Die evangelisch-methodistische Kirchengemeinde veranstaltet am 24. September zum zweiten Mal ihre „Mudmates“, einen Hindernislauf über knapp zehn Kilometer, bei dem zahlreiche aufwändig erstellte Hindernisse zu überwinden sind. Start und Ziel wird auf dem Metzinger Festgelände am Bongertwasen sein. Gehört so etwas zum Aufgabenbereich einer Kirche?
„Wir möchten die Kirche attraktiv und für die Gesellschaft relevant machen und somit einen Mehrwert für alle schaffen. Kirche muss Kirche für andere sein“, fasst Pastor Bernd Schwenkschuster die Überlegungen in der Gemeinde zusammen. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass das Kirchengebäude in der Max-Eyth-Straße zu einer Kletterhalle mit Bistro umgebaut wurde. So ist mit dem „h3“ ein neuer Ort der Begegnung entstanden, an dem die Gäste ins Gespräch kommen können – ein Mehrwert eben.
Und so war auch die Idee zu Mudmates entstanden. Im Team Hindernisse überwinden, die man alleine niemals meistern würde – diese Grundidee passt genau in die Philosophie der Kirchengemeinde.
In der Nachbetrachtung der Premiere im Jahr 2019 stellten sich die Organisatoren dann die Frage, wohin sich die Veranstaltung entwickeln sollte. „Wo ist unser Hindernis, das wir überwinden wollen?“, blickt Bernd Schwenkschuster auf den Grundton jener Gespräche zurück. Alsbald war klar, dass die zweite Auflage in einigen Bereichen neue Maßstäbe setzen sollte: Nachhaltigkeit, Integration und Inklusion.
Besonders der letzte Punkt erschien reizvoll: Menschen mit Beeinträchtigungen in ein hartes Sportevent vollwertig einzubinden, bei dem unter vollem körperlichen Einsatz Hindernisse und Gräben zu überwinden sind, das erschien dem Orga-Team als das geeignete „Hindernis“. „Zumal es so etwas in Deutschland meines Wissens nach bislang noch nicht gegeben hat“, so Schwenkschuster.
Wenn die Mitglieder der Kirchengemeinde eines besonders gut können, dann ist es Netzwerke zu spannen. Und so waren auch auf diesem Gebiet rasch kompetente Partner mit im Boot: der WLSB mit dem Referenten für Kirche und Sport, „46+“, ein Trisomie-Verein aus Stuttgart, die Bruderhaus-Diakonie, die TSG Reutlingen mit ihrer Inklusionssport-Abteilung, die Special Olympics und die Evangelische Akademie Bad Boll brachten ihre Expertise mit ein. „Wir wollten etwas gemeinsam mit den Betroffenen entwickeln. Ziel ist es ja nicht, dass ‚Gesunde‘ ihren Lauf machen und Menschen mit Behinderung eine Kinderversion davon. Im Wesentlichen sollen schon alle den gleichen Kurs absolvieren“, erklärt Bernd Schwenkschuster.
In der Praxis hat das freilich dann doch seine Grenzen, der Handicap-Kurs wird insgesamt etwas kürzer sein. Doch die Hindernisse, die es dort zu bewältigen gilt, sind für alle. Es wird allerdings drei Schwierigkeitsgrade geben, die die Teilnehmer frei wählen können. Ein Beispiel: Man kann das Runter und Hoch in einer großen rutschigen Halfpipe im Team ohne äußere Hilfsmittel absolvieren, für Menschen mit Handicap wird an diesem Hindernis aber auch ein Seil mit Knoten befestigt sein, an dem man sich hochziehen kann. Solche Alternativlösungen haben sich die Verantwortlichen für alle Hindernisse überlegt.
Ob die dann alle so funktionieren wie gedacht? Man wird sehen. „Das Thema ist ein spannendes Feld“, sagt Schwenkschuster. Immerhin eines, das sonst wohl in der Form noch von keinem beackert wurde.
Egal in welchem körperlichen Zustand die Teilnehmer antreten, für alle soll der Spaß im Vordergrund stehen. An der Startlinie werden ausschließlich Viererteams stehen, die in zeitlichen Blöcken ab 9 Uhr versetzt auf die Strecke gehen, damit an den Hindernissen keine langen Wartezeiten entstehen. Rund um den Bongertwasen werden schon etliche der Hindernisse auf die Läuferinnen und Läufer warten, dann geht die Strecke in Richtung Auchtert, vorbei am Pfadfinderheim in Richtung Neuhausen, dann durch die Streuobstwiesen zum Steuchenhäusle, weiter in Richtung Stausee Glems, um dann durch den Wald wieder zurück zum Festplatz zu führen. Den Dreck, den keiner der Teilnehmer wird vermeiden können, kann man sich im Anschluss im Otto-Dipper-Stadion abduschen, ehe man sich dann an einem der Verpflegungsstände auf dem Bongertwasen stärken kann.

Anmeldungen zu Mudmates 2022

Es stehen am 24. September drei verschiedene Läufe zur Auswahl: „Mudmates 2022“ (Viererteams), „NextGen-Run“ (13 bis 15 Jahre, Viererteams) und der „Muddy Kids Cup“ (6 bis 12 Jahre, Einzelstarter). Neben den Daten der Teammitglieder muss bei der Anmeldung ein Teamname und ein Zeitfenster gewählt werden. Der erste Startschuss fällt um 9 Uhr. Für Einzelmeldungen und unvollständige Teams gibt es kurz vor dem Start eine Starterbörse. Bis 14 Tage vor dem Event können die Teammitglieder noch gewechselt werden.
Alle Infos zur Strecke und den Hindernissen sowie das Anmeldeportal findet man unter www.mudmates.de.