Keime im Metzinger Trinkwasser
: Das Abkochgebot gilt weiter - Mücken haben das Problem verursacht

Die Stadtwerke müssen das Leitungswasser nach wie vor chloren. Die Situation wird sich nicht vor Mitte nächster Woche normalisieren.
Von
swp
Metzingen
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Die Trinkwasserpreise (Symbolfoto) bleiben in Bad Ditzenbach stabil, auch wenn der Eigenbetrieb Wasserversorgung in diesem Jahr mit einem Minus rechnet.

ARCHIV - 08.08.2019, Brandenburg, Sieversdorf: Am Wasserhahn in einer Küche wird ein Trinkglas mit Leitungswasser befüllt. Neue Hygienestandards für Produkte wie Rohre, Ventile, Pumpen und Wasserhähne sollen die Trinkwasserqualität in der EU künftig steigern. (Zu dpa «Neue EU-Regeln für Rohre und Hähne: Trinkwasser soll besser werden») Foto: Patrick Pleul/zb/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

In Teilen Metzingens muss das Leitungswasser nach wie vor abgekocht werden.

Patrick Pleul7dpa

Das Abkochgebot für das Trinkwasser in Teilen der Stadt Metzingen gilt vorerst weiter. Das haben die Stadtwerke in einer am Donnerstag, 1. August, verschickten Pressemitteilung erklärt. Momentan gehen die Verantwortlichen davon aus, dass das Gebot noch bis mindestens Mitte oder Ende nächster Woche bestehen bleibt.

Wie berichtet, wurden während der routinemäßigen Kontrollen am 25. Juli mikrobiologische Grenzwertüberschreitungen im Hochbehälter Forst II festgestellt. Vom Hochbehälter Forst II (versorgt die Gebiete Bongertwasen und Harthölzle) wird ein weiterer Hochbehälter, der Hochbehälter Hochholz (an ihn sind die Gebiete Neugreuth, Millert, Reisach und Ösch angedockt) mit Trinkwasser versorgt. Im Hochbehälter Hochholz seien zu keiner Zeit Keime nachgewiesen worden, so die Stadtwerke. Als akute Vorsichtsmaßnahme seien jedoch beide Hochbehälter außer Betrieb genommen worden. Das Kreisgesundheitsamt Reutlingen habe gemeinsam mit den Stadtwerken Metzingen ein Abkochgebot für die genannten Gebiete angeordnet.

Nur für die betroffenen Gebiete

Dieses Abkochgebot gelte ausdrücklich nur in den genannten Gebieten, wie die Stadtwerke betonen. Die betroffenen Straßen sind in einer Liste auf der Internetseite der Stadtwerke Metzingen (www.stadtwerke-metzingen.de) veröffentlicht. Das Trinkwasser in den Gebieten außerhalb des Abkochgebots könne wie gewohnt ohne Einschränkungen verwendet werden, da dort keinerlei Keime festgestellt wurden.

Die Stadtwerke Metzingen führen seit Donnerstag vergangener Woche Spülungen, Chlorungen und laufende Messungen im gesamten Versorgungsgebiet durch. Ziel der Maßnahmen sei es, die gewohnte Trinkwasserqualität so schnell als möglich wiederherzustellen. Der Einsatz von Chlor im Trinkwasser sei gesundheitlich unbedenklich. Allerdings sei ein deutlicher Chlorgeruch wahrzunehmen. Vereinzelt sei es auch zu stärkeren Trübungen im Trinkwasser (braunes Wasser) gekommen.

Alle zwei Tage werden Proben gezogen

„Während der gesamten Maßnahme prüfen und kontrollieren die Stadtwerke Metzingen den Einsatz des Chlormittels und die damit verbundene Konzentration im Versorgungsnetz sowie mikrobiologische Parameter entsprechend der Trinkwasserverordnung", betonen die Verantwortlichen. Dabei müssten 140 Kilometer Leistungsnetz gespült, gechlort und geprüft werden. Darüber hinaus würden derzeit alle zwei Tage Wasserproben an inzwischen 16 Entnahmestellen stattfinden, welche sorgfältig entnommen werden müssten und in einem externen Labor analysiert werden. Bis ein Laborbefund vorliege, vergehen in der Regel nochmals etwa zwei Tage.

„Die aktuellen Laboruntersuchungen weisen deutliche Verbesserungen auf", teilen die Stadtwerke mit. In allen Proben seien keine Enterokokken mehr nachgewiesen worden. Durch den minimalen Nachweis dieser Keime sei es notwendig, das Wasser abzukochen. Punktuell seien jedoch noch minimale Keimbelastungen mit coliformen Keimen zu verzeichnen gewesen. Daher chloren und prüfen die Stadtwerke Metzingen gemeinsam mit dem Kreisgesundheitsamt Reutlingen weiterhin zyklisch alle zwei Tage die Trinkwasserqualität im gesamten Versorgungsgebiet.

Insektenforscher ist vor Ort

„Ich bitte die betroffene Bevölkerung um Verständnis für die derzeitigen Einschränkungen“, sagt Alexander Schoch, Geschäftsführer der Stadtwerke Metzingen. „Sämtliche verfügbaren Kolleginnen und Kollegen kümmern sich derzeit darum, die gewohnt hohe Trinkwasserqualität an jedem Punkt unseres Versorgungsnetzes so schnell als möglich wiederherzustellen."

Inzwischen konnte auch der Grund für die mikrobiologischen Grenzwertüberschreitungen im Hochbehälter Forst II festgestellt werden. Ein Entomologe (Insektenforscher) habe Mücken der Gattung Stelzmücken nachgewiesen, die vermutlich über ein Bodenüberlaufrohr, welches gegen das Eindringen von Tieren gesichert ist, in die Reinwasserkammer gelangen könnten. Eine Brutstätte innerhalb der Reinwasserkammer sei jedoch ausgeschlossen worden.

Mücken und Larven werden entfernt

Mit Unterstützung des Insektenexperten würden derzeit die Mücken und eventuelle Larven im Bodenüberlaufrohr sorgfältig entfernt. Anschließend werde der Behälter von einer darauf spezialisierten Firma nochmals mehrfach gereinigt. Dieser Prozess werde voraussichtlich Anfang kommender Woche abgeschlossen sein.

Unter der Voraussetzung, dass alle Maßnahmen greifen und sich die positive Entwicklung (Verringerung der Grenzwertüberschreitung bis auf null) fortsetzt, gehen die Stadtwerke davon aus, dass das Abkochgebot bis mindestens Mitte oder Ende nächster Woche aufrechterhalten werden muss. Sobald das Abkochgebot aufgehoben wird, informieren die Stadtwerke umgehend alle Bürger und Bürgerinnen über die Presse, über ihre Homepage unter www.stadtwerke-metzingen.de und auf ihren Social-Media-Kanälen (Facebook und Instagram). Unter den genannten Medien können alle bisher bekanntgegebenen Informationen zu jeder Zeit nachgelesen werden.

Für Fragen stehen die Stadtwerken Metzingen unter Telefon (07123) 395 9160, E-Mail: stadtwerke@metzingen.de, zur Verfügung.