Ganzjahresbad in Metzingen
: Freibadwetter zum Spatenstich

Der offizielle Startschuss für das 70-Millionen-Euro-Projekt ist am Freitag gefallen. Im August 2029 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.
Von
Regine Lotterer
Metzingen
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Mit dem symbolischen ersten Spatenstich hat am Freitag offiziell der Bau des Ganzjahresbades am Bongertwasen begonnen.

Thomas Kiehl
  • Bau des Ganzjahresbads am Bongertwasen hat mit symbolischem Spatenstich begonnen.
  • Fertigstellung ist bis August 2029 geplant – Kosten liegen bei knapp 70 Millionen Euro.
  • Breite Bürgerbeteiligung seit 2017: rund 1000 Teilnehmende und etwa 3500 Beiträge.
  • Stadtwerke Metzingen verantworten Projekt, Firma Brodbeck baut als Totalunternehmer.
  • Energiekonzept beschlossen: Erdwärmesonden, Luft-Wärmetauscher und Photovoltaik für CO2-neutralen Betrieb.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Frühlingssonne strahlte am Freitagnachmittag von einem fast wolkenlosen Himmel auf die Großbaustelle am Metzinger Bongertwasen. Dort wird innerhalb der kommenden dreieinhalb Jahre das Ganzjahresbad entstehen. Bis August 2029 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Selten sei ein Projekt so intensiv durchdacht, diskutiert und abgewogen worden, wie das neue Bad, betonte Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh anlässlich des symbolischen ersten Spatenstichs für das knapp 70 Millionen Euro teure Projekt. Der Weg bis zum Baustart sei lang und nicht immer einfach gewesen, erinnerte Haberstroh die Festgäste. Während der Corona-Pandemie, nach Ausbruch des Ukrainekriegs sowie angesichts der stark gestiegenen Baukosten und Zinsen sei das Vorhaben immer wieder auf den Prüfstand gestellt und neu bewertet worden. Im Zentrum der Debatte habe dabei stets die Frage gestanden: Wollen wir uns in Metzingen ein Bad leisten?

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Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh erinnerte anlässlich des ersten Spatenstichs an den langen Weg, den das Projekt Ganzjahresbad bis zum Baubeginn zurückgelegt hat.

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Die Antwort darauf sei keinem leicht gefallen. Bei der Entscheidungsfindung sei es indessen nicht  nur um eine reine Kosten-Nutzen-Rechnung gegangen, sondern insbesondere um Verantwortung für die Zukunft, betonte Haberstroh. Zumal ein Bad weit mehr sei als ein Gebäude. Es sei vielmehr ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, ein Treffpunkt, an dem Gemeinschaft und Lebensfreude entstehe, an dem Kinder schwimmen lernen und an dem die Gesundheit gefördert werde.

Mit dem ersten Spatenstich setze die Stadt nun ein sichtbares Zeichen, dass aus einer Idee Realität werde. Und Ideen, Vorschläge und Anregungen für das Ganzjahresbad hat es seit dem Start des Bürgerbeteiligungsprozesses im Oktober 2017 wahrlich viele gegeben. Rund 1000 Menschen, darunter etwa 400 Jugendliche, haben sich an diesem Prozess beteiligt, erinnerte Haberstroh. Insgesamt seien rund 3500 Beiträge in die Planung eingeflossen, weswegen die Oberbürgermeisterin betont: „Das Bad ist ein Projekt aus der Mitte der Gesellschaft. Es ist ein echtes Bürgerbad.“

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Die Firma Brodbeck zeichnet als Totalunternehmer für den Bau verantwortlich.

Thomas Kiehl

Bürgerbeteiligung bedeute allerdings auch immer Verantwortung, so Haberstroh. Wer die Bürger einlade, mitzugestalten, gebe das Versprechen, dass die Beteiligung ernst genommen und am Ende gehandelt werde: „Dieser Spatenstich zeigt, wir haben Wort gehalten, wir setzen das Erarbeitete um.“ Den in der vergangenen Woche gegründeten Förderverein „Metzinger Bongert-Bad“ wertet die Oberbürgermeisterin als „starkes Zeichen“ dafür, dass das Engagement der Bürger nicht mit dem Spatenstich endet, sondern weitergetragen wird.

