Vorsicht beim Weihnachtsgeschenk!
: Warum selbst Fahrradhelme und Turnschuhe Großbrände verursachen können

Falsch entsorgte Akkus können fatale Folgen haben – so wie im Juni in Metzingen, als bei der Firma Alba ein Großbrand ausgebrochen ist. Was man deshalb beim Geschenk-Kauf beachten sollte.
Von
Evelyn Rupprecht
Metzingen
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Brand im Metzinger Gewerbegebiet: Bei der Firma Alba sind Papierpaletten in Brand geraten.

Der Brandverlauf beim Alba-Großfeuer in Metzingen im vergangenen Juni lässt keinen anderen Rückschluss zu: Schuld war ein falsch entsorgter Akku.

Archiv/Thomas Kiehl
  • Ein falsch entsorgter Akku löste im Juni in Metzingen einen Großbrand bei Alba aus – fünf Verletzte.
  • Alba meldet täglich 30 Brände in deutschen Recyclinghöfen durch falsch entsorgte Akkus.
  • Lithium-Ionen-Batterien in Geschenken wie Leuchtschuhen oder Helmen können große Brände verursachen.
  • E-Schrott gehört zum Wertstoffhof – Infos zu Recyclingstellen auf der Website des BDE verfügbar.
  • Alba warnt: Nur Geschenke kaufen, bei denen Akkus austauschbar oder entfernbar sind.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Flammen waren noch in den Nachbarorten zu sehen, der Rauch noch Dutzende Kilometer entfernt auf der Alb zu riechen: Das Feuer, das am Nachmittag des 25. Juni auf dem Alba-Gelände in Metzingen ausgebrochen ist, forderte von den Einsatzkräften alles. Fünf Feuerwehrleute wurden verletzt, weil sich beim Brand von 350 Papierballen im Nu Temperaturen von gut 1000 Grad entwickelt hatten. Bereits kurz darauf stand fest, dass der Auslöser ein Akku war. „Der Brandverlauf lässt keinen anderen Rückschluss zu“, sagt Dr. Jens Thieme, der Leiter der Alba-Unternehmenskommunikation.

Die Tatsache, dass viele Menschen Batterien und Akkus nicht richtig entsorgen, bereitet der Abfallwirtschaft offenbar enorme Probleme. Von 30 Bränden bei deutschen Recyclinghöfen pro Tag spricht Thieme, der gerade jetzt, in der Vorweihnachtszeit, an die Menschen appelliert, sich ganz genau zu überlegen, was sie verschenken wollen. Oder was sie nach den Festtagen in den Müll werfen.

Restenergie in der Batterie kann Schlimmes anrichten

Der blinkende Kinderturnschuh, der Fahrradhelm mit Strahler, die Musik-Grußkarte oder das beleuchtete Billigspielzeug: Sie alle dürften an Weihnachten auf den Gabentischen landen und sind perfekte Beispiele dafür, welche Dinge später, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, auf keinen Fall über die haushaltsüblichen Sammelsysteme entsorgt werden sollten. Selbst das bisschen Restenergie, das in den Lithium-Ionen-Batterien und -Akkus dann noch steckt, kann Großbrände auslösen, weil die Temperaturen, die bei der Verarbeitung von Müll entstehen, unglaublich hoch sind. Bisweilen, so Thieme, reicht es sogar, wenn ein Radlader über eine Batterie fährt.

Vor allem Einmal-E-Zigaretten können für Recyclinghöfe brandgefährlich werden – und das, obwohl sie oft gar nicht zu Hause im Abfall landen. „Die Leute werfen ihre Vapes meist irgendwo in der Stadt weg“, hat der Alba-Pressesprecher schon beobachtet. Sie landen im Papierkorb am Imbiss-Stand oder im Behälter an einer Parkbank. Von dort gelangen die E-Zigaretten mit den Mini-Akkus dann zu Entsorgungsunternehmen wie Alba und können immensen Schaden anrichten.

Letztlich sind all die Geschenke wie die Kinderschuhe mit Leuchtbändern oder der Radhelm mit Lampe nichts anderes als Elektro-Schrott, wenn sich die Akkus und Batterien nicht ausbauen lassen. Weshalb Thieme dazu rät, Dinge zu kaufen, bei denen die Akkus sich irgendwie entfernen lassen. „Im Optimalfall sind sie austauschbar“, sagt er. Was wiederum eine Preisfrage ist. Denn je nachhaltiger und länger funktionstüchtig die Produkte, in diesem Fall die Weihnachtsgeschenke, sind, umso teurer sind sie meist auch. Bei klassischen Einmal-Produkten wie Musik-Grußkarten hilft Thiemes Ratschlag indes nicht viel. Das Tückische an ihnen ist nicht nur die Tatsache, dass ihre Batterien nicht getauscht werden können, „sondern, dass man ihnen die Technik, die drin steckt, nicht ansieht“. Weshalb den wenigsten Leuten bewusst sein dürfte, was sie da ins Altpapier oder den Hausmüll schmeißen.

Auf dem Wertstoffhof gut aufgehoben

Das Problem sind manchmal auch gar nicht die Geschenke selbst. „Oft ist es ja so, dass man etwas Altes nicht mehr braucht, wenn man etwas Neues bekommen hat“, weiß der Alba-Sprecher. Aber wohin mit all dem, was man nicht mehr haben möchte? E-Schrott sollte zum Wertstoffhof gebracht werden, rät er. Allerdings könne man derlei Abfall auch bei Elektronik-Märkten oder bei größeren Supermärkten abgeben. Wo genau die Dinge samt den Lithium-Ionen-Batterien angenommen werden, lässt sich auf der Homepage des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft nachlesen. Dort sind Downloads und Links zum Thema Recycling zu finden. Und dort gibt’s auch Infos zu den Folgen, die Fehler beim Entsorgen haben können.

„Die Sachschäden, die falsch entsorgte Batterien und Akkus verursachen, sind schon jetzt gravierend und für die Mitarbeiter der Entsorgungswirtschaft potenziell lebensgefährlich“, heißt es vonseiten des BDE. Die Brände in Sortieranlagen, auf Betriebshöfen oder in Müllfahrzeugen seien zur regelrechten Plage der Entsorgungswirtschaft in Deutschland geworden. Um besser auf die akute Problemlage mit Batteriebränden reagieren zu können, habe der BDE einen Ad-Hoc-Arbeitskreis Batteriebrände und Versicherungsschutz ins Leben gerufen. „In diesem engagieren sich zahlreiche betroffene Mitgliedsunternehmen, um gemeinsam Lösungen bei der Prävention von Bränden und dem Brandschutz zu entwickeln.“

Denn eine der Konsequenzen der häufigen Großfeuer sei, so Alba-Sprecher Thieme, „dass unsere Anlagen fast nicht mehr versicherbar sind“. Was bedeutet, dass die Kosten anderweitig kompensiert werden müssen – und die Müllgebühren, die jeder einzelne Bürger zahlen muss, steigen könnten.

Ist das Geschenk „Made for Recycling“?

Ob die Zahl der Brände nach Weihnachten tatsächlich zunimmt, kann indes auch Thieme nicht sagen. Wenn, dann würden die fehlgeleiteten Akkus ja auch erst mit Verzögerung bei den Entsorgungsunternehmen landen. Trotzdem legt der Alba-Sprecher gerade jetzt in der Weihnachtszeit allen Menschen eines ans Herz: „Wenn Sie ein Geschenk kaufen, dann überlegen Sie, ob es Made for Recycling ist.“ Damit ein Großbrand wie der im vergangenen Juni in Metzingen sich nicht wiederholt.