Leopardgecko büxt an Schule aus
: Gehören Tiere in das Klassenzimmer?

Eine Lehrerin einer Schule in Reutlingen brachte ihren Leopardgecko mit in den Unterricht - dann büxte das exotische Tier aus. PETA äußert heftige Kritik, der Vorfall scheint heikel.
Von
Maik Wilke
Reutlingen
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Polizeipräsidium Reutlingen  Leopardgecko büxt an Schule Reutlingen aus

Eine Polizistin des Polizeipräsidiums Reutlingen zeigt den Gecko, der an einer Reutlinger Schule ausgebüxt war und von einem Hausmeister eingefangen wurde.

Polizeipräsidium Reutlingen
  • Leopardgecko büxt in Reutlingen aus, Hausmeister fand ihn.
  • Lehrerin brachte das Tier mit in die Schule, PETA kritisiert.
  • PETA: Stress für das Tier, Gesundheitsrisiko für Schüler.
  • Schulleiter verweisen auf "Schulleiter-abc" der Kultusministerkonferenz.
  • Tierschutzorganisation bietet Dialog an, Austausch noch nicht erfolgt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Für den Hausmeister war es ein kurioser Fund, für die Lehrerin könnte der Vorfall Folgen haben: An einer Schule in Reutlingen büxte vergangene Woche ein Leopardgecko aus. Der Hausmeister fand das Tier, informierte die Polizei und überreichte das Reptil in einem Karton den Beamten. Es stellte sich heraus: Der Exot gehört einer Lehrerin, die den Gecko ihren Schülerinnen und Schülern zeigen wollte - und genau dabei büxte das flinke Tier wohl aus.

Schulleiter verweisen auf das „Schulleiter-abc“

Wie das Tier genau entwischt ist, ist nach wie vor nicht bekannt. Der Vorfall scheint heikel. Das Polizeipräsidium Reutlingen, das auf seinen Social-Media-Kanälen den exotischen Fund präsentierte, darf nicht mitteilen, an welcher Schule der Gecko ausgebüxt ist. Und auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE möchten zwei Schulleiter nicht darüber sprechen, welche Regeln generell für den Umgang mit Tieren an ihren Schulen gelten. Es wird lediglich auf das „Schulleiter-abc“ der Kultusministerkonferenz verwiesen, an das sich Lehrerinnen und Lehrer halten sollen. Dort steht unter anderem:

„Umgang mit gesunden Tieren (Einzeller, Mehrzeller, wirbellose Tiere und Wirbeltiere) ist in der Schule grundsätzlich erlaubt.“ Darunter fällt auch der Leopardgecko, der als Reptil zu den Wirbeltieren gehört. Allerdings steht in diesem abc ebenfalls: „Artgemäßes Verhaltensbedürfnis der Tiere darf nicht eingeschränkt werden. Unsachgemäße Behandlung oder Haltung fördern die Aggressivität der Tiere und erhöhen so die Sicherheitsrisiken.“

PETA mit scharfer Kritik: „Umgang, bei dem jedes Mitgefühl fehlt“

Dem ausgebüxten Leopardgecko scheint es gutzugehen, jedenfalls gibt es keine Hinweise auf das Gegenteil. Dennoch hat sich auch die Tierrechtsorganisation PETA gemeldet - und kritisiert den Vorfall scharf: „Was wie eine lustige Geschichte aus dem Schulalltag klingt, bedeutet für das entlaufene Tier enormen Stress und Leid“, erklärt Mareike Homann, Fachreferentin bei PETA-Kids. „Zudem vermittelt eine solche Handlung den Kindern und Jugendlichen einen unachtsamen Umgang mit Tieren, bei dem jegliches Mitgefühl gegenüber dem fühlenden Lebewesen und seinen Bedürfnissen fehlt.“

Kein Tier sollte unter Angst und Stress vor zahlreichen aufgeregten Kindern zur Schau gestellt werden, sagt die Tierschutzorganisation. „Tiere gehören nicht in eine Schule“, betont Homann. Zudem habe die Lehrperson mit ihrem Handeln auch gesundheitliche Risiken für die Schüler in Kauf genommen, „denn beim Umgang mit Reptilien wie Geckos besteht die Gefahr, Salmonellen zu verbreiten“.

Tierschutzorganisation bietet Dialog mit Schule an

Es sei längst überfällig, den Kauf und die Haltung von exotischen und anspruchsvollen Tieren in Privathaltung zu verbieten. Jedes Jahr brechen laut PETA Hunderte exotische Tiere aus ihren Terrarien aus (siehe Infokasten) oder werden von überforderten Personen ausgesetzt. „Wir appellieren an Lehrpersonen und Bildungseinrichtungen, keine Tiere mit in die Schule zu bringen und Kindern Verantwortungsbewusstsein und Respekt gegenüber allen Tieren zu vermitteln, ohne dass dabei Lebewesen Leid oder Gefahr ausgesetzt werden. Wir laden die Verantwortlichen der Schule ein, Kontakt mit uns aufzunehmen und über das Thema zu diskutieren.“ Zu diesem Austausch zwischen Schule und PETA kam es nach Information unserer Zeitung noch nicht.

August 2023: ein Pantherchamäleon büxt aus

Eine Frau aus Reutlingen musste im August 2023 wohl zweimal hinschauen, als sie bei sich am Hauseingang in einem Reutlinger Stadtteil eine mehr als ungewöhnliche Entdeckung machte: Ein echter Exot hatte es sich dort in der Sonne auf einer Mauer gemütlich gemacht. Als „echsenartig“ beschrieb die Frau der Polizei am Telefon das Tier, bei dem es sich um ein Pantherchamäleon handelt.

Zwei Polizeibeamte rückten damals an – und hatten keine Scheu vor der bunten Echse, wie von der Polizei auf den sozialen Netzwerken geteilte Fotos nahelegten. Bei dem buntgestreiften Reptil handelte es sich um ein ungefährliches Tier, die Polizisten brachten die Echse in die Obhut des Reutlinger Tierschutzvereins, von dort kam das Pantherchamäleon schnell wieder zu seinen Besitzern.