Bahnstrecke Tübingen–Stuttgart: Pendler können auf pünktlichere Züge hoffen

Pendler aus Metzingen und der gesamten Region sollen bald wieder zuverlässiger und pünktlicher ans Ziel kommen.
Thomas Kiehl- Ab 14. Juni soll „überschlagende Wende“ in Tübingen Pünktlichkeit verbessern.
- Züge bleiben bis zur nächsten Stunde am Bahnsteig, Verspätungen werden abgebaut.
- 2026 modernisiert DB InfraGO weiter die Infrastruktur; Baustellen bleiben hoch.
- Weitere Blockverdichtung Reutlingen–Tübingen ist im kommenden Jahr geplant.
- Fahrgastzahlen pro Tag: MEX 27.750, RE 5.563, RB 8.433; 60 Fahrzeuge benötigt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Für alle Pendler und Reisende, die im Ermstal und auf der Strecke Tübingen-Stuttgart unterwegs sind, gibt es positive Nachrichten. Die Deutsche Bahn und das Land haben in den vergangenen Wochen gemeinsam nach einer Lösung gesucht, die sicherstellen soll, dass die Züge wieder zuverlässiger fahren, wie eine Sprecherin der Bahn gegenüber der SÜDWEST PRESSE erklärte. Um dies zu erreichen, solle zum sogenannten kleinen Fahrplanwechsel am 14. Juni dieses Jahres der Zugverkehr mit einer sogenannten überschlagenden Wende in Tübingen „deutlich stabiler und auch pünktlicher“ werden. Das heißt, in der Unistadt stehen künftig Züge bereit, die im Fall von Verspätungen schnell einsetzbar sind, damit die Fahrgäste in Tübingen pünktlich starten können, erläutert die Bahnsprecherin.
„Was einfach klingt, musste aufwendig geprüft werden“, betont sie. Zum einen habe die DB InfraGO klären müssen, ob für diese Lösung überhaupt genügend Gleise am Hauptbahnhof der Unistadt bereitstehen. Aufgabe der DB Regio und des Verkehrsministeriums sei es gewesen, die Zahl der benötigten Fahrzeuge zu ermitteln und zu prüfen, ob die Fahrpläne angepasst werden müssen. „Nur, wenn die aus Stuttgart kommenden Züge bis zur nächsten Zugfahrt in der darauffolgenden Stunde am Bahnsteig stehenbleiben können, ergibt sich ein positiver Effekt für die Fahrgäste.“ Weil dann eine möglicherweise aus der Landeshauptstadt mitgebrachte Verspätung durch die geplante Standzeit am Bahnsteig in Tübingen abgebaut und die darauffolgende Zugfahrt pünktlich starten könne. „Jetzt werden die weiteren Details zu Fahrzeiten und Fahrzeugumläufen erarbeitet“, so die Deutsche Bahn.
Mehr Züge zwischen Reutlingen und Tübingen
Perspektivisch sei zudem im kommenden Jahr eine weitere Blockverdichtung zwischen Reutlingen und Tübingen geplant. Dadurch können dort pro Stunde mehr Züge fahren, womit die Leistungsfähigkeit erhöht wird. Eine solche Blockverdichtung habe die Bahn bereits 2025 auf dem Abschnitt zwischen Metzingen und Nürtingen installiert und damit in die Infrastruktur der Strecke investiert. Das trage zu einem stabilisierten Zugverkehr, insbesondere bei Störungen beziehungsweise Verspätungen, bei. Überdies sei zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember vergangenen Jahres das neue elektronische Stellwerk in Metzingen in Betrieb gegangen. „Die neue Technik ist weniger störanfällig und sorgt damit ebenfalls für einen stabileren Zugverkehr.“
Anspruch der Deutschen Bahn sei es, Störungen an den Anlagen schnellstmöglich zu beseitigen. Ein gutes Beispiel dafür sei ein defektes Signal im Bahnhof Tübingen, das Ende 2025 öfter für Probleme gesorgt habe. Die DB InfraGO habe unmittelbar noch am 30. Dezember vergangenen Jahres verschiedene Bestandteile der Anlage getauscht, „seither sind keine weiteren Störungen aufgetreten“.
