Nach dem Tod von Papst Franziskus
: Die Zeit ist reif für eine Päpstin

Warum die katholische Kirche Frauen wichtige Ämter nicht länger verwehren darf. Der Leiter des Dekanats Reutlingen-Zwiefalten spricht gar von einer Kardinälin.
Kommentar von
Evelyn Rupprecht
Metzingen
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Papst Franziskus gestorben - Vatikan: 23.04.2025, Vatikan, Vatikanstadt: Kardinal Matteo Zuppi (M) sieht zu, wie der Leichnam von Papst Franziskus in den Petersdom im Vatikan getragen wird, wo er drei Tage lang aufgebahrt sein wird. Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Männer, wohin das Auge blickt: Die Kardinäle haben sich im Petersdom versammelt.

Alessandra Tarantino/AP/dpa

Sehr, sehr alte Männer in sehr, sehr roten Soutanen, die in sehr, sehr ernste Gespräche vertieft sind: Das ist das Bild, das uns seit dem Tod von Papst Franziskus praktisch stündlich in diversen Nachrichtensendungen präsentiert wird. Kardinäle, wohin das Auge im Vatikan blickt. 135 von ihnen sollen nun darüber entscheiden, wer der nächste Pontifex, wer das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken auf dieser Welt wird. Geht man davon aus, dass fast 50 Prozent der Menschen auf dieser Erde weiblich sind, wären das 700 Millionen Frauen, die der katholischen Kirche angehören – und die nichts, aber auch wirklich gar nichts mit dem Ausgang der Papst-Wahl zu tun haben werden.

Was wäre die Kirche ohne Frauen?

Einer, der das schon vor langer Zeit kritisiert hat, ist Hermann Friedl, der das katholische Dekanat Reutlingen-Zwiefalten leitet. Bereits im Jahr 2015 hat er im Gespräch mit unserer Zeitung seine ganz eigenen Gedanken zur Wahl des Pontifex geäußert. Warum, hatte er damals gefragt, sollte nicht das Volk darüber abstimmen, wer Papst wird? „Das wäre eine spannende Sache. Eine Revolution“, hat er in dem Interview verlauten lassen – und danach eine nicht minder verwegene Idee präsentiert. „Weil der Kardinal ja ein Ehrentitel ist, könnte der auch einer Frau verliehen werden. Eine Kardinälin – das wär’s“, sinnierte Friedl einst, als Franziskus gerade mal zwei Jahre im Amt war. Warum der Pfullinger Katholik sich so stark macht für weibliche Führungskräfte in seiner Kirche? „Weil die Frauen doch auch bei uns die meiste Arbeit erledigen. In der Seelsorgeeinheit wie im Dekanat. Es gibt bei uns ja fast nur noch Ministrantinnen. Was wäre die Kirche ohne die Frauen? Eine Kardinälin wäre eine Wahnsinns-Aufwertung der Frauen in der katholischen Kirche. Das wäre der Hammer“, durfte unsere Zeitung ihn damals zitieren.

Es bleibt wohl eine Utopie

Schade nur, dass auf die mittlerweile zehn Jahre alten Äußerungen des Dekans bislang niemand reagiert hat, der in der katholischen Kirche etwas zu sagen hätte. Zumal Friedl im Jahr 2022 in einem weiteren Gespräch mit unserer Zeitung noch einmal nachgelegt hat. Er gestand, dass er sich insgeheim wünscht, dass es irgendwann mal eine Päpstin geben wird. Ein Gedanke, den er allerdings selbst wieder verworfen hat. Denn dafür müsste ja das Kirchenrecht geändert werden. Was wiederum nur ein Mann tun könnte: der Papst. Die Idee von einer Päpstin, selbst die, dass eine Frau Kardinälin werden könnte, dürfte also eine Utopie bleiben. Und doch ist der Gedanke zu naheliegend, um ihn zu verdrängen. Oder, um es mit mehr Nachdruck zu formulieren: Die Zeit ist reif für eine weibliche Führungskraft in der katholischen Kirche.