Reutlinger NFL-Profi auf Sky: Marcel Dabo: „Ich wurde von einem Jahr aufs andere NFL-Profi“

Sein Weg ist weit und steil: Erst im Alter von 15 Jahren nach einem USA-Austausch entdeckte Marcel Dabo sein Talent für American Football. Davor spielte er viele Jahre Fußball.
Maximilian Haupt/dpa- Marcel Dabo, deutscher NFL-Spieler, spricht über seinen steilen Karriereweg und Herausforderungen.
- Startete mit American Football nach einem USA-Austausch, vormals Fußballer bei den Stuttgarter Kickers.
- Spielte für Red Knights Tübingen, Scorpions Stuttgart, Stuttgart Surge.
- 2022 von den Indianapolis Colts verpflichtet, kämpft um Anerkennung im Team.
- Familie in Reutlingen unterstützt ihn, Rückzug ins heimische Umfeld.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es war vielleicht ein später, aber umso stärkerer Zünder, den Marcel Dabo im Alter von 15 Jahren in sich betätigte. Vor knapp zehn Jahren wurde der normale Weg als Schüler und Student, den er ging, von nichts Kleinerem unterbrochen als einer steilen Football-Karriere. „Ich hatte bei einem USA-Austausch erstmals Kontakt mit dem Sport“, erzählt der 25-Jährige Riccardo Basile im Rahmen von „Meine Geschichte“, einem Porträtformat des Pay-TV-Senders sky. Bis zu diesem Aufenthalt in den Staaten war er Fußballer bei den Stuttgarter Kickers. Direkt nach seiner Rückkehr entschied er sich, doch noch einen neuen Sport anzufangen.
Gar nicht so leicht, denn Jugend-Football in der Region sowie national entwickelte sich erst. Bei den Red Knights Tübingen wurde er fündig. Besonders professionell sei das Umfeld nicht gewesen, aber Dabo konnte sich schnell reinfinden, von den Coaches dort habe er viel gelernt. Mit semiprofessioneller Sportumgebung sei er durch seine Zeit bei den Kickers vertraut gewesen, das habe ihm geholfen, berichtet der Reutlinger.
Bereits nach kurzer Zeit verließ der junge Wide Receiver die Red Knights, wechselte zu 2018 den Scorpions Stuttgart und 2021 wechselte er zu den Stuttgart Surge. Dort gab der frisch gebackene Profi in der in dieser Saison neu gegründeten European League of Football sein Debüt. „Ich wurde von einem Jahr aufs andere Profi“, erzählt er – und das ohne Karriereträume. „Viele junge Spieler denken da zehn Schritte zu weit“, stellt Dabo fest. Und dennoch: Als sich ihm die Chance auf den ganz großen Sprung, einmal quer über den Atlantik in die USA bot, da ergriff er sie. Mit dem Rückhalt der Familie.
Dabo bekommt Vertrag für drei Jahre
Ohne den wäre Marcel Dabo wohl auch eher nicht gegangen, denn leicht ist es als Deutscher in der NFL nicht. Nur eine Handvoll ausländischer Spieler sind in der weltbesten Football-Liga zu finden; sie kommen meist über das International Player Pathway Program (IPPP), das Förderprogramm der NFL, in Land und Liga. Dabo wurde nach einem dreimonatigen Training im Sommer 2022 von den Indianapolis Colts mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet. Ein toller Erfolg, aber gleichzeitig ist das nur die halbe Wahrheit.
Denn bislang hat der Safety, ein Verteidiger im Football, noch kein einziges Pflichtspiel für das Team bestreiten dürfen. Sich zu etablieren in einem Kader, der aus 70 Personen besteht, ist ungeheuer schwer. Die Anerkennung seiner amerikanischen Teamkollegen zu bekommen, ebenfalls. Er ist der einzige Deutsche im Team der Colts; um sich der Anerkennung seiner Teamkollegen sicher zu sein, müsse er doppelt so viel leisten. Zumal die auch wissen, dass er erst seit wenigen Jahren aktiver Footballer ist. „Die fragen sich, ‚was macht der da?‘“, schildert Dabo.