Verbesserungen für Pendler
Landesverkehrsminister Winfried Hermannn (Grüne) betont mit Blick auf die anstehenden Verbesserungen, es habe viele negative Rückmeldungen zum Verkehr zwischen Tübingen und Stuttgart gegeben, darunter seien indessen auch konstruktive Vorschläge gewesen. Die schwierigen Bedingungen am Bahnknoten Stuttgart, die zahlreichen Baustellen und die starke Auslastung der Strecke überforderten das System und seien die wesentlichen Gründe für Zugausfälle und Verspätungen. „Mit der neuen überschlagenden Wende in Tübingen und stabileren Abläufen sorgen wir dafür, dass Züge spätestens ab Sommer wieder zuverlässiger fahren und Anschlüsse besser funktionieren“, erklärt Hermann. „Der Bahnverkehr muss für die täglichen Pendlerinnen und Pendler wieder planbar werden.“ Markus Kaupper, Vorsitzender der Regionalleitung DB Regio Baden-Württemberg, betont: „Die überschlagende Wende in Tübingen wird entscheidend zur Verbesserung der Pünktlichkeit auf der Strecke zwischen Tübingen und Stuttgart beitragen.“
Generell, so die Deutsche Bahn, zähle die Strecke zwischen Tübingen und Stuttgart zu einer der am stärksten befahrenen Strecken in Baden-Württemberg. „Die Fahrpläne mit der hohen Zugdichte sind leider entsprechend anfällig für Störungen.“ Die Pünktlichkeit auf der Strecke werde maßgeblich von der Baustellensituation beeinflusst. „DB InfraGO modernisiert 2026 weiter mit aller Kraft die Infrastruktur für mehr Qualität und höhere Leistungsfähigkeit“, betont die Bahn. Ziel sei es, den Zustand von Gleisen, Weichen und Anlagen zu stabilisieren und Schritt für Schritt nachhaltig zu verbessern. Die Zahl der Bauarbeiten im Schienennetz und an den Stationen bleibe daher auch in nächster Zeit weiterhin hoch.
Stuttgart 21 und die vielen Baustellen
Darüber hinaus baue die Deutsche Bahn in Stuttgart einen Hauptbahnhof komplett unter laufendem Betrieb neu und schließe diesen an die bestehenden Zulaufstrecken an. „Alle Verbindungen zur vorhandenen Infrastruktur müssten getrennt und wieder neu verbunden werden. Zusätzlich rüste die DB den gesamten Bahnknoten für das bundesweite Pilotprojekt Digitaler Knoten Stuttgart mit einer neuen Generation der Leit- und Sicherungstechnik aus. Gleichzeitig integriere die DB für einen zuverlässigen Bahnverkehr in der Region Sicherungsmaßnahmen an den bestehenden Strecken in den Bauablauf. „Die Inbetriebnahme des neuen Stuttgarter Eisenbahnknotens ist deshalb die komplexeste der vergangenen Jahrzehnte.“
Die nie dagewesene Vielschichtigkeit an baulichen und betrieblichen Herausforderungen bis zur Inbetriebnahme von Stuttgart 21 erfordere umfangreiche Sperrungen, teilweise auch kurzfristig. Das wirke sich auch auf die Fahrgäste aus. Von allen Mitarbeitenden verlange es enorme Anstrengungen, die Einschränkungen für die Reisenden so gering wie möglich zu halten. „Die Bahn setzt alles daran, dass ihre Fahrgäste im Alltag gut informiert sind und auch zuverlässig ans Ziel kommen.“ Die Einschränkungen für die Reisenden bedauere die DB ausdrücklich.
Fahrgastzahlen und aktuelle Fahrzeugsituation auf der Strecke Tübingen-Stuttgart
Die DB hat die Fahrgastzahlen von Montag bis Freitag (Schulzeit) der Linien MEX 12/18, RE 6 und die RB 63 ausgewertet, die auf der Neckar-Alb-Bahn unterwegs sind. Die restlichen MEX-Verkehre zwischen Stuttgart und Plochingen sind nicht berücksichtigt. Insgesamt wurden auf der Strecke 760 im Fahrplanjahr 2025 in den MEX-Zügen 27.750 Einsteiger gezählt, beim Regionalexpress waren es 5563, bei der Regionalbahn 8433 pro Tag.
Für das fahrplanmäßige Angebot benötigt die DB nach eigenen Angaben 60 Fahrzeuge täglich inklusive Reserve. „Dabei ist zu beachten, dass die Fahrzeuge nicht nur zwischen Tübingen und Stuttgart, sondern in sogenannten Umläufen (auch nach Pforzheim) unterwegs sind.“ Hauptpunkte, warum zum Teil nicht ausreichend Fahrzeuge zur Verfügung stehen, seien aktuell die aufwendige Umrüstung auf ETCS, also auf das einheitliche europäische Zugbeeinflussungs- und Zugsicherungssystem, die erschwerte Erreichbarkeit der Werkstatt in Ulm (aufgrund städtischer Baumaßnahmen an der Brücke Wallstraße) und eine erhöhte Anfälligkeit bei Minusgraden der Talent-Fahrzeuge, die vom Land als Ersatz für die ETCS-Umrüstung bereitgestellt werden.
„Unsere Mitarbeitenden arbeiten mit Hochdruck in den Werkstätten daran, zusätzlich zu den regelmäßigen Inspektionen die kurzfristig auftretenden Störungen schnellstmöglich zu beheben. Weitere Fahrzeuge aus anderen Regionen würden leider vor dem Hintergrund der verfügbaren Werkstattkapazitäten nicht die gewünschte Entspannung bringen“, teilt die Bahn weiter mit.


