-Württemberger und Bayern, die die letzten Ferientage nutzen, um in Metzingen auf Schnäppchenjagd zu gehen. Zu den 4,5 Millionen Menschen, die mittlerweile hier im Jahr einkaufen, gehören aber auch viele Österreicher, Schweizer, Franzosen, Türken, Menschen aus den Benelux-Staaten und Skandinavier. Nach Metzingen werden sie indes gezielt und mit ausgeklügelter Werbung gelockt.
Die Zielgruppen sind bunt
"Wir setzen auf einen Marketing-Mix, der über mehrere Kanäle läuft", erklärt Link. Social-Media-Plattformen werden da genauso genutzt wie Radio- und Fernsehsender. Eine breite Palette also, die deshalb so wichtig ist, "weil unsere Zielgruppen so bunt sind." Etwas, das nicht zu übersehen ist auf den Straßen der Outletcity. Da warten Männer in kurzen Hosen und Badelatschen an der Kasse neben aufgestylten Frauen, die von Kopf bis Fuß in Edelmarken gekleidet sind. Kinder in Messi-Trikots spielen an den Wasserfontänen und ganze Familienverbände chillen auf riesigen Outdoor-Sofas. Viele von ihnen sind den Ankündigungen der Luxus-Marken gefolgt, die mindestens 30 Prozent Nachlass versprechen, gepaart mit der omnipräsenten Versicherung "Outletcity loves you." Ein Satz, der an fast jeder zweiten Glasfront zu lesen ist. Wobei auch nach Abzug des Rabatts bei so manchem Edel-Designer noch ein erkleckliches Sümmchen den Geldbeutel verlassen muss. Eine Duffle-Bag, also nichts anderes als ein Täschchen, ist in einem italienischen Luxus-Store von 1330 Euro auf 890 runtergesetzt. Doch auch dafür scheint es Abnehmer zu geben.
Überhaupt ist die Kaufzurückhaltung, die andere Händler in Deutschland umtreibt, in der Outletcity nicht wirklich ein Thema. Denn gerade diejenigen Menschen, die jetzt verstärkt auf die Preise schauen, scheinen die Stores in Metzingen gerade erst richtig für sich entdeckt zu haben. "Leute, die sparen wollen oder müssen, sehen wir jetzt häufiger hier", berichtet Tamara Link. Und auch was das zweite Halbjahr 2024 angeht, sind die Outlet-Macher zuversichtlich, dass vor allem die Asiaten mit ihrer geballten Kaufkraft in den Stores aufschlagen.
