Höhenrettungsgruppe Stuttgart: Notfall auf dem Heidengrabenturm

Hier sind die Retter im Anflug. Als ausgebildete Notfallsanitäter könnten die Feuerwehrleute auf dem Turm einen Patienten versorgen und ihn in einem Bergesack in den Hubschrauber holen.
Thomas Kiehl- Höhenrettungsgruppe Stuttgart übte Notfallrettung auf Heidengrabenturm mit Polizei.
- Feuerwehrleute versorgen Patienten und bergen ihn per Hubschrauber oder Seiltechnik.
- 15 Feuerwehrleute aus Stuttgart haben die nötige Ausbildung für Hubschraubereinsätze.
- Größter Einsatz war im Ahrtal: Rettung von 38 Personen aus überfluteten Häusern.
- Jüngster Fall: Rettung eines Kranführers mit Herzinfarkt in Holzgerlingen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein Wanderer wird nach dem beschwerlichen Treppenaufstieg auf den Heidengrabenturm zu einem medizinischen Notfall. Die alarmierten örtlichen Rettungskräfte können ihn nicht nach unten befördern. Was ist zu tun? Ein klarer Fall für die Höhenrettungsgruppe der Berufsfeuerwehr Stuttgart, die gemeinsam mit der Polizeihubschrauberstaffel aus Ulm dieses Szenario am Donnerstag geübt hat.
Um es vorwegzunehmen: Sehr wohl könnte die örtliche Feuerwehr via Drehleiter eine verunglückte Person vom Heidengrabenturm retten. Selbst wenn nicht, dann würde die Höhenrettungsgruppe den oder die Verletzte per Seiltechnik vom Turm ablassen. Ein Hubschrauber wäre in diesem Falle höchstwahrscheinlich nicht nötig. Für Übungszwecke ist der Turm aber bestens geeignet. Zumal sich mit dem Erkenbrechtsweiler Steinbruch und einem Firmengebäude in Erkenbrechtsweiler zwei weitere gute Trainingslocations in unmittelbarer Nähe befinden.
So trafen sich also Piloten samt Hubschrauber der Polizei und die Feuerwehrleute der Höhenrettung am Heidengrabenturm, um zwei Trainingsdurchläufe zu absolvieren. Es war das erste Training dieser Art in diesem Jahr, „der Saisonauftakt sozusagen“, wie Andreas Leffler von der Stuttgarter Berufsfeuerwehr sagte. Er ist Ausbilder bei der Höhenrettungsgruppe.

Am Boden wird der Ablauf des Einsatzes zuvor besprochen.
Thomas KiehlAm Vormittag ging es darum, die Feuerwehrleute einzeln und zu zweit über eine Winde im Hubschrauber aufzunehmen oder punktgenau wieder abzusetzen. „Die Basics“, wie Leffler meinte, „aber an das Gefühl, an einem Seil hängend unter einem Hubschrauber mitzufliegen, muss man sich erst wieder gewöhnen.“ So wurden die Höhenretter, nur 15 haben in Stuttgart übrigens die nötige Ausbildung, um in oder an einem Hubschrauber mitzufliegen, wie in einer Stafette von einem Punkt zum nächsten geflogen.
Am Nachmittag wurde eine verletzte Puppe (ihr fehlte tatsächlich ein Fuß) in einem Luftrettungsbergsack geborgen. „Der Sack fliegt nie alleine“, sagt Andreas Leffler, immer ist auch einer der Feuerwehrmänner, die allesamt ausgebildete Rettungssanitäter sind, mit eingeklinkt, um sich um den Patienten zu kümmern.
Bevor es überhaupt starten konnte, hielten Polizei und Feuerwehr eine Vorbesprechung ab. „Die ist Pflicht, obwohl die Inhalte eigentlich allen bekannt sind“, wie Leffler verrät. Dennoch werden nochmal die Handzeichen zwischen Boden- und Flugpersonal abgesprochen. „Florian“ und „Bussard“ heißen die beiden Parteien im Funkverkehr. Kreist einer der Beteiligten mit seiner flachen Hand über seinen Helm, kann man die vergessen – das ist nämlich das Zeichen, wenn die Funkverbindung abgebrochen ist. Diese Zeichen- und Funksprache muss immer wieder geübt werden und bei den Beteiligten in Fleisch und Blut übergehen, denn im Notfall bleibt für lange Vorbesprechungen womöglich keine Zeit.
Wie läuft nun ein Einsatz ab, am Beispiel unseres fiktiven Falls am Heidengrabenturm? Gewöhnlich geht über die 110 oder 112 ein Notruf in der Leitstelle ein, die wiederum die örtliche Feuerwehr aktiviert. Da just das Heidengrabenzentrum und der Turm nahe an der Kreisgrenze zwischen Esslingen und Reutlingen, würden im Ernstfall wahrscheinlich sogar Feuerwehren aus beiden Richtungen alarmiert, also etwa Erkenbrechtsweiler und Hülben. Wenn diese Kräfte dann feststellen, dass sie den Verletzten nicht retten können, würden sie wiederum die Leitstelle informieren, die dann die Höhenretter in Stuttgart informiert. „Wir sind der Wache 5 angegliedert, fahren dann von dort zum Flughafen und wären nach wenigen Flugminuten hier“, beschreibt Andreas Leffler das Szenario. Mitunter wäre man so vielleicht sogar schneller, als aus einer umliegenden Gemeinde eine Drehleiter anzufordern.
Größter Einsatz war im Ahrtal
Oft kommt der gemeinsame Einsatz von Höhenrettern und Hubschrauberstaffel nicht zustande. Die meisten Fälle sind Sache der Bergwacht, Wanderer, Kletterer, Skifahrer zum Beispiel. „Wir sind für den urbanen Bereich zuständig“, sagt Leffler. Hochhäuser oder Firmendächer, Baukräne und Hochspannungsmasten. Insgesamt hatten die Stuttgarter Höhenretter im vergangenen Jahr 46 Einsätze, keiner davon mit Hubschrauber, sondern Klettereinsätze.
Für Andreas Leffler war es am Donnerstag wohl der letzte Flugeinsatz, denn es war sein vorletzter Arbeitstag, bevor er in den Ruhestand geht. Entsprechend viel Erfahrung bringt er mit – und Erinnerungen. Sein größter und spektakulärster Einsatz war der im Ahrtal, „da haben wir alleine am ersten Tag 38 Personen von den Dächern ihrer überfluteten Häuser gerettet.“ Vier Tage lang waren die Stuttgarter dort im Einsatz. Einer der jüngsten Fälle war die Rettung eines Kranführers in Holzgerlingen, der hoch oben in seiner Führerkabine einen Herzinfarkt erlitten hatte. Weil der Turm zu hoch war für eine normale Drehleiter, bestiegen die Höhenretter den Kran und seilten den Patienten letztlich sicher in einem Bergesack zum Boden ab.