Sie hoffe, so Haberstroh, dass auch die Kritiker des Vorhabens in einigen Jahren zu begeisterten Nutzern des Bades werden. Und sie zeigte sich am Freitag überzeugt, dass die Stadt mit dem Projekt den richtigen Weg eingeschlagen hat: „Wenn wir in einigen Jahren hier stehen, werden wir sagen, es war richtig.“

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Zahlreiche Festgäste waren zum Baustart auf den Bongertwasen gekommen.

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Verantwortet wird der Bau des Ganzjahresbades und damit das bislang größte städtische Projekt in der Geschichte Metzingens von den heimischen Stadtwerken (SWM). Die Projektsteuerung bringe für das Stadtwerke-Team eine Vielzahl an Themen, Fragestellungen und Herausforderungen mit sich, erläuterte Geschäftsführer Alexander Schoch. Dafür werde viel Zeit und Engagement investiert, „und jede Minute davon ist es wert, weil wir hier etwas für unsere Bevölkerung schaffen“, betonte Schoch. Ihn freue es besonders, dass die Stadt mit der konsequenten Ausrichtung des Neubaus auf Nachhaltigkeit neue Maßstäbe setze. Das Gebäude werde künftig vollständig CO2-neutral mit erneuerbaren Energien versorgt: „Das Bad wird dadurch absolut zukunftssicher sein.“ Der Weg bis zur Eröffnung im Jahr 2029 sei gut geplant, versicherte Schoch, der zur Einweihung auf ähnlich gutes Wetter hofft wie jetzt zum Spatenstich.

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Jürgen Schwefel von der Firma Brodbeck überreicht Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh einen gravierten Spaten. Er soll an den ersten Spatenstich fürs Ganzjahresbad erinnern.

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Groß ist die Freude bei Stadt und Gemeinderat auch darüber, dass ein Metzinger Unternehmen das Bad bauen wird. Die Firma Brodbeck setzte sich bei der europaweiten Ausschreibung in einem harten Wettbewerb durch, erinnerte Florian von der Heyde, der Mitglied der Brodbeck-Geschäftsführung ist. Darauf sei das Unternehmen unheimlich stolz. Für Brodbeck sei das Ganzjahresbad nicht irgendein Projekt, sondern der größte Einzelauftrag in der hundertjährigen Firmengeschichte, erklärte von der Heyde. Am Bongertwasen baue ein Generalunternehmer für Menschen in der Region mit Menschen aus der Region.

Zukunftsweisendes Energiekonzept fürs Ganzjahresbad

Der Gemeinderat hat am Donnerstag ein aktualisiertes Energiekonzept für das Ganzjahresbad beschlossen, um dessen vollständig elektrifizierte, klimaneutrale und langfristig wirtschaftliche Energieversorgung sicherzustellen. Damit werde der laufende Betrieb in hohem Maße unabhängig von Marktpreisen, betonen die Stadtwerke Metzingen (SWM) als Bauherr des Bades. Rund 6,2 Millionen Euro werden die SWM in die Umsetzung des Energiekonzepts investieren. An den Planungen dafür war auch der Arbeitskreis Klima und Energie Metzingen beteiligt, der das neue Konzept ausdrücklich begrüßt.

Genutzt werden künftig drei Energiequellen. Zum einen kommt Erdwärme aus 75 Sonden, die in rund 290 Meter Tiefe liegen, zum Einsatz. Wenn die Temperaturen unter fünf Grad Celsius fallen, entziehen die Sonden dem Boden Wärme, die dann für das Bad genutzt werden kann. Zweitens arbeiten die SWM mit einem Luft-Wärmetauscher auf dem Dach des Bades. Dieser entzieht der Luft bis zu einer Außentemperatur von fünf Grad Celsius Wärme. Drittens wird Strom aus Photovoltaikanlagen gewonnen.

Im Winter wird vorwiegend über die Erdsonden, die unter den Parkplätzen liegen, gearbeitet. Im Sommer und bei Temperaturen über fünf Grad Celsius wird über den Luft-Wärmetauscher warme Luft vorkonditioniert. Zudem wird im Sommer die warme Luft zur Regeneration der Erdwärmebohrungen genutzt, damit die Wärme im Winter wieder entzogen werden kann.