Ukraine-Krieg: Aktionen aus der Region Neckaralb: Wo man spenden kann und was benötigt wird
Fassungslos nimmt man dieser Tage die Meldungen aus der Ukraine zur Kenntnis. Die Bilder von Toten und Verletzten, von zerstörten Häusern, rollenden Panzereinheiten und Schutzsuchenden in U-Bahn-Stationen brennen sich ins Gedächtnis ein. Viele ukrainische Frauen und Kinder verlassen ihr Land, sie machen sich auf den Weg, um in Ländern der EU Schutz zu finden. Für einige sind diese Eindrücke zu viel, um nur tatenlos vor dem Fernseher zu sitzen. Sie werden aktiv, um den Menschen in den Kriegsgebieten oder den Fliehenden zu helfen.
Die ersten Flüchtlinge werden bereits heute im Landkreis erwartet, berichtet Simon Nowotni, der gemeinsam mit Martin Salzer die Aktion „Ermstal hilft“ ins Leben gerufen hat. Eine Frau mit zwei Kindern ist unterwegs, eines der Kinder ist beinamputiert. Für sie wurde bereits eine Unterkunft in Dettingen organisiert, ebenso für Dr. Elena Menschykov, die seit Freitag mit ihrer Tochter auf der Flucht ist (wir haben berichtet). Sie wird morgen da sein, wenn alles gut verläuft.
Schnelle und unbürokratische Hilfe
Den Initiatoren geht es zunächst darum, schnell und unbürokratisch zu helfen. Sie wollen ein Zusatzangebot zu den staatlichen Hilfen machen, „dabei wollen wir vor allem ein Netzwerk schaffen“, betont Martin Salzer. Sie haben Aufrufe gestartet für Sach- und Geldspenden, aber auch Unterkünfte für Flüchtlinge, die nach diesen dramatischen Erlebnissen Sicherheit und Ruhe benötigen. Gesammelt werden die Waren in der Lagerhalle der einstigen Bäckerei Hermann, die von den neuen Besitzern, Familie Kukavica, zur Verfügung gestellt wurde. Diese Woche werden die ersten Busse an die ukrainische Grenze fahren. Die Läden dort seien leer, erzählt Simon Nowotni. Einige Zeit werden die Menschen dort überbrücken können, aber spätestens in zehn bis 14 Tagen werden viele Not leiden. Das heißt, die Helfer werden einen langen Atem benötigen und je nachdem, was passiert, könnte auch die Zahl der Flüchtlinge drastisch ansteigen.
Netzwerk von Helfern schaffen
Darum haben die Helfer aus Dettingen mit anderen, die ebenfalls Unterstützung organisieren, Kontakt aufgenommen. Eine von ihnen ist Carina Schneider aus Grabenstetten: Sie hat ihren Bauernhof, den Schweizerhof Schwäbische Alb, zur Annahmestation für Spenden von Hilfsgütern gemacht. Während ihrer Studienzeit in Hohenheim hat sie sowohl russische als auch ukrainische Freunde gewonnen, mit denen sie noch immer in Kontakt steht. Als diese nun im Raum Stuttgart eine Hilfsaktion ins Leben gerufen haben, hat sich Carina Schneider prompt angeschlossen. „Stuttgart ist zu weit weg, um dort von Grabenstetten aus wegen einer Spende hinzufahren“, sagt sie. Deswegen wird jetzt direkt auf der Alb gesammelt.
Bereits am vergangenen Samstag rollte der erste Kleinlaster vom Hof, an diesem Dienstag oder Mittwoch wird der nächste erwartet. Diese Kleintransporter sind in ganz Süddeutschland unterwegs, zentral verladen werden die Hilfsgüter in Mannheim. Von dort gehen sie dann per Spedition in die Ukraine, auch hier sind die ersten Trucks längst gen Osten unterwegs.
Das wird benötigt
„Die Resonanz ist riesig, vor allem sehr viele Textilien werden gespendet“, resümiert Carina Schneider über die ersten Tage, „wir werden die Sachspenden jetzt in Kategorien einteilen und freuen uns, wenn diese von den Spendern vorher schon sortiert werden.“
Was nun besonders benötigt würde, wäre medizinisches Material: Verbandsmaterial, Medikamente, Desinfektionsmittel, Einweg-Handschuhe, Thermounterwäsche, Isomatten, Rucksäcke, Herrenstiefel, Powerbanks, Batterien, Generatoren, Kerzen. Taschenlampen, Ferngläser, Hygieneartikel für Frauen und Kinder, Windeln und Babynahrung. Auch medizinisches Fachpersonal, das kostengünstig Zugriff auf mögliche Hilfsgüter habe, dürfe sich wegen des Transports gerne direkt an sie wenden, sagt Carina Schneider. Auch Fahrer, die Kleintransporter nach Stuttgart oder Mannheim fahren können, dürfen sich melden.
Packliste erstellen
Nowotni und Salzer hingegen haben Listen erstellt, anhand derer man Kisten oder Kartons mit den nötigen Hilfsgütern packen kann. Sie können täglich von 10 bis 12 und von 15 bis 18 Uhr in der Vogelsangstraße 34 abgegeben werden. Wer weitere Hilfsangebote machen will, sollte eine Mail schreiben, in der dann Nachfrage und Hilfe miteinander koordiniert werden. Denn, so Nowotni, im Moment sei die Lage noch etwas unübersichtlich. Er ist aber überzeugt, dass weitere Spenden und Hilfen auch in den kommenden Wochen dringend benötigt werden. „Die Flüchtlinge, die kommen, haben oft nicht mehr dabei als das, was sie am Leib tragen.“ Dies sieht auch Carina Schneider so. Die ersten Fuhren sollen nicht die letzten sein, „die Sammelaktion wird auf jeden Fall noch lange fortgeführt“, sagt sie. Der Schweizerhof steht weiterhin als Annahmestation für Spenden zur Verfügung.
Info Ansprechpartner der beiden Hilfsaktionen sind Carina Schneider, Schweizerhof Grabenstetten, Telefon (01 63) 2 50 07 73, sowie Simon Nowotni und Martin Salzer, E-Mail: ermstalhilft@gmail.com. Die Packliste gibt es auf der Homepage der Stadt Bad Urach.


