Kommentar
: Wo gibt’s denn sowas?

Über den Umgang einer Rathausspitze mit Kritik.
Von
Eva Fröhlich
Riederich
Jetzt in der App anhören
Die bevorstehende Kommunalwahl in Riederich dürfte spannend werden. Der Gemeinderat muss sich zur Hälfte neu formieren. ⇥

Rathaus Riederich

In der jüngsten Gemeinderatssitzung musste die SÜDWEST PRESSE die Zuhörer um ein Exemplar der Sitzungsvorlage bitten, weil trotz mehrfacher Anfragen schon Tage vorher und auch kurz vor der Sitzung keine Unterlagen herausgegeben wurden.

Christina Hölz
  • In Riederich verweigert die Verwaltung der Zeitung über Monate Auskünfte und Unterlagen.
  • Zur Sitzung fehlten der SÜDWEST PRESSE die Vorlagen – Zuhörer halfen mit einem Exemplar aus.
  • Öffentlich ausgelegte Unterlagen waren vergriffen, Nachschub blieb aus; andere Presse hatte sie.
  • Die Redaktion kritisiert das Vorgehen als unprofessionell und warnt vor eingeschränkter Pressearbeit.
  • In seiner Abschiedsrede kritisierte Bürgermeister Tobias Pokrop Presse und Kritiker ohne Widerspruch.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Dass nicht jeder mit kritischen Artikeln zufrieden ist – besonders der Kritisierte – das ist klar. Das liegt in der Natur der Sache, genauso, dass man dann mit Gegenwind rechnen muss, wenn man andere kritisiert, auch als Journalistin. Schwierig wird es dann, wenn der Pfad der Professionalität verlassen wird. Es darf nicht sein, dass kritische Stimmen versucht werden, stumm zu halten, indem man als Kommune Informationen vorenthält. Weder per Mail, noch am Telefon wollte die Riedericher Verwaltung unserer Zeitung gegenüber Fragen beantworten. Und hat diese ablehnende Haltung über Monate hinweg stringent durchgezogen. Nun ist es so weit, dass Sitzungsunterlagen systematisch verwehrt werden. In der jüngsten Gemeinderatssitzung musste die SÜDWEST PRESSE die Zuhörer um ein Exemplar der Sitzungsvorlage bitten, weil trotz mehrfacher Anfragen schon Tage vorher und auch kurz vor der Sitzung keine Unterlagen herausgegeben wurden. Die öffentlich ausgelegten Exemplare waren vergriffen, ein Bemühen der Gemeindeverwaltung, für Nachschub zu sorgen, gab es nicht. Andere Pressevertreter waren (darf man da Absicht unterstellen?) mit den Unterlagen gesegnet. Fast schon ironisch, dass gleichzeitig bemängelt wird, die Presse würde nicht ausreichend gründlich recherchieren.

Ohne Meinungs- und Pressefreiheit ist keine Demokratie möglich. Das bedeutet, dass die Presse über Tatsachen berichten darf, ohne zensiert oder kontrolliert zu werden. Außerdem unterliegen Behörden gegenüber der Presse einer Auskunftspflicht. Persönliche Differenzen dürfen da keine Rolle spielen. In Riederich zeichnet sich dabei ein anderes Bild: Die Abschiedsrede von Bürgermeister Tobias Pokrop diente nicht nur einem Rückblick auf seine Amtszeit und abgeschlossene Projekte, sondern auch dem Zweck, in einem Rahmen, in dem keine Widerworte möglich sind, gegen Kritiker und Pressevertreter auszuteilen. Professionalität sieht anders aus. Für die Verwaltung und die Einwohner Rutesheims bleibt zu wünschen, dass sich ihr neuer Bürgermeister bis zum Amtsantritt und für die Zeit danach eines Besseren besinnt.