Deutschland – Italien U20 4:0: „Papa, du musst mich dann auf die Schultern nehmen“

Die vielen jungen Fußballfans, die ins Kreuzeichestadion gekommen waren, ließen es sich nicht nehmen und drängten sich spätestens nach Abpfiff bis ganz runter an das Geländer der Tribüne heran. Fleißg winkten und beklatschten sie die deutsche U20-Mannschaft auf ihrer Ehrenrunde durch das Stadion.
Joachim Baur- Deutschland besiegt Italien 4:0 im U20-Freundschaftsspiel in Reutlingen vor 6700 Zuschauern.
- Viele Kinder erlebten ihr erstes Länderspiel, die Stimmung war ausgelassen und familiär.
- Fans feierten die deutsche Mannschaft und Maskottchen „Paule“ bei der Ehrenrunde im Stadion.
- Letztes Länderspiel in Reutlingen war 2016 bei der U19-EM: Deutschland schlug Österreich 3:0.
- Persönliche Momente: Kinder in übergroßen Trikots und Familien genossen den besonderen Abend.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Mama, wann sind wir denn da?“, fragt ein kleiner Junge, in viel zu großem Deutschland-Trikot. Er ist längst nicht das einzige Kind, das sich in einem langen Strom an Menschen noch zum Stadion an der Kreuzeiche durchkämpfen muss – und sich fragt, wann es denn endlich richtig ernst wird. Neugierig recken einige von ihnen die Hälse, um einen ersten Blick auf die Spielstätte zu bekommen, andere bringen noch ihre Fanausstattung in Ordnung. Fahnen, Kappen, Schminke, alles muss passen. Darunter ist auch ein kleiner Italiener, der mit seiner älteren Schwester und dem Vater unterwegs ist. Er hantiert mit einem blauen Schal. „Mach keinen Knoten in deinen Schal, sonst kannst du ihn nachher nicht hochhalten, wenn die Hymne läuft“, sagt dieser. „Die beiden sind schon sehr aufgeregt. Es ist das erste Mal, dass sie Italien spielen sehen können“, sagt der 44-Jährige mit vorfreudigem Lächeln. Und da sind die beiden keine Ausnahme.
Die Jungen sorgen für die Stimmung
Für viele Familien ist es ein toller, spontaner und überraschend trockener Ausflug. „Wann haben wir denn mal die Chance, hier ein Länderspiel zu schauen?“, gibt eine junge Frau zu bedenken. Dieses Rätsel hatte auch ein Mann zum dreifachen Ticketkauf verleitet, der mit seinen beiden Söhnen im Teenager-Alter in Richtung Sitzplatz unterwegs ist. „Forza Italia, oder Jungs?“, ruft er und lacht schallend. „Aber Papa, wir sind doch Türken“, sagt einer der Beiden und wird rot. Heute sei das aber mal nicht so wichtig, sagt er, „das wollten wir nicht verpassen, auch wenn nicht unsere Nationalmannschaft spielt. Wir haben einfach Lust auf internationalen Fußball.“
Der regionale Länderspiel-Experte weiß, dass zuletzt 2016 ein Länderspiel in Reutlingen ausgetragen wurde. Am 17. Juli, also vor neun Jahren, hatten sich hier Österreich und Deutschland während der U19-Europameisterschaft gegenüber gestanden. Endstand im damaligen Gruppenspiel war ein 3:0 für die deutsche Mannschaft. Noch ein Mal öfter durften hingegen die Fans am Mittwochabend jubeln: Vier Mal hob Major Tom mitsamt den deutschen Fans im Kreuzeichestadion ab. Das weckte manchen jungen Fan unsanft laut wieder auf. Ein kleines Mädchen hatte es sich schon auf Papas Schoß bequem gemacht und kurz die Batterie aufladen müssen. „Das ist halt auch echt viel. Viele Menschen, viel Trubel, und das erste Mal live im Stadion, und da ist sie groggy“, sagt er.
Die älteren Kinder hingegen wagten sich an den einen oder anderen Anfeuerungs- und Sprechgesang heran, bejubelten die gelungenen Szenen der deutschen U20. Dass sie so ein gutes Spiel sehen konnten, tröstete auch manchen jungen Fan über die Tatsache hinweg, dass er an diesem Abend vergeblich auf Stars wie beispielsweise Florian Wirtz, Miroslav Klose, Thomas Müller oder Deniz Undav warten mussten – auch wenn die Namen vielversprechend auf einigen getragenen Trikots abgedruckt waren. „Dann muss er den Undav halt ein anderes Mal einwechseln“, empfiehlt ein kleiner Junge U20-Trainer Hannes Wolf aus der Ferne nach dem Abpfiff.
Ganz schnell ganz nah ran, das war dann das Motto der letzten Minuten im Spiel. „Papa, du musst mich dann aber auf die Schulter nehmen“, sagt ein Mädchen, „ich will die Spieler auch gern sehen.“ Gemeinsam mit dem Vater ist sie schon auf dem Weg nach unten Richtung Brüstung. Rechtzeitig zur angekündigten Ehrenrunde der Mannschaft und Maskottchen „Paule“ ein Mal durchs Stadion wollten alle dann gute Plätze haben. Dicht gedrängt verabschieden sie die siegreiche Mannschaft, bevor sie den langen Weg zurück zu den Autos antreten. Die Stimmung ist aber dann doch viel besser als noch auf dem Hinweg. „Das machen wir auf jeden Fall irgendwann nochmal“, sagt eine Mutter mit zufriedenem Lächeln, „bis dahin passt dir dann vielleicht auch dein Trikot, gell, Luki? Es musste alles eben sehr fix gehen und da haben wir nicht mehr die passende Größe gefunden“ und streicht dem, ebenfalls strahlenden, Jungen über den Kopf, dem das Trikot fast bis zu den Knien reicht.
Ein kurze Geschichte der Länderspiele
Seit der Gründung des Kreuzeichestadions vor 72 Jahren war die Spielstätte einige Mal Begegnungsort für verschiedene Nationalmannschaften in unterschiedlichen Wettwerben. Unter anderem wurden 2001 im Rahmen der Frauen-Europameisterschaft zwei Gruppenspiele in Reutlingen gespielt. Frankreich verlor gegen Dänemark mit 3:4, Norwegen und Italien trennten sich 1:1. Die deutschen Frauen hatten 2003 ein EM-Quali-Spiel gegen Portugal, das mit 13:0 für sich entschieden. 2008 bestritt die polnische Mannschaft zwei Freundschaftsspiele gegen Mazedonien und Albanien in Reutlingen. Und zuletzt die angesprochene U19-EM. Neben ihrem Spiel gegen die Deutschen begegneten die Österreicher auch den Italienern in der Heimspielstätte des SSV Reutlingen. Das EM-Gruppenspiel endete mit 1:1-Unentschieden.

