Tante-M-Läden in Baden-Württemberg: Vorerst bleibt alles, wie es ist – dennoch ist der aktuelle Zustand keine Lösung

Der Tante-M-Laden in Glems: Alles bleibt wie gehabt.
Evelyn Rupprecht- Die Tante-M-Läden, gegründet von Christian Maresch, sind Smart Stores, die 24/7 geöffnet haben.
- In Baden-Württemberg gibt es 49 dieser Läden, bundesweit insgesamt 68.
- Ministerpräsident Kretschmann hat eine Änderung des Ladenöffnungsgesetzes vorerst gestoppt.
- Maresch fordert jedoch langfristige Rechtssicherheit für die in einer Grauzone operierenden Läden.
- Sonn- und Feiertage sind für das Überleben des Tante-M-Konzepts wirtschaftlich essenziell.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das baden-württembergische Ladenöffnungsgesetz (LadÖG) ist in die Jahre gekommen und sollte dieser Tage geändert werden, was Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) aber von der Tagesordnung der Kabinetts-Sitzung gestrichen hat. In der Folge ging die Angst um, die sogenannten Smart Stores, also Läden ohne Personal, die an sieben Tagen pro Woche 24 Stunden geöffnet haben, stünden vor dem Aus. Bekannt sind diese Geschäfte in der Region vor allem unter der Bezeichnung „Tante-M-Läden“.
Deren Gründer, Christian Maresch, macht sich keine Sorgen. Er war der Erste, der vor sechs Jahren in Grafenberg diese Idee marktreif gemacht und einen ersten dieser Läden eröffnet hat. Seine Tante-M-Läden, davon gibt es inzwischen bundesweit 68, allein 49 in Baden-Württemberg, sind rund um die Uhr geöffnet, an 365 Tagen im Jahr.
Vorerst wird sich daran auch nichts ändern, sagt er, denn Kretschmann hat ja eine mögliche Änderung des Ladenöffnungsgesetzes vom Tisch genommen.
Bislang eine Grauzone
Aber auf Dauer, sagt Maresch, „ist der aktuelle Zustand keine Lösung“. Diese Smart Stores werden im bisherigen Gesetz gar nicht erwähnt, die Tante-M-Läden operieren in einer juristischen Grauzone, und das wiederum macht auch Christian Maresch nachdenklich. Aus Grauzonen heraus lasse sich für ein Geschäftsmodell nur schwerlich eine mittel- bis langfristig angelegte Strategie entwickeln: „Wir brauchen unbedingt Rechtssicherheit“, verlangt Maresch.
Welche Bedeutung insbesondere Sonn- und Feiertage für die Smart Stores haben, verdeutlicht Maresch, wenn er sagt, dass diese Tage für die Tante-M-Läden nicht nur „ein tolles, zusätzliches Geschäft“ sind, mehr noch: „Sie sind essenziell, nur durch diesen überlebenswichtigen Mehrumsatz kann das System Tante M funktionieren.“
Der lange Samstag
Im Jahr 2007 hat das Ladenöffnungsgesetz des Landes Baden-Württemberg (LadÖG) das bis dahin länderübergreifende Bundes-Ladenschlussgesetz (LadSchlG) ersetzt, das damals schon betagt war. Es stammte aus dem Jahr 1956 und sorgte für entspannte Samstagnachmittage in Deutschlands Innenstädten: In der Regel schlossen die Läden um 13 Uhr, aus den Straßen verschwand der Verkehr, Ruhe herrschte in den Hütten, bis man sich um 15.30 Uhr am Radio traf, um Bundesliga zu hören. Ein Mal im Monat gab es den langen Samstag. Die Läden schlossen erst um 18 Uhr, das Gerenne dauerte länger, aber für Berufstätige war das ein Segen, und die vier Adventssamstage waren, jedenfalls gegen Ende dieser Regelung, ebenfalls lang.
Das Konzept der Tante-M-Läden hat Christian Maresch vor sechs Jahren in Deutschland eingeführt. Sein erster Laden öffnete in Grafenberg. Den gibt es inzwischen nicht mehr. Deutschlandweit gibt es 68 Tante-M-Läden, in Baden-Württemberg sind es 49 Läden.
Die noch anstehende politische Diskussion wird nicht grundsätzlich die Tante-M-Läden infrage stellen. Es wird vielmehr um den Umfang der Öffnungszeiten gehen, sagt Maresch und betont: „Wir wollen keine Einschränkungen.“ Ihm schwebt die bayerische Lösung vor, demnach könnten seine Läden rund ums Jahr 24 Stunden geöffnet haben, auch an Sonn- und Feiertagen, mit lediglich einer Ausnahme: Am Karfreitag ist geschlossen.
Wichtig ist ihm, dass es eine einfache Regelung gibt, kein mit Anträgen und Ausnahmen durchtränktes Bürokratiemonster: „Das wäre völlig kontraproduktiv.“ Die bayerische Lösung hätte für ihn noch einen Vorteil: Es gäbe dadurch in Grenznähe einheitliche Regelungen.
In den Tante-M-Läden der Region wird sich also vorerst gar nichts ändern, „unsere Kunden sollten sich nicht durch die Schlagzeilen der vergangenen Tage verunsichern lassen“, sagt der Erfinder dieses Konzepts. Zumal es in der Parteienlandschaft überwiegend Zuspruch gibt, sagt er. Lediglich die sogenannte „Allianz des freien Sonntags“, ein Zusammenschluss von Kirchen, Gewerkschaften und Familienverbänden, sähe das Tante-M-Konzept kritisch. „Aber wir sind im intensiven Austausch“, so Maresch. Eine Konkurrenz zu Supermärkten seien seine Läden ohnehin nicht, insofern übt sein Konzept auch keinen Druck auf diese mit Wirkung auf deren Verkaufspersonal aus. Nur wegen der Tante-M-Läden werden Supermarktketten ihre Öffnungszeiten nicht ausweiten wollen: „Zumal sie aufgrund des Personalmangels eher Öffnungszeiten reduzieren“, wie Maresch beobachtet haben möchte. „Wir ergänzen einander, und das soll auch künftig der Fall sein.“

