Cyberattacke auf die Gemeinde Hülben
: Das bedeutet der Ausfall für Verwaltung und Bürger

Seit vergangenen Mittwoch ist die Verwaltung offline. Jetzt gibt sie Antworten auf die drängendsten Fragen. Wann die Arbeit wieder aufgenommen wird und wer dahintersteckt, ist noch nicht klar.
Von
swp
Hülben
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Nichts geht mehr aktuell im Hülbener Rathaus. Die „Aufräumarbeiten“ laufen auf Hochtouren.

Michael Koch

Seit Mittwochnachmittag ist die Erreichbarkeit der Gemeinde Hülben in Folge eines Cybersicherheitsvorfalls stark eingeschränkt. Mit einer langen Mitteilung richtet sich die Gemeinde nun an ihre Bürger.

Was ist passiert?

Am Mittwoch, 14. Juni, kam es erstmals zu technischen Problemen. Die Verwaltung Hülben war deshalb weder telefonisch noch per Mail zu erreichen. Es wurden sofort externe IT-Experten hinzugezogen und Gegenmaßnahmen eingeleitet.

War es ein Cyber-Angriff?

Am Donnerstag, 15. Juni, bestätigten Cybersicherheitsexperten, dass es sich um einen Cybersicherheitsvorfall handelt.

Welche Arbeit können im Rathaus noch geleistet werden?

Aus Sicherheitsgründen wurden die IT-Systeme der Verwaltung heruntergefahren. Weder die Computer noch die Telefonanlage der Verwaltung können seither genutzt werden. Die Einrichtungen der Gemeinde außerhalb des Rathauses (Bauhof, Schule, Mensa, Kinderbetreuung) funktionieren hingegen nahezu ohne Einschränkungen. Die Mitarbeiter außerhalb der Verwaltung sind wie gewohnt erreichbar.

Kann die Verwaltung noch arbeiten?

Die Verwaltung ist für die tägliche Arbeit insbesondere auf die an den Server angeschlossenen Computer angewiesen. Da auf diese momentan nicht zugegriffen werden kann, ist die Bearbeitung vieler Aufgaben nur sehr eingeschränkt möglich. Derzeit werden Ersatzprozesse erarbeitet.

Können Termine, die im Online-Buchungssystemen vereinbart wurden, wahrgenommen werden?

Die bereits gebuchten Termine der nächsten zwei Wochen wurden per E-Mail abgesagt. Neue Termine können innerhalb dieses Zeitraumes nicht gebucht werden.

Gibt es Notfall- oder Ausweichsysteme?

In absoluten Notfällen können einige Dienstleistungen dank der Unterstützung der Nachbargemeinde Grabenstetten angeboten werden. Bitte setzen Sie sich hierfür mit uns in Verbindung. Die Kontaktdaten finden Sie im nächsten Abschnitt.

Wie ist die Verwaltung erreichbar?

Das Rathaus bleibt bis auf Weiteres geschlossen. In Notfällen ist die Verwaltung telefonisch unter (01 73) 891 43 97 oder per Mail unter gemeinde.huelben@web.de erreichbar. Sensible Personendaten sollten über diese Adresse allerdings nicht übermittelt werden.

Wie lange werden die Einschränkungen anhalten?

Zum aktuellen Zeitpunkt ist noch nicht absehbar, wie lange die Arbeit der Verwaltung beeinträchtigt sein wird. Sicher ist, dass die IT-Systeme in jedem Fall noch bis 22. Juni nicht wieder in Betrieb genommen werden können.

Wie lange rechnet man mit Beeinträchtigungen?

Momentan kann man noch nicht sagen, ab wann der Normalbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Sobald dies klar ist, wird die Öffentlichkeit informiert

Ist die Polizei eingeschaltet?

Ja, es wurde umgehend Anzeige bei der Zentralen Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) der Polizei Baden-Württemberg erstattet. Hierüber besteht auch Kontakt zum Polizeipräsidium Reutlingen. Die ZAC sind eng miteinander vernetzte, polizeiliche Kontaktstellen des Bundes und der Länder, die für die Wirtschaft und andere öffentliche und nicht-öffentlichen Stellen eingerichtet worden sind, um als kompetenter Ansprechpartner IT-Sicherheitsvorfälle aus den Bereichen entgegenzunehmen und zeitnah polizeiliche Erstmaßnahmen zu veranlassen. Die ZAC-Dienststellen initiieren, koordinieren und beteiligen sich an vielfältigen Cybercrime-Kooperationen mit anderen Behörden, der Wirtschaft, der Wissenschaft auf landes-, bundes- sowie internationaler Ebene.

Weiß man schon etwas über die Angreifer oder wie die Angreifer vorgegangen sind?

Die Kriminalpolizeidirektion Esslingen hat die Ermittlungen übernommen. Die zuständige Staatsanwaltschaft ist Tübingen. Zum jetzigen Zeitpunkt können aufgrund des laufenden Verfahrens keine näheren Auskünfte gegeben werden.

Gab es eine Lösegeldforderung?

Nein, bis heute gingen keine Lösegeldforderungen ein.

Sind Daten abgeflossen und wurden im Darknet veröffentlicht?

Ob und in welcher Form Daten abgeflossen sind, ist Gegenstand der momentanen intensiven forensischen Untersuchungen. Zum jetzigen Stand der Untersuchung kann noch keine finale Aussage getroffen werden, ob Daten erbeutet wurden und auf welche Bereiche gegebenenfalls Zugriff bestand.

Werden betroffene Bürgerinnen und Bürger bei der Veröffentlichung von sensiblen Daten kontaktiert?

Sofern sich herausstellt, dass ein Datenabfluss vorliegt, wird die Gemeindeverwaltung dies entsprechend kommunizieren und die Betroffenen benachrichtigen.

Wurde der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationssicherheit einbezogen?

Ja, der Beauftragte für den Datenschutz und die Informationssicherheit wurde informiert. Auch der Datenschutzbeauftrage der Gemeinde Hülben ist über den Vorfall informiert.

Welche Rolle spielt die CSBW?

Hülben hat die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg (CSBW) umgehend über den Vorfall informiert. Diese hat daraufhin ihre Expertise angeboten und unterstützt mit allen erforderlichen Ressourcen. Unter anderem wurde noch am Mittwoch, 14. Juni, ein mobiles Incident-Response-Team (MIRT) entsandt, um bei der Untersuchung der Auffälligkeiten zu unterstützen. Zudem unterstützt die CSBW bei der Vorfallsteuerung und Kommunikation.