Demo gegen Rechts in Bad Urach: Gemeinsam für Demokratie, Vielfalt und Freiheit
„Es gibt keine einfachen und bequemen Lösungen für unsere gesellschaftlichen Probleme.“ Bürgermeister Elmar Rebmann spricht Klartext mit den gut 300 Teilnehmern der Demo gegen Rechts, die sich auf dem Marktplatz eingefunden haben. Das von Correctiv im November aufgedeckte Geheimtreffen von Rechtsextremen mache ihm nicht nur Angst, es mache ihn auch zornig. Demokratie, Vielfalt und Kompromisse, dafür muss man einstehen – gerade in den unsicheren Zeiten, in denen sich die Gesellschaft wiederfindet. Die Unsicherheit, so Rebmann, machen sich extreme Gruppen zunutze. Das Zeichen, das Bad Urach setzt, „das tut gut“, sagt Rebmann, der Mut machen möchte. Ohne eine starke, offene und respektvolle Gesellschaft würde Deutschland, und alles, was es besonders macht, verloren gehen. Kompromisse finden, die von der Mehrheit getragen werden, aber Minderheiten keine Angst machen, das ist aufwendig, aber das sei der einzig richtige Weg. „Wir müssen uns gegen den Hass stellen, in unserem Denken, und unseren Worten und in unserem alltäglichen Tun.“
Jede und jeder macht unsere Demokratie stark
Und mehr noch: Thomas Stäbler von der Bruderhaus-Diakonie und Hermann Kiefer, Geschäftsführer von Isatis Montana aus Hengen, machen deutlich, wie sehr Menschen mit Migrationshintergrund Aufgaben von großer, gesellschaftlicher Relevanz übernehmen. Bei Isatis Montana bekommen sie eine Ausbildung, übernehmen wichtige Führungspositionen – sie bauen sich hier Existenzen und eine Zukunft auf. Für Hermann Kiefer arbeiten Menschen aus zehn Nationen. „Ich könnte morgen schließen, wenn diese Mitarbeiter wegfallen“, schließt er seinen Vortrag.
In der Bruderhaus-Diakonie sind sogar 16 verschiedene Nationen tätig. „Sie geben unseren Alten ihre Würde zurück. Ihr Respekt vor der Lebensleistung lässt mich für meine Zukunft hoffen“, erklärt Thomas Stäbler und verweist auf den demografischen Wandel als Herausforderung. „Wir können etwas von ihren Werten lernen“. Nicht nur am Arbeitsmarkt hinterlassen sie ihre Spuren, jede und jeder bereichert durch seine Individualität und durch ihr Potenzial die Gesellschaft im Ganzen.
Die Würde des Menschen ist unantastbar
Besonders persönlich wird dann die Rede von Ruben Stapelbroeck. Der gebürtige Niederländer erzählt von seinem Werdegang. Sein Erasmus-Studium und seine Reisefreudigkeit haben ihn die Welt erkunden lassen. Er habe sich im Ausland in seine jetzige Frau verliebt, eine Schwäbin.
Die eigene Familie hatte noch unter NS-Zeit gelitten – die Oma musste damals Leichen von der Straße räumen. „Aber wissen Sie was? Sie hat meine deutsche Freundin umarmt“, erzählt Stapelbroeck. Wenn Rechtsextreme offen von „Remigration“ sprechen, dann müsse auch er gehen. „Ich bin genauso Ausländer wie alle anderen“, fasst er seine Sorgen zusammen. Er habe in Kappishäusern zusammen mit Frau und vier Kindern sein Zuhause.
Genau hinhören und nicht zurückweichen
Vor verniedlichendem Vokabular warnte abschließend auch Cem Özdemir, der ein Grußwort nach Bad Urach schickte, das verlesen wurde. „Harmlos klingende Worte können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie uns alle meinen“, so Özdemir. Er halte sich derzeit in Polen auf, wo langsam die Spuren der autokratischen Regierung vergangener Jahre verschwinden. Auch hier haben sich Angriffe auf die freiheitliche Grundordnung hinter bürokratischen Begriffen versteckt.
Eine Demokratie erträgt, oder vielmehr lebt von interner Vielfalt, daher sei jede Art von Gewalt abzulehnen. Wolfgang Brucker, einer der privaten Organisatoren neben Uthe Scheckel und Kirsten Oechsner, verkündete, dass es langfristig in Bad Urach ein Engagement geben soll. Geplant ist ein Bündnis, das regelmäßig Aktionen und Aufklärung rund um demokratische Themen anbieten will und sich auch zu der Erklärung des Gemeindetags Baden-Württemberg bekennt. Wie es schon das Bad Uracher Motto zur Demo versprochen hatte: „Wir müssen dranbleiben. Morgen wieder, übermorgen noch einmal und überübermorgen erst recht.“
Zur Erklärung des Gemeinderats
Die gesamte Erklärung, teilnehmende Organisationen und weitere geplante Veranstaltungen können unter folgendem Link, https://www.gemeindetag-bw.de/content/%E2%80%9Eb%C3%BCndnis-f%C3%BCr-demokratie-und-menschenrechte%E2%80%9C, abgerufen werden.









