750 Jahre Gächingen
: Historische Entdeckungstour für Jung und Alt

Der Albverein lud zu einer Themenwanderung ein, die durch die Dorfgeschichte führte und einige interessante Erkenntnisse mit sich brachte.
Von
Karolin Müller
Gächingen
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Joachim Wilhelmy hatte für die Themenwanderung des Gächinger Albvereins jede Menge vorbereitet. Auch für Kinder gab es einiges zu entdecken, beispielsweise die Gerätschaften in der alten Brechstadt.

Joachim Wilhelmy hatte für die Themenwanderung des Gächinger Albvereins jede Menge vorbereitet. Auch für Kinder gab es einiges zu entdecken, beispielsweise die Gerätschaften in der alten Brechstadt.

Karolin Müller
  • Der Albverein Gächingen veranstaltete eine Themenwanderung zu historischen Orten in Gächingen.
  • Teilnehmer konnten Flachs brechen und alte Werkzeuge in der Brechstadt erkunden.
  • Besondere Orte wie der Vulkanschlot und bronzezeitliche Grabhügel wurden besucht.
  • 750 Jahre Ortsgeschichte wurden gefeiert, Gächingen ist älter als die erste Urkunde von 1275.
  • Mammutbaum und Wanderers Kreuz erinnern an historische Ereignisse.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Während die Gemeinde St. Johann mit ihrem 50-jährigen Bestehen ein eher kleines, wenn auch nicht unwichtiges Jubiläum feiert, können die Menschen im Ortsteil Gächingen auf 750 Jahre Ortsgeschichte zurückblicken. Neben gemeinsamen Feierlichkeiten haben sich auch die einzelnen Vereine dazu einige besondere Veranstaltungen einfallen lassen. So lud am Sonntag die Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins zu einer Themenwanderung ein, und die führte durch Gächingen und drumherum.

Bis zum Mittag hätte wohl niemand gedacht, dass es eine solch regenschirmfreie Ortsbegehung werden würde. Doch der Wettergott meinte es gut. Vielleicht mit ein Grund, warum so viele Teilnehmer kamen. Der Albverein war jedenfalls positiv überrascht, und damit hatten sich auch die Vorbereitungen des Gächingers Joachim Wilhelmy mehr als gelohnt.

Flachs brechen wie früher

Mit Bildern, Gedichten, Karten und Mitmach-Stationen zeigte er auf, was es früher in Gächingen gab und wie sich Straßenläufe verändert haben. An mancher Stelle staunten sogar die älteren Generationen. Doch auf der Tour war für das gesamte Publikum etwas geboten. So fanden es die Jüngsten natürlich besonders spannend, wenn es was zu tun gab – etwa in der ehemaligen „Brechstadt“. Hier wurde einst Flachs gebrochen, um daraus die Fasern für den Leinenzwirn zu gewinnen. Ein Ofen und früher verwendete Geräte wie der Brecher standen bereit, um die damalige Arbeit anschaulich zu zeigen. In diesem Zusammenhang machte auch ein Abstecher zur „Tuchbleiche“ Sinn.

Wer im oberen Bereich der Neuen Steige eine Pause einlegt, kann sich vermutlich nicht vorstellen, dass es dort mal eine ganz flache Ebene gab. „Hier oben war die Partymeile“, berichtete Wilhelmy und erzählte von Schiffschaukeln, einem Kettenkarussell, Schieß- und Würstchenbuden, die hier einst Platz fanden.

Themenwanderung SAV Gächingen

Das Interesse an der Themenwanderung des SAV Gächingen war recht groß.

Karolin Müller

Am alten Steinbruch ging es ans Steineklopfen. Auch auf die bronzezeitlichen Grabhügel, von denen heute nicht mehr viel übrig ist, wurde während der Wanderung eingegangen. „Mindestens zehn waren hier bekannt“, erzählte Andreas Goller, Vorsitzender des Albvereins. Natürlich gehört auch der Vulkanschlot zur Ortsgeschichte, ebenso wie die Höhle, die sich zwischen Gächingen und Gomadingen befindet. Hier seien einst sogar Bärenknochen und Co gefunden worden.

Als markanter Punkt der Ortschaft gilt unter anderem die „Metzgers Tanne“, die, wie Goller berichtet, ehemals eine Fichte war. Mittlerweile steht hier ein Mammutbaum, der 2004 vom Gächinger Albverein gepflanzt wurde. Auch das „Wanderers Kreuz“ markiert einen besonderen Ort: hier wurde der Kaufmann und Begründer des Albvereins, Alfred Wanderer, 1920 von einem Wilderer erschossen.

Auf dem Weg zur Höhle wurde zudem dort angehalten, wo sich einst der Weiler Zizelhausen befand. An diesen erinnert nur noch der Flurname, doch im Mittelalter gab es hier eine Siedlung, „die im 16. Jahrhundert verlassen und niedergebrannt wurde“, erzählte Goller.

„Mal schauen, was die Geschichte hergibt“, dachte sich Andreas Goller im Vorfeld. „Man hat eine Frage beantwortet, dafür drei neue hinzubekommen“, erinnert sich der Vorsitzende. Zwar sei 1275 die erste urkundliche Erwähnung gewesen, „doch zehn Jahre vorher war eigentlich ein großes Datum: Das Herzogtum Urach ist zu Württemberg gekommen, und damit auch die Albkäffer“. Daraus schließt Goller: „Ich kann euch sagen, die Siedlung Gächingen ist viel älter.“ Es sei kaum zu glauben, dass in den kleinen Alborten geschichtlich so viel gelaufen sei, so sein Fazit. Doch die Recherchen ergaben etwas anderes, und das wurde auch während der Entdeckertour für Jung und Alt deutlich.