Läuferin Alica Schmidt zu Besuch in Metzingen: „Ich bin schon eine Naschkatze“

Wurde zuletzt von einer Covid-Erkrankung ausgebremst: Alica Schmidt, die schon bei den Olympischen Spielen in Tokio und Paris dabei war, peilt nun die Spiele in Los Angeles 2028 an.
eibner/Stefan Mayer- Alica Schmidt plant nach Tokio und Paris die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles.
- Die 26-Jährige wechselte von 400 auf 800 Meter – Fokus auf taktisches Rennen und körperliche Anpassung.
- Trotz Social-Media-Erfolg mit 8 Mio. Followern bleibt Leichtathletik ihre Priorität – Sponsoren helfen finanziell.
- Schmidt zeigt sich menschlich: Sie kämpft mit Trainingsmotivation und liebt Schokolade als kleine Schwäche.
- Ziel ist, Erfahrungen zu sammeln, um 2028 auf internationalem Niveau über 800 Meter zu starten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Jeden Tag erreicht Olympionikin und Leichtathletin Alica Schmidt viele Millionen Menschen. Eine einfache Rechnung, denn allein auf Instagram und Tiktok kommt die 26-Jährige auf rund acht Millionen Follower, die das Leben und Trainieren der jungen Frau verfolgen. Am Donnerstagabend kamen weitere, etwa 80 Menschen dazu: Die Leichtathletin war zu Gast in der Metzinger Outletcity und stellte sich den Fragen von TV-Moderator Jochen Breyer und dem Publikum.
Tiefenentspannt sitzt die Sportlerin, die ursprünglich aus Worms kommt, auf ihrem Hocker, passend zu den Worten, die sich beinahe als persönliches Motto festhalten lassen: „Ich mache mir keinen Druck“, das sagt Schmidt im Verlauf des Gesprächs immer wieder. Zum Beispiel im Hinblick auf die sozialen Medien. „Ich versuche, so viel wie möglich zu teilen, aber wenn es sich mal nicht so ergibt, dann kommt auch mal nicht so viel“, erzählt sie, „ich bin ja täglich trotzdem minimal eine Stunde aktiv, bis ich Nachrichten beantwortet habe.“ Vor allem zwei Aspekte gefallen ihr an ihrer großen medialen Präsenz: „Ich möchte Werte wie Ausdauer, Disziplin, Verlassen der Komfortzone vorleben und andererseits ist es auch ein zweites Standbein“, gibt die Läuferin zu. Leichtathletik sei nach wie vor nicht so populär, um ohne Weiteres davon zu leben und über die sozialen Medien sei es leicht, gute Sponsoren zu finden.
Keinen Druck – das behält sich Schmidt auch in sportlicher Hinsicht vor, und spricht damit bestimmt auch dem einen oder anderen Zuschauer in Metzingen aus der Seele. Mal keine Lust auf Training? Blöden Muskelkater in den Beinen? Mal eine miese, kurze Jogging-Runde? Das alles kennt Alica Schmidt nur zu gut. „Ich bin zwar im Spitzensport, aber manchmal muss ich mich auch zwingen. Das kennt jeder Sportler und das ist nicht so schön“, weiß Schmidt, gelernt aus vielen Jahren Erfahrung. Auch schlechte Rennen, Ausscheiden nach den Vorläufen, Verletzungen – alles das sind Teile und Themen ihres Alltags. Motivation findet sie dann in den Erinnerungen an ihre beiden Teilnahmen an den Olympischen Spielen. „Tokio hat mir gezeigt, dass sich alles das lohnt. Der ganze Aufwand, der ganze Verzicht.“
Und verzichten, das gibt die junge Frau ebenfalls zu, sei auch nicht immer ihre Stärke. „Ich bin schon eine Naschkatze“, sagt sie und lächelt leicht ertappt. Vor allem zu Schokolade könnte sie nicht immer „Nein“ sagen. Zu 90 Prozent sei sie sehr bedacht mit ihrer Ernährung, aber „ich möchte mir nichts verbieten. Ich denke, dass das auch so sein sollte, wenn alles im Rahmen bleibt.“ Eine Einschätzung, die auch im Publikum mit viel erleichtertem Nicken quittiert wird.
Das Fernziel führt über den Teich
Kurz bevor Schmidt dann das weiße Sommerkleid und die eleganten Schuhe gegen den Sport-Dress eintauscht, um mit 60 Losgewinnern bei schöner Abendsonne durch die Weinberge zu joggen, blicken Moderator und Gast gemeinsam auf die sportliche Zukunft. Zuletzt wurde Schmidt von einer Covid-Erkrankung ausgebremst, auf ihren Elan und die Träume von großen Zielen hatte das jedoch keinen Einfluss. „Ich bin von 400 Meter auf die 800-Meter-Distanz gewechselt. Ich bin also selbst wieder aus meiner Komfortzone“, erzählt sie stolz. Körperlich muss sie sich daran erstmal gewöhnen, langsam steigert sie die Belastung, möchte keine Verletzung riskieren. „Ich muss da aber auf jeden Fall noch einiges lernen, ich muss beispielsweise viel taktischer denken in den Rennen“, erklärt sie die Unterschiede. Über die lange Distanz gehe es in den Läufen sehr viel körperbetonter zur Sache.
„Das ist nicht immer so, aber wir hatten im Trainingslager einen Boxsack dabei, um sich so an die vielen Ellenbogen, die man verteilt und abbekommt zu gewöhnen“, erzählt sie und lacht. In ihrer neuen Disziplin will sie in den kommenden Läufen so viele, besser noch alle Fehler, die möglich sind, machen. „Ich möchte ganz viele Erfahrungen sammeln, sodass ich dann im entscheidenden Moment gut vorbereitet bin.“ Dieser entscheidende Moment ist für Schmidt ganz klar, der erste Startschuss über die 800 Meter in Los Angeles, bei den Olympischen Spielen 2028. Der Zeitpunkt für die neue Distanz sei keinesfalls ein Zufall gewesen, jetzt könnte sie ihre Vorbereitung auf die 800 Meter anpassen, um bis zu den nächsten Spielen auf internationalem Niveau mitlaufen zu können. „Aber auch dann zählt, ich kann nur lernen, ich kann nur besser werden.“ Und wenn das nicht schon Motivation genug wäre, lädt Jochen Breyer Alica Schmidt am Ende des Gesprächs dann direkt noch ins TV-Olympia-Studio ein – „ich hoffe, wir sehen uns da nach erfolgreichem Rennen wieder.“