Damit einher geht ein immenser psychischer Druck: Von einer Sekunde auf die andere könnte Dabo aus dem Team fliegen. Jobgarantie wie im deutschen Profi-Fußball? Fehlanzeige. Er habe das vielfach gesehen, vielfach erlebt, erzählt er Basile bewegt, wie Mitspieler mit Tränen in den Augen ihren Spind räumen. Dass er trotz seiner Verletzung, ein Korbhenkelriss am Außenmeniskus, noch zum Team gehöre, mache ihm Mut, dass es vielleicht doch bald etwas wird mit einem Einsatz – im Optimalfall beim German Game der Colts in Berlin im November 2025. Im Kern sei die NFL aber durch und durch leistungsorientiert, und Alternativen zur eigenen Person sind schnell gefunden und verpflichtet. Ein knallhartes Business mit vielen Schattenseiten für die Einzelperson. Darüber, so Marcel Dabo, werde viel zu wenig gesprochen. Das Profi-Geschäft sei ungerecht, „aber ich interessiere mich nicht dafür, ob das ungerecht ist. Ich will Gas geben“, sagt Dabo. Sein Versuch, mit dem mentalen Stress umzugehen.
Was ist ein „Safety“?
Ist ein Spieler als Safety auf dem Football-Feld, gehört er dem Defense-Team einer Mannschaft an. Gemeinsam mit den Cornerbacks ist es seine Aufgabe, den gegnerischen Passempfänger zu verteidigen oder ihn an der Ballannahme so zu stören. Ein Safety verfügt über ein ausgeprägtes taktisches Verständnis des gegnerischen Spielplans; er kann „lesen“, was das angreifende Team für einen Spielzug plant. Spieler auf dieser Position zeichnen sich oft durch eine gute Sprungkraft und Wendigkeit aus.
Auswärts Profi, daheim einfach Marcel
Zudem hat er die Familie, die nach wie vor in Reutlingen lebt. So oft es geht, besucht er sie. Für seine Mutter Regina sei er nach wie vor Marcel. Zwar, durch die Zeit in den Staaten, eine erwachsenere Version, aber immer noch ihr Sohn. Für sie zähle nicht nur, was auf dem Feld und im Sport passiert. Und in der Heimat zählt das auch für Dabo nicht. An diesem Ort, in seiner Heimat, kann Dabo Leistungsdruck und Jobängste verarbeiten und zur Ruhe kommen. Hier gebe es ein Stück Normalität, die in den Sphären des Profi-Sports nicht vorherrsche.
Und noch eine Sache gibt es in den USA nicht: „Schwäbische Küche ist einfach das absolute Nonplusultra“, sagt er mit einem breiten Grinsen. Vor allem Maultaschen haben es dem Sportler angetan; wie viele genau er da verputzen kann, können weder seine Mutter noch er sagen. Im Wohnzimmer bewahrt sie seine Helme auf, sie ist stolz auf ihren Sohn. Für sein erstes Pflichtspiel würde sie ihre Flugangst überwinden und im Stadion die Daumen drücken, dieses Versprechen habe sie ihm gegeben.
So war es vielleicht kein gezielter Wunsch Football-Star zu werden, die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, sind jedenfalls nicht nur Marcel Dabo vorbehalten, sondern bringen auch in die Familie Schwung und neue Ziele. „Es ist krass für mich zu sehen, wenn du für was brennst, wenn du Gas gibst für eine Sache, man erlebt so wahnsinnig viele Dinge auf diesem Weg“, beschreibt Dabo das Gefühl, das ihn antreibt und fasziniert. Dann stünde einem Menschen die Welt offen – und hat vielleicht plötzlich eine Karriere, von der er nicht zu träumen wagte.



