Inklusion im Landkreis Reutlingen: Vielfalt lautet das Zauberwort

Als Preisträger präsentierten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projekts MuM am Dienstagabend stolz dem Publikum, mit dabei auch der neue Sozialminister Oliver Hildenbrand (Zweiter von links).
Norbert Leister- Im Kreis Reutlingen wurden Inklusionspreise im KSK-Forum Metzingen vergeben.
- Ausgezeichnet: der „Krümel-Club“ in Reutlingen für inklusiven „Tanzalarm für Kids“.
- Ebenfalls prämiert: Projekt MuM mit Theater- und Filmgruppe, Ergebnis am 30. Oktober.
- Zwei Ehrenpreise gingen an Gudrun Votteler und an Capoeira-Gründer Marcos de Jesus Silva.
- Sozialminister Oliver Hildenbrand betonte Inklusion als Menschenrecht und Grundlage des Miteinanders.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Vielfalt. So lautete das Zauberwort nicht nur am Dienstagabend im Metzinger Kreissparkassen-Forum – so heißt auch das magische Wort, um Inklusion voranzutreiben, wie Reutlingens Landrat Dr. Ulrich Fiedler bei der Verleihung der Inklusionspreise im Landkreis betonte. Ein Beispiel für die gelebte Vielfalt: Der „Krümel-Club“, der in Reutlingen ab November „Tanzalarm für Kids“ ausruft.
Die Kooperation zwischen franz.K, Klick-Kulturbüro und Haus der Kulturen bringt Kinder im Alter zwischen drei und acht Jahren zusammen, egal, ob die Kids Behinderungen haben oder nicht. „Damit wird für Kinder ein Ort geschaffen, an dem Unterschiede nicht trennen“, betonte Fiedler bei der Vergabe des Inklusionspreises, der von Susanne Blum als Leiterin der Geschäftsstelle Inklusionskonferenz initiiert wurde.
„Unbeschwert Kind sein dürfen, tanzen, lachen, Spaß haben“ – all das soll möglich sein beim „Krümel-Club“. Der Maßstab sei, „gemeinsam in Bewegung zu kommen, Demokratie beginnt im Miteinander“, so der Landrat weiter bei der Laudatio für den ganz besonderen Club. Insgesamt zwölf Projekte hatten sich um den mittlerweile vierten Inklusionspreis beworben.
Persönliche Stärken
Die inklusive Band „Soulhossas“ sorgte im KSK-Forum für die musikalische Umrahmung, „wir spielen schon seit 26 Jahren zusammen“, betonte der Keyboarder. Mit einem Inklusionspreis ausgezeichnet wurde am Dienstagabend zudem ein Projekt namens MuM – dabei kommt eine BAFF-Theatergruppe „Lustiger Dienstag“ und eine inklusive Filmgruppe zusammen.
Insgesamt 17 Menschen engagieren sich gemeinsam, lernen ganz viel über Sounddesign, über Videozuspieler, Licht- und Tontechnik, aber auch über Schauspiel. „Dabei stehen die persönlichen Stärken der Einzelnen im Fokus, ob auf der Bühne, hinter der Kamera oder am Mikrofon“, erläuterte Joachim Deichmann als Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse (KSK) Reutlingen bei der Preisvergabe. Am 30. Oktober wird das Ergebnis im Theaterpädagogischen Zentrum in Betzingen zu sehen sein.
Jeweils 3000 Euro erhielten die beiden Projekte von der KSK – bei der Vergabe zeigte sich bei dem stürmisch-sonnigen Wetter vor den großen Fenstern des KSK-Forums immer wieder ein Regenbogen. Ein hoffnungsvolles Zeichen dafür, dass Inklusion tatsächlich vorangetrieben wird? Nicht nur im Kreis Reutlingen, sondern im ganzen Land, wie der neue Sozialminister Oliver Hildenbrand betonte?
„Jede und jeder hat Stärken, Fähigkeiten und Talente“, hatte der Grünen-Minister hervorgehoben. „Menschen mit Behinderungen gehören dazu.“ Inklusion sei kein Randthema, sondern entscheide über die Qualität des Miteinanders in einer Gesellschaft. „Inklusion ist kein ‚nice to have‘, sondern ein Menschenrecht, Demokratie und Inklusion sind zwei Seiten der gleichen Medaille, wir müssen uns alle dafür engagieren“, so Oliver Hildenbrand, der die Schirmherrschaft für den Inklusionspreis von seinem Vorgänger im Amt übernommen hat.
Gleich zwei Ehrenpreise wurden am Mittwochabend zusätzlich verliehen für Einzelpersonen, die sich durch ein ganz besonderes Engagement auszeichnen. Einen erhielt Gudrun Votteler, die auf ihrem Hof mit Pferden, Eseln und weiteren tierischen Kreaturen die Möglichkeit der Begegnung für Mensch und Tier geschaffen hat.
„Zuerst kam Rappertshofen auf mich zu, danach der Verein für Sozialpsychiatrie VSP – daraus wurde mein Lebenswerk“, sagte Votteler. Sie erhielt von der Kreissparkasse 500 Euro für eine neue Pferdebox. Ebenfalls mit einem Inklusions-Ehrenpreis ausgezeichnet wurde Marcos Cesar de Jesus Silva. Er hatte den Capoeira Verein Reutlingen-Tübingen gegründet, der für „gemeinsames Lernen, Bewegung mit oder ohne Behinderung“ steht, so Hildenbrand. Bei Capoeira gehe es um Gemeinschaft und gegenseitigen Respekt.
De Jesus Silva arbeite mit dem Verein immer wieder mit Schulen wie auch der Oberlin-Schule in Reutlingen zusammen – und das schon seit 20 Jahren. Mehr als 140 Mitglieder zählt der Verein heute. „Capoeira ist mein Leben“, betonte de Jesus Silva. Die Mischung aus Musik, Bewegung, Tanz, Gemeinschaft und Kampfkunst brachten die Capoeira-Aktiven am Dienstagabend mit unglaublich akrobatischen Leistungen auf die Bühne. Der Verein erhielt ebenfalls 500 Euro, um ein Capoeira-Festival besuchen zu können, wie Joachim Deichmann betonte.
