DHB-Schiedsrichter aus Pfullingen
: „Es jubelt selten jemand, wenn wir etwas gepfiffen haben“

HintergrundFelix Mayer pfeift für den VfL Pfullingen auf Zweitliga-Niveau. Doch wie ist es, Schiedsrichter zu sein, und wieso nimmt die Schärfe im Spiel auch im Handball zu?
Von
Larissa Renz
Metzingen
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Felix Mayer leidet leidenschaftlich gerne Handballspiele. Mit Teamkollege Fabian Foerster arbeitet er derzeit daran, bald auf höchstem nationalen Niveau im Einsatz zu sein.

Felix Mayer leitet seit 15 Jahren leidenschaftlich gerne Handballspiele. Mit Teamkollege Fabian Foerster arbeitet er derzeit daran, bald auf höchstem nationalen Niveau im Einsatz zu sein.

René Weiss
  • Felix Mayer pfeift seit 15 Jahren, Ziel: mit Fabian Foerster in die Bundesliga.
  • Druck steigt: schnellere Regeln, athletischere Spieler, mehr Action und Pfiffe im Fokus.
  • Heikle Szenen entscheiden Spiele: jüngst Siebenmeter bei Unentschieden in Mainz.
  • Stimmung: große Kulissen, in kleinen Hallen sind einzelne Rufe deutlicher hörbar.
  • Mehr Emotionalität: Publikum schließt sich schneller an; junge Referees gefordert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Wir können 60 Minuten ein Spiel super leiten und dann kommt ganz kurz vor Schluss eine Situation, die spielentscheidend ist und die unsere gute Leistung mit einem Pfiff kaputtmachen kann.“ Felix Mayer schüttelt mit leichtem Lächeln den Kopf. Erst vor Kurzem, bei einem Frauen-Handballspiel in Mainz, war es so gekommen: Bei Unentschieden hatte der gegen die Heimmannschaft gegebene Siebenmeter die Entscheidung gebracht. Keine angenehme Situation, wie er zugibt. Wie oft er diese oder ähnliche Situationen in den bald 15 Jahren, die er Schiedsrichter ist, schon erlebt hat, kann er nicht sagen. Dass er und sein Balinger Teamkollege Fabian Foerster auf dem Spielfeld nicht die Sympathieträger sein können oder müssen, ist er bereits gewohnt – und dennoch stellt er auf allen Ebenen Veränderungen fest, die es ihm und den anderen Spielleitern in Baden-Württemberg und Deutschland nicht zwingend einfacher machen.

Dauerbrenner und Emotionen

„Also prinzipiell sind die Regeln darauf aus, dass das Spiel attraktiver und schneller wird. Einiges, was früher noch gepfiffen wurde, wurde mittlerweile angepasst, weil das den Schwung aus dem Spiel nehmen würde“, legt er grundlegende Entwicklungen des Handballsports dar. Der Deutsche Handball-Bund (DHB) folgt hier den Empfehlungen der internationalen Dachverbände. Die Hintergründe verstehen Mayer und seine Kollegen, denn „Sport, hinter dem so große finanzielle Interessen stecken, muss auch unterhalten“. Unabhängig davon, ob nun junge Erwachsene in der Nachwuchs-Bundesliga oder im Profibereich, der Anspruch an alle Spielbeteiligten sei spürbar größer geworden. Ein Beispiel hierfür sei auch die körperliche Verfassung der Sportler. Diese habe im Vergleich zu vor zehn Jahren deutlich zugenommen, die Spielerinnen und Spieler seien merklich athletischer. Es fielen mehr Tore und es gebe mehr Action auf dem Feld.

Und in das Werturteil, ob ein Spiel nun gut war, fließt auch die Leistung der Schiedsrichter ein, wie Mayer festhält. Ein Druck, mit dem er in wechselnden Schiedsrichter-Duos,auch immer wieder aufs Neue umgehen können muss. „In den höheren Ligen ist das eine große, brüllende Kulisse. In den kleineren Hallen und unteren Ligen bekommt man einzelne Äußerungen klarer mit und wer sie schreit“, beschreibt er, wie sich die Stimmung auf ihn und den Partner auswirkt. „Und wir merken ja auch, wenn etwas kritisch war.“ Schnelle Sportart, viele Emotionen, ein an sich komplexes Regelwerk, an dem sich jährlich etwas tut. „Ich kann das schon auch verstehen, dass Zuschauer die Pfiffe nicht mehr so einfach nachvollziehen können. Manchmal ist es nur ein Fuß, der in dieser Saison im Vergleich zu der davor beim Anwerfen woanders stehen muss. Da geht es um Zentimeter“, so Mayer. Zudem gibt es Anpassungen, die sich schwer aus dem Sport heraus begründen lassen. Auch hierfür hat der erfahrene Schiedsrichter ein Beispiel zur Hand, nämlich die neuen Ausmaße der Coachingzone. Bis in die jüngste Vergangenheit reichte dieser Bereich bis zur Siebenmeterlinie, nun wurde sie um einen Meter verkürzt – auf die im Handball nicht relevante Achtmeterlinie, die in vielen Hallen eigens angebracht werden musste. „Es ist wirklich interessant, weil die Anzahl der Personen, die sich dort aufhalten dürfen, gewachsen ist. Es gibt jetzt eigentlich nicht mehr genug Platz für all die Leute“, führt Mayer mit Schmunzeln aus. Das Thema Schritte möchte der 30-Jährige gar nicht erst anschneiden,. „Das ist ein Dauerbrenner, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“

Wie leicht ist der gute Pfiff?

„Es jubelt selten jemand, wenn wir etwas gepfiffen haben“, sagt Mayer nachdenklich. Ihm macht das Pfeifen nach wie vor Freude, er will mit Kollege Foerster auch den Sprung in die Bundesliga schaffen – dass es aber schwerer wird, Schiedsrichter(-Duos) zu finden, ist ihm bekannt. Der Baden-Württembergische Handball-Verband (HVBW) begründete das gegenüber dieser Zeitung jüngst auch mit der Emotionalität und der Enthemmung, mit der Schiedsrichter sich zunehmend konfrontiert sehen. „Ich weiß nicht, ob ich sagen würde, dass das tatsächlich schlimmer geworden ist. Auffällige Leute im Publikum gab es immer. Da lohnt es sich, mal den Kinder- und Jugendbereich anzuschauen und wie es da zur Sache gehen kann“, setzt Mayer den Gedanken fort. „Ich glaube aber, dass sich Leute drumherum viel schneller anschließen, wenn es hitzig wird, und dann auch laut werden.“ Junge Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter hätten anfangs daher verständlicherweise daran zu nagen. Die Sprüche, die einem von den Rängen entgegenflögen, seien nicht persönlich, aber „auf keinen Fall, darf man sich alles gefallen lassen.“

Sich als Schiedsrichter über die eigenen Handlungen und Einflüsse auf das Spiel seine Gedanken zu machen und dazuzulernen, haben für Felix Mayer und Fabian Foerster ihren Reiz nicht verloren. Wie kann es nach einer zweifelhaften Entscheidung gelingen, trotzdem eine gute Spielleitung zu bringen? Wie können im Spiel überzogene Pfiffe korrigiert werden? „Für uns und die Spieler gibt es am Ende des Spiels, je nach Spielverlauf, auch immer einen Punkt, an dem wir sagen: Jetzt geht es um alles, um die Entscheidung“, sagt Mayer, „da gehen auch wir im Team dann auf die ganz sicheren Pfiffe.“