Jubilar Walter Veit: Ein Feingeist der Städteplanung

Walter Veit war 16 Jahre lang Baubürgermeister in Metzingen.
Archiv/ Thomas KiehlBaubürgermeister a.D., Walter Veit, wird heute 80 Jahre alt. Geboren 1944 in Metzingen und aufgewachsen in Reutlingen, prägte der Architekt und Stadtplaner 16 Jahre lang als Leiter der Baubehörde das Gesicht der Stadt. Viele seiner Weggefährten bezeichnen ihn als Feingeist. Liberal, weltoffen und angetrieben von der Idee, das Lebensumfeld für die Einwohner dieser Stadt schöner, lebenswerter und vielleicht auch interessanter zu gestalten, zumindest aus architektonischer Sicht.
Unter seiner Leitung (bis Ende August 2006) erlebte Metzingen eine städtebauliche Transformation, die von der Neugestaltung des Kelternplatzes bis zur Aufwertung des Lindenplatzes reichte. Die Integration der Outlets in die Stadt geht auf seine Weitsicht zurück und verschafft der Kelternstadt bis heute ein Alleinstellungsmerkmal: Outlets gibt es viele, doch keines in einer Innenstadt, mit Ausnahme der Outletcity. Das hat Metzingen bundesweit zu einer Ausnahme im Fabrikverkauf gemacht.
Planer mit Weitblick
Veit war nicht nur ein Mann der großen Visionen, sondern auch ein Verfechter privater Investitionen, die zur Belebung des historischen Stadtkerns beitrugen. Bereits umgesetzte Projekte wie das Ermskonzept und die Grünkulturachse zeugen von seinem Weitblick und seinem Engagement für eine nachhaltige Stadtentwicklung. So setzte er sich auch gegen den Bau eines großen Edeka-Marktes außerhalb der Innenstadt ein. Einkaufszentren gehören nicht auf die grüne Wiese, sagte er. Dasselbe gelte für den Fabrikverkauf. Beide Elemente brauche es, um die Innenstadt lebendig zu halten.
Vor seiner Amtszeit als Baubürgermeister war Veit bereits im Stuttgarter Architekturbüro Kilper und Partner tätig und befasste sich mit der Umgestaltung der Stuttgarter Straße zur Fußgängerzone. Als Baubürgermeister gelang es ihm, die Kronenstraße und die Willy-Brandt-Straße umzugestalten und die Rathaustiefgarage zu errichten. Die Sanierung des Kelternplatzes und des Wengerterhäusles sowie die Umgestaltung des Klosterhofs und der Genossenschaftskelter zählen zu weiteren Projekten.
Nach seinem Ruhestand widmete sich Veit verstärkt der Kultur, blieb der Architektur und Städteplanung jedoch treu. Er träumte von einer Landesgartenschau in Metzingen und schlug vor, städtische Wohnungen zu verkaufen, um Unterhaltungskosten zu sparen. Weitere Visionen, die er bereits beim Ausscheiden aus seinem Amt äußerte, umfassten ein Bekleidungs-Museum im Bereich des Fabrikverkaufs (das gibt es inzwischen) und die Umgestaltung des Adlergartens zu einem Park (wird kurz- bis mittelfristig umgesetzt). Insbesondere aber engagierte er sich beim Förderkreis Metzinger Keltern.
Walter Veit hat einmal gesagt, „die Stärke einer Stadtverwaltung zeigt sich daran, dass wichtige Projekte zur richtigen Zeit angegangenen werden.“ Umgekehrt bedeutet das, man müsse die Zeichen der Zeit erkennen können. Dass er das kann, hat er vor wenigen Jahren bewiesen. Längst im Ruhestand, trieb ihn die Diskussion ums geplante Kombibad um. Er entwarf einen eigenen Plan, um weite Wege für Gäste, die zu Fuß ins Bad kommen wollen, zu vermeiden. So versetzte er den Eingang weg vom Festgelände auf dem Bongertwasen hin zum Ferientagheim. Ein Entwurf, der bald zu offizieller Lesart wurde. Leidenschaft und Engagement für die Stadt: Walter Veit hat das stets vorgelebt.


