Nachruf: Jochen Holy stirbt mit 78 Jahren

Jochen Holy starb im Alter von 77 Jahren.⇥
-Der Metzinger Unternehmer Jochen Holy ist am Dienstag, 25. August, im Alter von 78 Jahren gestorben. Nähere Angaben zu seinem Tod möchte die Familie nicht machen. Das haben die Holy AG in Metzingen und die Holy Fashion Group im schweizerischen Kreuzlingen am Donnerstag mitgeteilt.
Als Enkel des Herren- und Uniformschneiders Hugo Boss war der am 29. Dezember 1941 geborene Jochen Holy mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Uwe 1969 in die mittelständische Firma eingestiegen, von 1972 an leiteten sie diese gemeinsam und führten sie Mitte der 1980er Jahre unter anderem mit der Ausstattung Sylvester Stallones mit Boss-Kapuzensweatshirt im Kino-Hit „Rocky IV“ an die Weltspitze. 1984 wandelten sie den Konzern in eine Aktiengesellschaft um. Beide waren zunächst Hauptaktionäre und bildeten den Vorstand. Der studierte Volkswirt war der geselligere der beiden und fungierte als Sprecher, 1984 wurde er stellvertretender Vorstandschef und gehörte Mitte der Nullerjahre zu den mächtigsten Männern Deutschlands, da er „alles und jeden in der Modeindustrie kennt“. Er schwärmte, er verkaufe „nicht nur Herrenmode, sondern Zeitgeist“. Als sie die Firma übernahmen, stand die nach seinen Angaben mit einem Jahresumsatz von 3,5 Millionen D-Mark auf der Kippe – als sie Boss 1993 verließen, war der Name ihres Opas der Inbegriff deutscher Herrenmode, und der Umsatz belief sich auf knapp eine Milliarde Mark. Gemeinsam kaufte das Brüder-Team, in dem Jochen Holy für Kollektion, Marketing und Werbung, Uwe Holy hingegen für Verwaltung und Personal zuständig war, daraufhin die Damenmodefirma Windsor und den Herrenkonfektionär Strellson, gründete die Einzelhandelskette Holy’s und 1995 die heutige Outletcity-Betreiberin Holy AG, der Immobilien in der ganzen Stadt gehören. In der Bekleidungsgruppe war Jochen Holy bis zuletzt im Verwaltungsrat tätig.
Der Mann, der einst aufs Internat geschickt worden war, nannte sich einen Schwaben mit Bodenhaftung. Er lebte zuletzt am Tegernsee und hinterlässt drei Kinder, die alle Metzinger Schulen besuchten.