Familie saniert uraltes Haus
: „Es ist ein Mordsgefummel“

Die Familien Salzer und Ludwig aus dem Kreis Reutlingen arbeiten sich bei ihrem Projekt Stein für Stein am Mauerwerk aus dem Jahr 1550 entlang. Doch ein Detail könnte für Probleme sorgen.
Von
Evelyn Rupprecht
Neuhausen
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Familie Salzer

Bei der Denkmalsanierung helfen alle mit: Friedemann Salzer (mit Enkelin Elisa auf dem Arm), Tochter Leona und Schwiegersohn Matthias Ludwig lassen sich auch von der Sommerhitze nicht vom Arbeiten abhalten.

Thomas Kiehl
  • Familien Salzer und Ludwig sanieren seit 2021 ein denkmalgeschütztes Haus von 1550 in Neuhausen.
  • Ein Rundbogen von 1572 im Erdgeschoss steht zur Diskussion bei Denkmalschutzbehörden.
  • Die Sanierung erhält finanzielle Unterstützung vom Land.
  • Eigenleistung der Familie und Freunde ist beeindruckend, z.B. Dacharbeiten.
  • Geplante Fertigstellung der Außensanierung bis Jahresende.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Stein für Stein arbeiten sich Friedemann Salzer und Matthias Ludwig an der Mauer entlang  - und das bei 32 Grad im Schatten und vor den Augen des halben Dorfes.  Autofahrer, Radler, Fußgänger: Es gibt fast niemanden, der die beiden an diesem hitzigen Tag nicht bei ihrem Tun beobachtet. Dabei ist es nicht einmal so sehr der Kraftaufwand, der sie fordert. "Es ist einfach ein Mordsgefummel", erklären die beiden, die seit Jahresbeginn zusammen mit vielen Helfern und Handwerkern aus der Region die Fassade des Ein-Dach-Bauernhauses an der Uracher Straße 34 sanieren.

Die Kooperation mit den Denkmalschützern lief bislang gut

Eigentlich sind sie hier schon seit Anfang 2021 zugange, seit Salzer das uralte Gebäude für seine Tochter Leona und deren Familie gekauft hat. Doch erstmal stand der Innenbereich auf der To-do-Liste, damit das junge Paar samt Baby einziehen konnte. Jetzt folgt Schritt zwei des Umbaus eines einstigen Rossstalls zu einem Schmuckstück, das unter Denkmalschutz steht. Weshalb das Landesamt die Aktivitäten der Neuhäuser Familie auch mit Argusaugen beobachtet. "Bisher hat die Behörde uns große Zugeständnisse gemacht", hatte die Familie im vergangenen Jahr für die Beamten nur Lob übrig. Und auch jetzt sind sie rundum positiv gestimmt, wenn sie über die Kooperation mit den Denkmalschützern sprechen.

Passt der Bogen nicht zur Optik des Hauses?

Nur ein Detail bereitet den Salzers und Ludwigs Kopfzerbrechen. Denn der Rundbogen im Erdgeschoss, der aus dem Jahr 1572 stammt, ist den Tübinger Experten wohl ein Dorn im Auge. Schon der Vorgänger der Behördenvertreterin, die jetzt für das Haus in der Uracher Straße zuständig ist, hatte davon gesprochen, dass an der Stelle eine rechteckige Tür den Bogen ersetzen soll. "Sie sagen, dass die Rundung nicht zur Architektur passt, weil auch sonst alle Türen und Fenster eckig sind", berichtet die Neuhäuser Familie.

Dass die Denkmalschützer sich in der Sache Bedenkzeit ausgebeten haben, wertet Friedemann Salzer indes als gutes Zeichen. "Zumal wir für das Rundtor ja eine Baufreigabe haben". Wobei der großzügig geschnittene Bogen aus Sicht der Hausbesitzer nicht nur aus historischen Gründen ein wichtiges Element ist, das sie gern erhalten würden. "Das Tor ist einfach auch praktisch, weil viel durchpasst und wir so besser in den Keller kommen", ergänzt Salzers Tochter Leona.

Tatsächlich war der Keller durch den Rundbogen einst sogar noch besser zugänglich als jetzt. "Schlicht, weil die Straße vor dem Haus früher 70 Zentimeter tiefer gelegen war." Mit jeder Fahrbahnsanierung und jeder Erneuerung der Kanalisation wurde das Straßenniveau ein Stück angehoben. Was allerdings nicht das einzige ist, das sich an dem Gebäude und seinem Umfeld in den vergangenen Jahrhunderten geändert hat.

Denkmalsanierung Neuhausen

Der Rundbogen am Kellereingang stammt aus dem Jahr 1572.

Thomas Kiehl

Das Haus hat bereits mehrere Sanierungswellen hinter sich, haben die Gutachten, die die Familie in Auftrag gegeben hat, ans Tageslicht gebracht. Während das Erdgeschoss aus dem Jahr 1550 stammt, wird der Rest des Gebäudes auf 1738 datiert. Einst war das Ein-Dach-Bauernhaus der Rossstall des Klosters Zwiefalten und wäre es nicht unter Denkmalschutz gestellt worden, wäre es wohl in den 1990er Jahren ein Opfer der Abrissbagger geworden. So bekommt es nun, dank der Salzers und Ludwigs, eine neue Bestimmung und eine neue Zukunft, die finanziell vom Land unterstützt wird. Denn für den denkmalbedingten Mehraufwand an Kosten erhalten die Neuhäuser eine Förderung. Wobei die Eigenleistung, die die Familie in die Sanierung einbringt, beachtlich ist. "Zum Beispiel als wir das Dach abgedeckt haben, da haben uns 17 Freunde und Freundinnen geholfen. Es war an einem Samstagvormittag. Wir haben eine Menschenkette gebildet, die Platten vom Dach geholt, sie gesäubert und sie wieder oben angebracht", erzählt Friedemann Salzer.

"Es ist ein ganz anderes Wohn-Klima"

Bei der Fassade indes gilt es jetzt, den Zementputz herauszukratzen und sie später mit einer diffusionsoffenen Fixierung so zu bearbeiten, dass das Mauerwerk geschützt ist und dennoch weiter atmen kann.  Allerdings werden die Steine später nur auf Höhe des einstigen Rossstalls zu sehen sein, der Rest wird abgedeckt. "Wir arbeiten mit einer Dämmung aus reinem Holz und verwenden zudem einen mineralischen Putz", berichtet Friedemann Salzer, der hofft, dass die Außensanierung bis zum Jahresende abgeschlossen sein wird. "Denn mit der Förderung des Mehraufwands ist am 31. Dezember Schluss."

Und wie fühlen sich Matthias Ludwig, seiner Frau Leona und Töchterchen Elisa in ihrem neuen Zuhause, in das sie im vergangenen Dezember eingezogen sind? Offenbar sind sie bestens angekommen. "Es ist einfach toll. Wir haben vorher in einem modernen Mehrfamilienhaus gewohnt. Aber das hier jetzt mit den Lehmwänden und dem vielen Holz ist ein ganz anderes Wohn-Klima", sind sie begeistert von ihrem neuen Eigenheim, das demnächst sogar noch eine PV-Anlage aufs Dach bekommen soll. Denn gegen Fotovoltaik-Platten hat das Denkmalamt nichts einzuwenden. Sie komplettieren sozusagen die Sanierung mit all den nachhaltigen alten Materialien.