Lidl Neckarsulm: Explosion gibt Rätsel auf - ähnlicher Fall in München

Großeinsatz in Neckarsulm: In einem Verwaltungsgebäude des Lebensmittel-Discounters Lidl hat es eine Explosion gegeben, bei der drei Menschen verletzt wurden. Das Gelände wurde weiträumig abgesperrt.
Christoph Schmidt/dpa- Explosion in Lidl-Verwaltungsgebäude in Neckarsulm; drei Verletzte, Ursache unklar.
- Ähnliche Vorfälle in Eppelheim und München; Ermittlungen laufen.
- Verdächtige Postsendungen; keine Hinweise auf Erpressung.
- Lidl drückt Bestürzung aus; wünscht schnelle Genesung.
- Neue Lidl-Zentrale in Bad Wimpfen fast fertig, Umzug geplant.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
- Bei Lidl in Neckarsulm hat es am Mittwoch eine Explosion gegeben.
- In dem betroffenen Gebäude arbeiteten zum Zeitpunkt der Explosion etwa 100 Menschen
- Es gibt weitere Fälle in Eppelheim und München - besteht eine Verknüpfung?
Gegen 14.50 Uhr wird die Heilbronner Polizei wegen einer Explosion in der Rötelstraße in Neckarsulm alarmiert – und rückt mit anderen Rettungskräften zu einem Großeinsatz aus, der bis zum Abend andauert. Das Gebäude, in dem ungefähr 100 Mitarbeiter arbeiteten, wird evakuiert, die Umgebung weiträumig abgesperrt, Sprengstoff-Experten des Landeskriminalamts untersuchen den Fall. Offensichtlich ist ein Brief die Ursache der Explosion, drei Mitarbeiter werden verletzt und in eine Klinik eingeliefert. Von einer „Briefbombe“ will die Polizei offiziell noch nicht sprechen, schließlich ist nicht auszuschließen, dass es sich bei der Detonation um ein Unglück und nicht um einen Anschlag handelt. Dennoch sorgt der Fall für bundesweite Schlagzeilen: Denn die Firma, um die es geht, heißt Lidl.
Unternehmen Lidl zeigt sich bestürzt
Es ist ein Verwaltungsgebäude des Discounter-Konzerns, das am Mittwoch von der Polizei abgeriegelt wird. Der Hintergrund der Explosion ist nach Angaben der Heilbronner Polizei noch völlig unklar. Am Nachmittag sei es bei der Öffnung eines Briefes zu der Explosion gekommen, teilt das Unternehmen später mit. „Wir sind tief bestürzt über den Vorfall und wünschen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine gute und schnelle Genesung.“
Parallelen zu Fällen in Eppelheim und München?
Die Kriminalpolizei ermittelt. Dabei wollen die Beamten auch prüfen, ob es einen Zusammenhang zu einem ähnlichen Vorfall gibt, der sich einen Tag zuvor im nur rund 65 Kilometer entfernten Eppelheim im Rhein-Neckar-Kreis bei Heidelberg ereignet hat.
Auch in München ist ein verdächtiges Paket entdeckt worden. In der Nacht zum Donnerstag gelang es in einem Paktverteilzentrum beim Flughafen München, eine weitere Postsendung abzufangen und zu entschärfen. Die Sendung war an ein Lebensmittelunternehmen mit Sitz in Bayern adressiert, wie Staatsanwaltschaft Heidelberg und Landeskriminalamt am Donnerstag mitteilten. Auch das Bayerische Landeskriminalamt ist daher eng in die Ermittlungen eingebunden. Im Südwesten hatte es Explosionen bei einem Getränkehersteller in Eppelheim und der Lidl-Zentrale in Neckarsulm gegeben.
Derzeit prüfen Spezialisten sämtliche an den Tatorten und der entschärften Sendung gesicherten Spuren, um möglichst rasch dem Täter oder den Tätern auf die Spur zu kommen.
Mitarbeiter erlitt Knalltrauma
Dort war am Dienstag gegen 11 Uhr ein Päckchen in einem Firmengebäude explodiert. Der „Rhein-Neckar-Zeitung“ zufolge kam es zu einer Verpuffung in der Warenannahme der „Wild-Werke“. Der Mitarbeiter, in dessen Händen das Paket detonierte, erlitt ein Knalltrauma. Der Hersteller ADM Wild in Eppenheim ist ebenfalls in der Lebensmittelbranche tätig und liefert Aromen, etwa für Fruchtsaftgetränke.
Anschlag oder Unglück?
Bis Mittwoch war auch im Eppelheimer Fall unklar, ob es sich um einen Anschlag mit einer Paketbombe handelte oder um ein Unglück. Die Ähnlichkeit der Fälle lässt allerdings aufhorchen. Hinweise auf Erpresserschreiben oder eine mögliche Produkterpressung gibt es laut Polizei nicht.
Lidl war in der Vergangenheit immer wieder Zielscheibe von Erpressern gewesen. 2007 verurteilte das Landgericht Heilbronn einen Mann aus Hamburg zu vier Jahren und neun Monaten Haft. Er hatte versucht, 1,2 Millionen Euro von dem Discounter zu erpressen. Dabei drohte er in Briefen Giftanschläge auf Lebensmittelfilialen in Hamburg und Berlin an. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, hatte er in einer Filiale ein mit Salzwasser versetztes Mundwasser ins Regal gestellt.
Zahncreme mit Pflanzenschutzmittel verunreinigt
2017 wurden zwei Männer vom Landgericht Dortmund zu jeweils zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Sie sollen in Filialen in Dortmund, Wuppertal und dem Rheinland Lebensmittel – darunter Nougatcreme und Zahnpasta – deponiert haben, die mit einem Pflanzenschutzmittel verunreinigt waren. In E-Mails forderten sie fünf Millionen Euro in der Kryptowährung Bitcoin von dem Handelsunternehmen. Kunden kamen bei den Erpressungen nicht zu Schaden.
Rohrbomben gezündet
Bei einem weiteren Erpressungsversuch 2012 und 2016 gegen Lidl waren nachweislich Sprengsätze zum Einsatz gekommen. Eine Frau und ein Mann sollen 2012 vor Filialen in Bochum und Bottrop Rohrbomben gezündet haben, 2016 dann einen weiteren Sprengsatz vor einer Filiale in Herten, um Millionen abzukassieren. Das Urteil des Landgerichts Bochum: jeweils zehn Jahre Haft, unter anderem wegen Mordversuchs.
Neue Konzernzentrale in Bad Wimpfen
Die Supermarktkette Lidl gehört zur Schwarz-Gruppe und hat ihren Verwaltungssitz in Neckarsulm. Aktuell betreibt der Lebensmittelriese nach eigenen Angaben insgesamt 11 200 Filialen in 29 Ländern. Die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland beziffert das Unternehmen auf 88 000, die der deutschen Filialen auf 3200.
Im Geschäftsjahr 2019 sei ein Umsatz in Höhe von 98 Milliarden Euro erwirtschaftet worden, davon 22,7 Milliarden Euro in Deutschland, heißt es auf der Unternehmenshomepage. Die erste Lidl-Filiale in Deutschland eröffnete 1973.
Die Tage von Neckarsulm als Sitz der Konzernzentrale und Verwaltung sind allerdings gezählt: In der acht Kilometer entfernten Kurstadt Bad Wimpfen ist ein neues Hauptquartier mit fünf Bürokomplexen bereits fast bezugsfertig, das bald 1500 Mitarbeiter beherbergen soll. Der Umzug der Mitarbeiter ins neue Domizil ist für Anfang dieses Jahres angekündigt.
